Die Wärme kommt aus 70 Metern Tiefe

Die Wärme kommt aus 70 Metern Tiefe

In Zeiten von immer höher steigenden Öl- und Gaspreisen suchen viele Hausbesitzer nach Alternativen. Erdwärme ist eine solche und praktisch überall möglich. In Kelberg hat sich Familie Bal jetzt zu diesem Schritt entschlossen und setzt auf Energie aus der Erde.

Kelberg. Die Öl - und Gaspreise sprengen momentan jede Grenze. 100 Dollar pro Barrel (159 Liter) sind erstmals erreicht worden, und ein Ende ist nicht abzusehen. Doch was kann man als Hausbesitzer außer energiesparenden Maßnahmen überhaupt unternehmen, um auch in Zukunft ein warmes Zuhause zu haben? Viele machen sich dabei Gedanken über neue Energien. Solar- und auch Pelletsheizungen sind Möglichkeiten, aber auch die richtigen? Gerto und Kerstin Schäfer-Bal aus Kelberg lassen vor ihrem neuen Haus in der Amselstraße lieber tiefe Löcher bohren und zapfen die natürliche Wärme aus der Erde an. Erdwärme heißt ihre Lösung für ein warmes Zuhause.Lieber Wärme aus der Erde als Öl von den Scheichs

"Wir haben uns natürlich zuerst einmal über diese Energiequelle informiert und schnell festgestellt, dass sie genau richtig für uns ist. Denn Erdwärme ist umweltfreundlich, und sie ist viel billiger als reguläre Anlagen mit Öl oder Gas", sagt Kerstin Schäfer-Bal.Im Kelberger Neubaugebiet ist Familie Bal der zweite Nutzer von Erdwärme. Da Gerto und Kerstin Schäfer-Bal sich ein Fertighaus errichten ließen, in dem eine Gasheizung im Preis eingeschlossen war, mussten sie für Erdwärme einen Aufpreis von 12 000 Euro zahlen. Allein die Tiefenbohrung kostet rund 8000 Euro. "Wir haben zwei Bohrungen von 69 und 75 Meter Tiefe durchgeführt. Das reichte in diesem Fall, da das Haus klein und gut isoliert ist", erklärt Firmenchef Hans-Werner Müller aus Mayen, dessen Unternehmen geothermische Bohrungen ausführt. 1600 Anlagen hat seine Firma bisher erstellt, und die Zuverlässigkeit und Langlebigkeit von Erdwärme steht für ihn außer Frage. "Wir hatten noch nie Probleme. Solch eine Anlage hält ein ganzes Hausleben."Familie Bal spart jetzt Jahrzehnte lang Energiekosten, das ist beiden wichtig. "Wir sparen etwa 50 Prozent der Energiekosten gegenüber Öl oder Gas", freut sich Gerto Bal. "Zuerst steht bei solch einer Entscheidung natürlich der Geldgedan-ke im Vordergrund. Aber wenn man so auch noch etwas für die Umwelt tun kann, dann ist die Entscheidung für Erdwärme gar keine Frage", sagt Kerstin Schäfer-Bal.Der Südwestrundfunk zeigt heute, Donnerstag, um 20.15 Uhr in der Sendung "Ländersache" einen Bericht über Erdwärmeheizungen, in dem auch Familie Bal aus Kelberg über ihren Entschluss zur Erdwärme porträtiert wird.Hintergrund Geothermie ist unbeschränkt und kostenlos nutzbar. Da bei Erdwärmeheizungen keine Verbrennung abläuft, kann in Zukunft auf den Besuch des Schornsteinfegers verzichtet werden. Auch einen Schornstein sowie Tankraum braucht man in diesem Fall nicht. Bei Erdwärme wird Wasser mit Glykol vermischt durch Bohrlöcher gepumpt und bringt die Wärme mit nach oben. Es gibt verschiedene Möglichkeiten Energie aus der Wärmequelle Erde zu gewinnen. Die gängigste Methode ist es, die Heizenergie über U-förmige Kunststoffrohre, sogenannte Erdwärmesonden, welche tief in den Boden gesetzt werden, zu beziehen. Weitere Varianten sind die spiralförmigen Energiekörbe und Erdwärmekollektoren (Rohrschlangensystem), die in niedrigen Erdtiefen untergebracht werden.