Die Welt der Farben

Der Künstler hatte zum Tag der offenen Tür zur Betrachtung der Bilder und zum Gespräch eingeladen. Zum Beispiel darüber, was Malerei mit Kochkunst zu tun hat.

Gerolstein Wer heute das älteste Haus in Gerolsteins Oberer Marktstraße betritt, befindet sich unmittelbar in einem Wohn- und Kunstraum. Hier bilden Diele, Esszimmer und Küche eine Einheit, und die Kunst des Hausherrn ist allgegenwärtig.
Große Formate und starke Farben ziehen den Blick an: das Lavendel-Lila und das Weizen-Gelb der Provence, die warmen Erdtöne Georgiens, die ganze Bandbreite von Türkis und Blau im Bild "Osterstimmung". Wer dann durch den Garten in das oberhalb gelegene Atelier mit Ausstellungsbühne gelangt, bekommt noch mehr zu sehen aus Remmers' zeitgenössischem Werk: Landschaften, Akte, Porträts - Letztere mit auffallend ikonenhaften Zügen.
"Das Christentum ist die Quelle meiner Kunst, in Philosophie und Theologie finde ich meine Inspiration", erklärt Paulus Remmers. Er sagt: "Ich möchte mit meinen Bildern die Menschen da berühren, wo sie Suchende nach dem Sinn des Lebens sind." Und räumt ein: "Meine Bilder geben nicht unbedingt Antworten, aber Anregungen."
"120", sagt er mit Blick auf die Farbtuben auf dem Tisch neben der Staffelei. Die Tuben enthalten nicht-synthetische Farben und stammen aus einer niederländischen Farbmühle, die es schon zu Lebzeiten Rembrandts gab. Paulus Remmers trägt sie auf handgewebtes Leinen aus Belgien auf. Die Leisten fertigt ein Schreiner. "Das ist wie mit gehobener Kochkunst", erklärt er - "nur beste Zutaten!" Seine Bilder finden sich in Banken, Kirchen, Rathäusern und bei privaten Sammlern in fast allen westeuropäischen Ländern.
Als Sohn niederländischer Eltern war Paulus Remmers 1956 in Australien auf die Welt gekommen. Bis er sich 1992 im Raum Hannover als freischaffender Künstler niederließ, hatte er nach Kindheit und Jugend in den Niederlanden dort mit dem Studium der Landschaftsarchitektur begonnen, dann in England eine Kochlehre absolviert und in Norwegen mit schwer erziehbaren Jugendlichen gearbeitet.
Er studierte in Amsterdam Kunst und in Stuttgart und Hannover Theologie. Er lebte zeitweise in den USA und in Südfrankreich.
Nach Gerolstein führten ihn vor zwei Jahren das 1896 erbaute Haus mit inzwischen in ein Atelier umgewandelter ehemaliger Anstreicherwerkstatt auf großem, ländlich geprägtem Grundstück sowie der wegen der Berufstätigkeit seiner Frau erforderliche Bahnanschluss. "Die absolut richtige Entscheidung", meint Remmers. Fehlt nur noch, dass er bekannt wird, wo er nun lebt. Erste Gelegenheit dazu boten drei Tage der offenen Tür.
Kontakt: Paulus Remmers, Obere Marktstraße 29, Gerolstein, Telefon 0160/5532432, E-Mail: paulus@uneen.is , Facebook: paulus remmers