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Digitaler Schulstart mit Unterricht auf allen Kanälen in der Vulkaneifel

Schule : Beim digitalen Schulstart in der Vulkaneifel läuft nicht alles rund

Eine Überlastung der Schulplattformen und sogar Hackerangriffe sorgen für einen ruckeligen Start des Fernunterrichts nach den Weihnachtsferien. Doch es gibt auch andere Möglichkeiten.

„Aufgrund  von technischen Schwierigkeiten ist die Moodle-Seite des Landes momentan nur sporadisch erreichbar“, heißt es auf der Homepage der Augustiner-Realschule plus in Hillesheim. „Bitte versucht immer wieder, Arbeitsblätter herunterzuladen — besonders gut funktioniert es am Abend.“

Kein Wunder: Seit dem Beginn des Fernunterrichts am Montag nach den Weihnachtsferien war die Lernplattform bereits zweimal das Ziel von Hackerangriffen, hinzu kam eine Überlastung der Server von Moodle sowie dem Videokonferenzsystem „BigBlueButton“, die dazu führte, dass viele Schüler und wahrscheinlich auch viele Eltern vor Laptops, Rechnern und weiteren Endgeräten saßen und bereits an der Anmeldung scheiterten.

„Das war selbstverständlich ein Problem, denn wir kamen nicht an unsere Arbeitsaufträge heran“, sagt Yanic Becker, Auszubildender im Bereich Kaufmännisches Büromanagement und Schüler der Berufsbildenden Schule (BBS) Gerolstein. „Wir sind mit unseren Lehrern per E-Mail in Kontakt geblieben. Das ist ein Angebot unserer Schule und es klappt genauso gut.“

Er vermisse den Präsenzunterricht, weil es eben doch schwieriger sei, alleine statt in der Gruppe zu lernen“, sagt Yanic Becker. „Aber meine Mitschüler und ich tauschen uns über eine Whatsapp-Gruppe aus, wenn es Fragen zum Lernstoff gibt.“

Es habe technische Probleme auf der Lernplattform des Landes gegeben, sagt BBS-Leiter Günter Karst. „Doch abgesehen davon sind wir auf die Situation vorbereitet.“ Im Sommer hätte das Kollegium an internen und externen Schulungen zum Fernunterricht teilgenommen und alle Schüler seien über die Abläufe informiert. „Es war erwartbar, dass es so kommt. Die Voraussetzungen zum Fernunterricht sind gegeben“, sagt Karst.

Gelassen und zuversichtlich bleiben auch die Schulelternsprecher: „Es hat bei mir noch keine Rückmeldungen gegeben, sagt Ramona Heckmanns, Vertreterin und Ansprechperson für die Eltern an der Grundschule Waldstraße Gerolstein. „Aber es ist heute ja auch erst der dritte Schultag.“

Das Lehrerkollegium der Grundschule kümmere sich und forsche bei den Eltern direkt nach, ob alles gut laufe. „Es gab zwar Startschwierigkeiten, doch da die Plattformen von den Kleinsten gar nicht genutzt werden, hielt sich das Problem in Grenzen.“

Ihre Schule sei auf den Start des Fernunterrichts sehr gut vorbereitet gewesen, sagt Tanja Nettekoven, Elternsprecherin der Augustiner-Realschule plus. Es sei auch durch den Zusammenbruch des Moodle-Servers zu keinen großen Problemen gekommen - jedenfalls seien ihr keine Klagen zu Ohren gekommen. „Die Schüler nutzen Whatsapp-Gruppen und bleiben so mit ihren Lehrerinnen und Lehrern in Verbindung“, sagt Nettekoven. Ihre Tochter Emily finde es schrecklich nicht zur Schule gehen zu dürfen. „Auch wenn sie morgens mal eine halbe Stunde liegen bleiben kann: Sie vermisst ihre Klassenkameraden.“

Der erneute Start in den Fernunterricht sei gut verlaufen, sagt Patricia Brazill, die Vertreterin der Eltern am Thomas-Morus-Gymnasium Daun. „Das ist aber nicht verwunderlich. Die Situation hatten wir ja schon und alle haben daraus ihre Lehren gezogen.“ Sehr geholfen habe dabei der gute Meinungsaustausch, den die Eltern und die Schulleitung pflegten. „Es werden zurzeit viele Vorschläge der Elternschaft umgesetzt, die Erfahrungen aus den Schulschließungen des vergangenen Jahres aufgreifen“, sagt Brazill. Doch sie wünsche sich eine bessere Kommunikation innerhalb des Kollegiums: „Den Fernunterricht gestalten viele Lehrer nach individuellen Maßstäben, es fehlt den Schülern ein roter Faden.“

Beispielsweise nutzten die Pädagogen verschiedene Plattformen, statt sich auf eine zu einigen. Auch die Vergabe der Hausaufgaben sollte unter den Lehrern zeitlich besser koordiniert sein. „So wie es zurzeit läuft, müssen sich die Schüler auf die Lehrer und ihre jeweilige Art, den Fernunterricht zu gestalten, einstellen.“

 „In der Grundschule und Realschule plus St. Martin Kelberg hat es keine größeren Probleme gegeben. Die Schule hat sich gut vorbereitet und ihre Hausausgaben gemacht“, sagt Christian Vogel, der Vorsitzende des Elternbeirats. „Es war schon beeindruckend, wie unkompliziert es hier gelaufen ist“,  sagt  der Vater einer Tochter, die in die achte Klasse geht.

 „Beim St. Matthias-Gymnasium Gerolstein hat man seine Hausaufgaben gemacht“, berichtet ein 14 Jahre alter Mittelstufler, der seinen Namen nicht in der Zeitung gedruckt sehen will. „Wir konnten gleich durchstarten.“ Er wünscht sich allerdings eine „etwas ausgewogenere Menge an Aufgaben. Im manchem Fach ist es echt viel, in einem anderen eher wenig.“

Seine Mutter hat auch eine Bitte:„Aus meiner Sicht lässt der Informationsfluss  an die Eltern zu wünschen übrig. Wir fühlen uns nur unzureichend über den aktuellen Stand der Dinge informiert.“

 Dirk Peifer ist stellvertretender Elternsprecher der Grund- und Realschule plus in Gillenfeld. Und er ist beruflich in der IT-Branche tätig, so dass ihn das Thema Digitalisierung der Schulen besonders interessiert und Grundsätzliches dazu zu sagen hat. Er hat zwei Söhne, einer geht in Gillenfeld in die neunte  Klasse.

„2019 haben Bund und Länder den Digitalpakt aus der Taufe gehoben. Die sich daraus ergebenden Chancen hat man auch in Gillenfeld erkannt. Eine Arbeitsgruppe hat ermittelt, was in der Schule benötigt wird. Und da ist einiges zusammengekommen, angefangen vom in die Jahre gekommenen Computerraum“, berichtet Peifer, der auch Ortsbürgermeister von Strotzbüsch ist.

Er hebt hervor, dass „das Lehrerkollegium durch die Bank große Bereitschaft an den Tag gelegt hat, sich dem Thema zu stellen und erforderliche Dinge umzusetzen.“

Allerdings sei es im weiteren Verlauf nicht so zügig vorangegangen wie erhofft: „Die Schule ist leider technisch noch nicht so, wie wir es uns gewünscht hätten.“ Peifer moniert: „Die Schulen, aber auch die mit der Trägerschaft betrauten Kommunen sind teilweise echt allein gelassen worden. Statt von Bundesebene von vornherein klare Vorgaben zu machen und Lösungen vorab anzubieten, ist mal wieder ein Flickenteppich entstanden.“