Die vielen Facetten des Eifelmalers Pitt Kreuzberg

Daun · In ihrem neuen Roman "Unter dem großen Himmel" hat Ute Bales (Freiburg) das Leben und Wirken des Malers Pitt Kreuzberg mit dessen Lebensstationen und der Zeitgeschichte verknüpft. Zu der Buchvorstellung kamen 350 Besucher ins Forum Daun; sie waren höchst aufmerksam und sehr angetan.

 Ute Bales hat mit „Unter dem großen Himmel“ ihren vierten Roman vorgelegt. TV-Foto: Brigitte Bettscheider

Ute Bales hat mit „Unter dem großen Himmel“ ihren vierten Roman vorgelegt. TV-Foto: Brigitte Bettscheider

Daun. Ute Bales sei "etwas ganz Großes" gelungen, sagte am Ende Volksbankdirektor Herbert Thelen - selbst sichtlich berührt. Soeben hatte die aus der Eifel stammende Schriftstellerin den Minuten langen Applaus im Anschluss an ihre klug komponierte Lesung etwas verlegen und freudestrahlend gleichermaßen mit den Worten kommentiert: "So viel Beifall hatte ich noch nie."
Direktor Thelen mag sein Kompliment auf das druckfrische Buch bezogen haben. Darin macht - nach den Worten des Rezensenten Gerd Becker - die 51-jährige Dozentin und Schriftstellerin "mit fesselnder, schöner und ausdrucksvoller Sprache die vielen Facetten des Menschen und Künstlers Pitt Kreuzberg und die seiner Bilder verstehbar". Doch Thelens Kompliment gebührt ebenso der Gestaltung der Lesung, die wie der Roman mit der Rahmenhandlung begann und mit ihr endete: wie sich Pitt Kreuzberg in seinem letzten Lebensjahr (1966) an den Augenblick erinnert, als er das Maar zum ersten Mal gesehen hatte, und wie er die Arbeit in seinem Schalkenmehrener Garten mit dem Malen auf eine Stufe seines Lebenswerks stellte. Die Passagen, die Bales zum Vorlesen ausgewählt hatte, handelten von Kreuzbergs Erschütterung über die Einsamkeit des Weinfelder Maars, vom Bewusstwerden der Ausgrenzung und des Misstrauens im Dorf, von den Strudeln der Angst an der Front des Ersten Weltkriegs. Sie erzählte von der Bombardierung Dauns 1944/45 und von der politischen Kritik in Kreuzbergs Nachkriegskunst. "Als Pitts Frau stirbt, werden seine Bilder immer greller und unverständlicher", resümierte Bales. Und: "Am Ende reiht sich Abschied an Abschied."
Heribert Ries (Wittlich), der schon 2010 Bales\' Roman "Peter Zirbes" vorgestellt hatte, sagte, sie habe einen Roman verfasst, dem der Mensch und Maler seine uneingeschränkte Zustimmung geben würde.
Lisa Henn (Daun) und Karin Oster (Bernkastel-Kues) spielten Violinen- und Klavierstücke von Komponisten aus der Lebenszeit Pitt Kreuzbergs. bb
Der Roman von Ute Bales "Unter dem großen Himmel. Pitt Kreuzberg - Geschichte eines Unbeirrbaren" aus dem Rhein-Mosel-Verlag ist gebunden mit Schutzumschlag, hat 520 Seiten und kostet 22,80 Euro; ISBN 978-3-89801-057-3.Extra

Marlies Bales, Gerolstein: "Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie gut meine Tochter Ute sich in andere Menschen hineinversetzen und sich ausdrücken kann. Sie hat einige meiner persönlichen Erinnerungen in dem Roman verarbeitet, zum Beispiel den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Ich bin sehr stolz auf Ute und glücklich, dass heute Abend so viele Zuhörer hier sind." Gerd Becker, Daun: "Ute Bales ist eine Schriftstellerin mit einem hohen literarischen Anspruch und einer wunderbaren Sprachbegabung. Ihr ist ein weiterer fesselnder und geistreicher Roman gelungen." Helmut Giesen, Daun-Waldkönigen: "So eine eindrucksvolle, großartige Autorenlesung habe ich noch nie erlebt. Ich habe Pitt Kreuzbergs Bilder und die Landschaft der Eifel geradezu vor Augen gehabt." Oskar Lautwein, Niederkail: "Ute Bales bleibt ihrer Linie, die schon im Peter-Zirbes-Buch so bemerkenswert war, treu. Sie beschreibt filigran die Menschen und die Natur, und sie stellt ihre ausgezeichnete Kenntnis des politischen Geschehens unter Beweis. Das Publikum dankte es ihr heute Abend mit großem Beifall." Gerd Ostermann, Birgel: "Ich bin total begeistert von dem Buch und der Lesung. Es spricht mich persönlich so stark an, weil ich in Mehren geboren bin und im Naturschutz arbeite. Ich entdecke mein Naturverständnis in Pitt Kreuzbergs Bildern und in Ute Bales\\' Sprache wieder. Noch nie habe ich eine so schöne und treffende Beschreibung eines Boskoops gehört oder gelesen." Marlene Wierz, Dreis-Brück: "Ich habe auch Ute Bales\\' andere Bücher gelesen. Was mir bei diesem besonders auffällt und gefällt, sind die Wortschöpfungen. Ich glaube, dieses Buch ist ein ganz großer Wurf." bb