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"Die Treue zum Haus ist hoch"

"Die Treue zum Haus ist hoch"

Die Spitze der Kreissparkasse (KSK) Vulkaneifel ist komplett, die Wogen nach den Querelen um die Absetzung von Bankchef Dieter Grau glätten sich. Laut Vorstand hat sich der Ärger nicht negativ auf die Bilanz und den Kundenstamm der Bank ausgewirkt.

Daun. Vor einem Dreivierteljahr hat der Verwaltungsrat des KSK Vulkaneifel unter anderem mit den Stimmen von CDU und Vertretern der Bank die Vertragsverlängerung des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Dieter Grau versagt - ohne Nennung von Gründen. Das hat ein politisches Erdbeben erzeugt, in dessen Folge Heinz Onnertz als Verwaltungsratsvorsitzender zurückgetreten ist und zum 31. März 2013 auch vorzeitig als Landrat aus dem Amt scheidet. Auch die KSK wurde von den Ereignissen erschüttert. Jetzt ist der Vorstand wieder komplett. Im TV-Interview beziehen Helmut Sicken und Dietmar Pitzen Stellung.

Herr Pitzen, wie war Ihre offizielle Einführung?
Pitzen: Positiv. Es war locker und wir hatten gute Gespräche.
Sicken: Natürlich waren alle im dunklen Anzug gekommen, wie sich das gehört. Aber nach der Begrüßung war die Stimmung gelöst. Ich hatte gesagt: "Die Sparkasse hat jetzt nur noch ein Loch vor der Haustür, im Vorstand ist die Lücke geschlossen worden."

Mit dem anderen Loch meinen Sie den Umbau des Gebäudes?
Sicken: Ja.

Welche Erwartung hat die Belegschaft an den neuen Vorstand?
Sicken: Das hat der Vorsitzende des Personalrats, Rainer Cronenbroeck, konkretisiert: dass der Gesamtvorstand dem Personalrat als Vertretung des Personals nochmals Gehör schenkt.

Nochmals im Sinne von jetzt wieder?
Sicken: Ja, das betrifft das vergangene Dreivierteljahr, wo ich nicht die Zeit hatte, auf die Belange der Mitarbeiter einzugehen.

Welches sind in naher Zukunft die drei wichtigsten Ziele?
Pitzen: Für mich ist es, da ich ja fürs Kundengeschäft verantwortlich bin, rauszufahren und die Kunden, ihre Erwartungen und Bedürfnisse kennenzulernen.
Sicken: Mein Ziel wird es sein, Herrn Pitzen die laufenden Projekte vorzustellen. Da ist in erster Linie der Umbau zu nennen. Auch das Risikomanagement wird ein zentrales Thema sein.

Weil die Bankenaufsicht bei der Kreditvergabe deutlichen Nachbesserungsbedarf gesehen hat?
Pitzen: Ja, aber die Instrumentarien in Sachen Risikomanagement der Sparkasse sind up to date. Sie müssen nur durchgängig angewendet werden. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das bei jeder Beratung selbstverständlich wird.

Herr Pitzen, als Volksbankdirektor waren Sie Verfechter einer konservativen Finanzpolitik. Wird die Geschäftspolitik der KSK Vulkaneifel, der hin und wieder riskante Geschäfte nachgesagt wurden, nun konservativer ausfallen?
Pitzen: Was ich hier erlebe, ist ein 100 Prozent aufs Kundengeschäft ausgerichtetes Institut. Die Sparkasse ist alles andere als spekulativ. Sie hat aber im Kreditgeschäft mit eine sehr, sehr hohe Quote - fast 80 Prozent - an Kundenkrediten. Das ist im Land einmalig. Diese Strategie wird unvermindert weiter verfolgt.

Ohne Risiko aber keine Rendite. Wie will die KSK Vulkaneifel dann künftig Geld verdienen - was sie muss, nicht zuletzt da sie dem Kreis jährlich 500 000 Euro zur Entschuldung überweisen muss?
Pitzen: Das schafft man, indem die Kunden uns weiterhin hohe Einlagen anvertrauen, und wir so den Kunden in großem Maß Kredite geben können, ohne uns am Kapitalmarkt Geld zu leihen. Daher die hohen Erträge.

Wie wirken sich in der Bilanz, die ja noch nicht vorgelegt wurde, die Verwerfungen des vergangenen Dreivierteljahres aus?
Sicken: Die endlosen Diskussionen, die die Personalie Grau in der Kundschaft und bei Beratergesprächen ausgelöst hat, haben sich weder im Geschäftsfluss noch im Betriebsergebnis merklich ausgewirkt. Die Treue zum Haus ist sehr hoch.

Verzeichnen Sie fürs vergangene Jahr einen Gewinneinbruch?
Sicken: Nein. Aber da 90 Prozent Bestandsgeschäft sind, macht sich so etwas ohnehin kurzfristig nicht bemerkbar.

Gab es Umsatzeinbrüche?
Sicken: Nein, auch das nicht. Es gab eine leichte Steigerung von drei Prozent, die wir aber eingeplant hatten.

Und personell? Schließlich haben mehrere Mitarbeiter wie die Personalratsvorsitzende Lya Sammer das Haus verlassen.
Sicken: Es gab keine einzige personelle Verwerfung. Auch der Weggang von Frau Sammer hat nichts mit der Personalie Grau zu tun. Wenn ich eine besser dotierte Stelle finde, ist es eine Selbstverständlichkeit. Gleiches gilt für andere Mitarbeiter.

Sind verärgerte Kunden in größerem Umfang abgesprungen?
Sicken: Nein, es gibt keine Veränderung.

Herr Sicken, machen Sie jetzt mal Urlaub?
Sicken: (lacht) Ja, die ersten beiden Oktoberwochen. Ich organisiere bereits, dass da ja bloß nichts mehr dazwischenkommt.

Themenwechsel: Im Zuge der Kommunalreform steht auch die Existenz des Landkreises Vulkaneifel zur Debatte. Welche Auswirkungen sehen Sie für die KSK?
Sicken: Wir gehen davon aus, dass der Landkreis Vulkaneifel bestehen bleibt - mindestens in der jetzigen Form.
Pitzen: Das ist kein originäres Thema der Kreissparkasse. Doch egal, wie letztlich entschieden wird: Man wird im Kreis Vulkaneifel immer eine leistungsfähige, kundenorientierte und erfolgreiche Sparkasse benötigen.

Herr Pitzen, wollen Sie Vorstandsvorsitzender werden?
Pitzen: Das entscheidet der Verwaltungsrat.

Und Sie, Herr Sicken?
Sicken: Keine Antwort.Extra

Helmut Sicken (55) stammt aus Dreis-Brück und ist seit rund vier Jahren Vorstand der KSK Vulkaneifel. Zuvor war er Vorstandssekretär. Dietmar Pitzen (40) stammt aus Bodenbach und hat Anfang August seinen Job als KSK-Vorstand angetreten. Pitzen war zuvor Direktor des Regionalmarkts Eifel bei der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel. mhExtra

 Nur noch vor dem Haus eine Baustelle: Die Kreissparkasse investiert in die Modernisierung ihres Hauptsitzes in Daun. Tv-Foto: Mario Hübner
Nur noch vor dem Haus eine Baustelle: Die Kreissparkasse investiert in die Modernisierung ihres Hauptsitzes in Daun. Tv-Foto: Mario Hübner

Die KSK Vulkaneifel ist mit rund 220 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 783 Millionen Euro zwar die kleinste Sparkasse in Rheinland-Pfalz. Mit dem Gewinn von 1,3 Millionen Euro, einem Eigenkapital von 83 Millionen Euro und einer Eigenkapitalquote von 16 Prozent (alle Zahlen von 2010) belegt sie aber einen Spitzenplatz. mh