Die Zukunft steht in den Sternen

Die Zukunft steht in den Sternen

Die Zukunft des Observatoriums in Schalkenmehren ist ungewiss: Die Universität Bonn will die Sternwarte nicht weiterführen und löst das Inventar auf. Der Förderverein versucht dennoch, Anlage und Teleskope zu erhalten. Für heute ist eine Sitzung anberaumt, an der auch Landrat Heinz-Peter Thiel teilnimmt.

Schalkenmehren. Das Teleskop unter der hölzernen Kuppel ist riesig. Auf einen Knopfdruck öffnet sich ein breiter Spalt im drehbaren Dach, so dass Tageslicht hineinfällt. In der Nacht kann man mit dem Teleskop die Sterne beobachten.
Doch das wird künftig nicht mehr möglich sein. Zumindest, wenn es nach den Plänen der Universität Bonn geht, die die Arbeit in dem Observatorium Hoher List vor einem Jahr aufgegeben hat. Die großen alten Geräte seien alle zum Verkauf ausgeschrieben, erzählt Harald Simon, Veranstaltungsreferent vom Förderverein Schalkenmehren. Was nicht verkauft werden kann, soll verschrottet werden. "Ein Gerät wird schon abgebaut", sagt Simon.
Doch das wollen die Aktiven vom Förderverein nicht einfach so hinnehmen. Sie hoffen, die Anlage erhalten zu können. Unterstützung erhalten sie dabei von der rheinland-pfälzischen Grünen-Abgeordneten Ruth Ratter, die sich mit einem Brief an den Kanzler der Universität Bonn, Reinhardt Lutz, gewandt hat. Darin bittet sie um ein dreimonatiges Moratorium, währenddessen keine weiteren Schritte in Richtung Verkauf der Anlage unternommen werden - mit Erfolg. Heute Nachmittag wird bei einem Treffen mit Heinz-Peter Thiel, Landrat des Kreises Vulkaneifel, Verbandsgemeinde-Bürgermeister Werner Klöckner und Landtagsabgeordneten aus der Region über die künftige Nutzung diskutiert. Denkbar ist zum Beispiel ein Bildungsinstitut, das Seminare und kulturelle Veranstaltungen anbietet und die Begeisterung für Ingenieurs- und Naturwissenschaften fördert.
Mietvertrag ab August


Unterdessen plant der Förderverein, eines der Gebäude zu mieten, um in jedem Fall einen Teil der Sternwarte zu erhalten. Damit wäre der Förderverein praktisch Untermieter der Uni Bonn, die nach wie vor ebenfalls Miete für die jetzt ungenutzten Räume zahlt. "Der Mietvertrag soll ab August laufen", sagt Simon. "Allerdings planen wir erstmal nur für ein Jahr", so der Veranstaltungsreferent. Insgesamt 700 Euro muss der Förderverein mit 60 Mitgliedern für die Nutzung des Gebäudes bezahlen. Damit verfügt der Verein unter anderem über einen Seminarraum und eine Kuppel mit einem Spiegelteleskop. "Wir haben uns für dieses Gebäude entschieden, weil es in sehr gutem Zustand ist", erklärt Simon. Erst vor drei Jahren hatte die Uni Bonn 1,7 Millionen Euro in eine Renovierung der Sternwarte investiert. Aber der Erhalt des Observatoriums und neue Projekte kosten viel Geld. "Wir hoffen aber, Sponsoren zu finden", sagt der Hobbyastronom.
Wie immer es jetzt auch weitergeht, die Aktiven des Fördervereins wollen, sobald sie Mieter des Gebäudes sind, wieder Interessierten die Welt der Sterne näher bringen. Und da ist das Interesse groß, versichert Simon.
Das Treffen findet am heutigen Montag um 14 Uhr am Observatorium statt. Alle Bürger sind dazu willkommen.

Extra

Die Sternwarte auf dem Hohen List in Schalkenmehren gibt es seit 60 Jahren. Ein Dauner Geologe hatte die Astronomen an der Universität Bonn Anfang der 1950er Jahre auf den Hohen List als Standort für eine Sternwarte aufmerksam gemacht. Baubeginn auf dem 550 Meter hohen Schlackenkegel war 1952. Zunächst entstanden das Hauptgebäude und drei Kuppeln. Der Erweiterungsbau und zwei weitere Kuppeln mit einem Durchmesser von acht Metern folgten 1964. sts