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Die Zukunft wird aus Sand gebaut

Die Zukunft wird aus Sand gebaut

HILLESHEIM. Um 18 Hektar soll das Abbaugebiet des Lavasand-Tagebaus "Bolsdorf 1" erweitert werden. Der Unternehmer sieht es als Zukunftssicherung. Naturschützer haben kaum Chancen, dagegen vorzugehen. Das bis zu 40 Millionen Tonnen große Vorkommen liegt zu 98 Prozent auf Dohm-Lammersdorfer Gemarkung. Der Ortsbeirat gibt seine Stellungnahme erst kommende Woche ab.

Um Bruchzins-Einnahmen wird bei der 18-Hektar-Erweiterung des Abbaugebietes auf insgesamt 41 Hektar sicherlich nicht diskutiert werden. Diese lukrative Einnahmequelle geht nämlich sowohl an der Stadt Hillesheim wie auch an der Doppelgemeinde Dohm-Lammersdorf vorbei, weil das Areal komplett in privater Hand ist. Unternehmer Dieter Stolz erklärt: "Etwa ein Fünftel habe ich schon erworben, und es sieht so aus, dass ich auch den Rest aufkaufen werde." So viel wie er den Grundbesitzern für die landwirtschaftlichen Flächen zahle, würden sie von keinem anderen bekommen, vermutet er. 98 Prozent der Erweiterungsfläche liegt auf Dohm-Lammersdorfer Gemarkung in Richtung Walsdorfer Modellflugplatz. Ortsbürgermeister Rainer Ballmann lässt sich nicht in die Karten schauen. Noch nicht mal eine Tendenz der Stimmung im Ortsbeirat will er abgeben. Ballmann sagt kategorisch: "Ende April geben wir unsere Stellungnahme ab." Am 26. April läuft die Offenlegung der Pläne zum bergbaurechtlichen Verfahren ab. Bis zum 10. Mai können Einwendungen abgegeben werden. Stolz scheint mit seinen Erweiterungsplänen auf der sicheren Seite zu sein. Das Areal ist nämlich im Landesentwicklungsplan und im regionalen Raumordnungsplan, zwei wichtigen Hürden im Genehmigungsverfahren, schon seit Jahren als "Rohstoffgewinnungsfläche" ausgewiesen und genehmigt. Erich Eich von der Hillesheimer Verwaltung erklärt: "Außerdem handelt es sich nicht um ein FFH-Gebiet, also kein besonders zu schützendes Naturareal. Es muss schon viel vorgebracht werden, um das bergbaurechtliche Verfahren zu behindern." Die Naturschutzverbände haben somit kaum eine Chance, die Erweiterung zu verhindern. Norbert Leinung, BUND-Kreisvorsitzender, meint: "Wir haben keine Handhabe und können nur appellieren, Ressourcen zu schonen." Nach Blick in die Pläne zeichnet er düstere Bilder auf: "Die ganze Landschaft geht flöten. Es werden 90 Meter tiefe Löcher entstehen und der Berg Graulay wird verschwinden." 30 bis 40 Millionen Tonnen Lavasand und Basalt sollen in dem 18-Hektar-Areal unter der Erde schlummern. Momentan baut Stolz in der Grube "Bolsdorf 1" jährlich etwa 300 000 Tonnen ab. Eich sagt: "Vorgesehen ist die doppelte Jahresproduktion, und dann würde das Vorkommen bis zu 50 Jahre ausreichen." Unternehmer Stolz relativiert: "Es ist eine höhere Tornage angestrebt, aber ob es das Doppelte wird, bestimmt der Markt." Für ihn sei das Erweiterungsverfahren "reine Zukunftssicherung". Die Verfahren dauerten mitunter Jahrzehnte. Als Arbeitgeber stehe er in der Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern und deren Familien. An allen Standorten habe er 45 Mitarbeiter beschäftigt. In der Bolsdorfer Grube ist außerdem der Fuhrpark mit 20 Fahrern und LKW und Werkstatt stationiert.