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Die Vulkaneifel rüstet für die zweite Welle

Gesundheit : 118 Fälle, 684 Isolationen und tausende Anrufe

Testen, Telefonieren und Isolieren: So hat das Gesundheitsamt in Daun die Corona-Pandemie gemanagt.

Die große Frage mit einerseits dem Blick auf die aktuellen und beruhigenden Fallzahlen und andererseits den bevorstehenden Sommerferien lautet: Ist die Corona-Pandemie im Kreis Vulkaneifel, die fünf Menschen das Leben gekostet hat und offiziell 118 Infizierte mit sich brachte, überstanden oder gibt es einen Rückschlag oder – noch schlimmer – eine zweite, eventuell noch größere Welle als um Ostern herum?

Ausblick: Dr. Volker Schneiders, Leiter des Gesundheitsamts Daun, wagt eine Prognose: „Die Mehrheit der Patienten wird die Infektion vermutlich ohne Dauerschäden überstehen. Binnen ein bis zwei Jahren sollte es einen Impfstoff und/oder therapeutisch wirksame Medikamente geben. Danach stellt sich dann die herausfordernde Aufgabe einer effektiven Durchimpfung der gesamten Bevölkerung, vermutlich mit regelmäßigen Wiederauffrisch­impfungen in Analogie zur Grippeimpfung.“ Bis dahin stehen aus Sicht des Mediziners nur Abstandhalten mit Hygienemaßnahmen (Nies-/Hustenetikette; konsequentes regelmäßiges Händewaschen; Mund-Nasen-Bedeckung) und gezieltes Testen, gefolgt von Isolations- und Quarantänemaßnahmen, zur Verfügung.

Nach Schneiders Einschätzung hat die Bevölkerung des Landkreises Vulkaneifel im bisherigen Verlauf der Pandemie vorbildlich eine hohe Disziplin im Hinblick auf die Abstands- und Hygieneregeln an den Tag gelegt. Gleichzeitig beobachtet er, dass durch die zunehmenden Lockerungen vor allem im Bereich der touristischen Highlights im Kreis eine zunehmende Ansammlung von Menschen an diesen Highlights vorzufinden ist. Er sagt daher: „Ich denke, dass wir künftig vermutlich über das Jahr verteilt immer mal wiederkehrende lokal begrenzte Krankheitsausbrüche erleben, insbesondere immer dann, wenn die Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen zunehmend phlegmatisch missachtet werden, wie es offensichtlich zuletzt in Göttingen der Fall war.“ Mit Spannung erwarte er die im Herbst beginnende Erkältungszeit, wenn sich Corona und weitere  Atemwegserreger überlappen und zu „einer vermehrten Belastung im Gesundheitssystem führen könnten“.

Dennoch bleibt er gelassen: „Medizinisch ist aus meiner Sicht vieles organisiert, um die Behandlungsmöglichkeiten sehr kurzfristig an den Pandemieverlauf einer zweiten Welle anzupassen: Ich sehe die Krankenhäuser weiterhin darauf vorbereitet, einen potenziellen erneuten Anstieg Covid-19-Erkrankter zu versorgen und intensivpflichtige Erkrankte unmittelbar zu behandeln.“ Und das ambulante System der Vertragsärzte, dem eine Schlüsselrolle in der Entlastung der Krankenhäuser zukomme, sei so gut aufgestellt, dass es für ihn „das Rückgrat der medizinischen Versorgung“ in der Vulkaneifel darstelle.

Rückblick: Insgesamt gab es seit dem Ausbruch der Pandemie im Landkreis Vulkaneifel am 10. März bisher  118 bestätigte Covid-19 Fälle. Davon konnten nach den Richtlinien des Robert-Koch-Institutes 113 Personen die Quarantäne verlassen, die letzte mit Covid-19 akut erkrankte Person an Pfingstmontag (1. Juni). Fünf Menschen sind im Zusammenhang mit Corona (und Vorerkrankungen) verstorben. Bereits seit dem 9. Mai gibt es keine bestätigte Neuinfektion mehr im Kreis, seit 1. Juni keine aktiven bestätigten Covid-19-Fälle mehr.

Ihren bisherigen Höhepunkt erreichte die Pandemie um Ostern herum, als die Zahl der Erkrankten weiterhin stark anstieg, die Zahl der Genesenen aber erst leicht zunahm. So gab es am 12. und 13. April 61 aktuelle Erkrankte. Von da an wendete sich das Blatt: Zwar steigt die Zahl der Erkrankten weiterhin an, aber fortan nur noch deutlich verlangsamt.

Gleichzeitig konnten immer mehr Menschen als genesen aus der Quarantäne entlassen werden. Der  3. April war der Tag, an dem die meisten Neuinfizierten (18) an einem Tag registriert wurden, der 27. April die meisten an einem Tag Genesenen (9). Der ersten Corona-Tote war am 4. April zu beklagen, der fünfte und bislang letzte am 11. Mai.

Quarantäne/Kontaktpersonenmanagement:

Insgesamt wurden im Landkreis Vulkaneifel bis heute 1107 Kontaktpersonen ausgemacht: im März 542, im April 447, im Mai 118. Bei 684 von ihnen wurde  Quarantäne verfügt: und zwar bei den 118 Erkrankten, ihren Kontaktpersonen der Kategorie I sowie Reiserückkehrern.

Zu Hoch-Zeiten standen dem Gesundheitsamt im Bereich des Kontaktpersonenmanagements 15 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zur Verfügung. Im Rahmen der Pandemie sind dazu zwei Ärzte im Ruhestand akquiriert sowie weitere Kräfte aus anderen Bereichen der Verwaltung zur Unterstützung ins Gesundheitsamt des Landkreises Vulkaneifel abgeordnet worden. Aktuell (Stand 8. Juni) sind noch acht Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in diesem Bereich tätig.

Folgende Auflistung zeigt, wie umfangreich das Kontaktpersonenmanagement trotz der relativ geringen Gesamtfallzahlen ist:

Die 684 Personen, die eine Quarantäneverfügung erhalten haben, waren durchschnittlich 14 Tage in Quarantäne und wurden in dieser Zeit alle zwei Tage kontaktiert, um sich nach dem aktuellen Wohlbefinden zu erkundigen. So kamen bereits 4788 Telefonkontakte (684 x 7) zustande. Die übrigen 423 Kontaktpersonen wurden einmalig kontaktiert. Macht zusammen: 5211 Kontakte.

Hinzu kommt, dass in der Hoch-Zeit (März/April) über eine Dauer von mindestens 30 Tagen täglich weitere 200 Anrufe im Gesundheitsamt eingingen: also rund 6000 Telefonate. Hier ging es um Beratungen von Bürgern und Firmen. Dadurch sind demnach rund 6000 Telefonkontakte zusammengekommen. Unter dem Strich haben die Beschäftigten des Gesundheitsamts mehr als 11 000 Telefonate in Zusammenhang mit Corona geführt. Interne Telefongespräche nicht mitgezählt.

Aktueller Arbeitsaufwand: Auch wenn es aktuell keine bestätigten Covid-19-Fälle im Kreis gibt, ist das Gesundheitsamt nicht arbeitslos, wie Dr. Schneiders betont.  Zu den derzeitigen Aufgaben im Rahmen der Pandemie gehörten weiterhin gezielte Testungen bei Pflegekräften von Alten- und Pflegeheimen im Landkreis in regelmäßigem Rhythmus mit jeweils Stichproben von sechs bis acht Abstrichen sowie Testungen bei Aufnahmen oder Wiederaufnahmen (etwa nach einem Klinikaufenthalt) von Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen ebenso wie in Einrichtungen für volljährige Menschen mit Behinderungen. Schneiders weiter: „Selbstverständlich bleibt weiterhin das Kontaktpersonenmanagement von Kontaktpersonen der Kategorie I eine wichtige Aufgabe: Auch hier muss fortlaufend ermittelt werden, beispielsweise auch im Zusammenhang mit positiven Fällen aus Nachbarlandkreisen oder anderen Regionen, die direkte Kontaktpersonen zu einer in unserem Landkreis lebenden Person waren.“

 Ein Abstrichstäbchen wird in einer Corona-Testeinrichtung gehalten
Ein Abstrichstäbchen wird in einer Corona-Testeinrichtung gehalten Foto: dpa/Britta Pedersen

Ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt sei zudem die Beratung von Schulen, Gastronomie, Einrichtungen, Behörden, Firmen, Altenheimen und Krankenhäusern bezüglich der immer weitergehenden Lockerungen. Schneiders: „Hier gibt es eine hohe Nachfrage und dementsprechend haben unsere Leute hier alle Hände voll zu tun.“