Diskussion über Zukunft der A1: Eine Straße, zwei Meinungen

Diskussion über Zukunft der A1: Eine Straße, zwei Meinungen

Seit Jahrzehnten ist der Weiterbau der Autobahn 1 in der Eifel geplant. Doch SPD und Grüne in der Landesregierung streiten um diesen Lückenschluss. Im Vorfeld der in Kürze erwarteten Entscheidung der Mainzer Koalition wird in diesen Tagen Flagge gezeigt: von denen, die den Lückenschluss ablehnen, und denen, die ihn fordern.

Daun/Darscheid. Fragt man so manchen Bürger im Vulkaneifelkreis zu seiner Meinung zum A-1-Lückenschluss, ist oft zu hören: "Wenn nur halb so viel gebaut worden wäre wie darüber gesprochen wird, wäre die Autobahn längst fertig."
Gebaut wird auch derzeit nicht, aber Diskussionsbedarf besteht nach wie vor. Der Verkehr fließt zwar seit einigen Monaten auf dem zuletzt fertiggestellten Stück zwischen den Anschlussstellen (AS) Gerolstein und Kelberg, es ist aber nach wie vor nicht absehbar, ob und wann es weitergeht.
Denn die rot-grüne Regierungskoalition in Mainz hat sich noch nicht entschieden: Weiterbau ja oder nein? Der Lückenschluss ist ein Zankapfel der Parteien, denn es sind grundsätzliche Erwägungen, die sie trennen. Für die Grünen hat der Naturschutz einen hohen Stellenwert und sie sind ohnehin keine großen Freunde neuer Straßen, die SPD hält die Verbindung wirtschaftlich und verkehrspolitisch für unverzichtbar.
Entscheidung steht an


Für die kommenden Wochen wird eine Entscheidung erwartet, vielleicht ist das auch die Erklärung dafür, dass das Thema A 1 gleich zwei Mal kurz hintereinander im Mittelpunkt größerer Veranstaltungen steht. Den Auftakt macht am heutigen Montag der Kreisverband Vulkaneifel von Bündnis90/Grüne. Er lädt zur Podiumsdiskussion "Verkehr und Mobilität in der Vulkaneifel - Brauchen wir die A 1?" ein. Die Ausführungen in der Einladung lassen erahnen, wohin die Reise gehen soll.
So heißt es darin: "Eine vorschnelle Festlegung auf ein solches Großprojekt ohne die Betrachtung und Prüfung der vorhandenen Strukturen, erst recht im Bezug auf Ausbaufähigkeit und Effizienz, ist mehr als fahrlässig, da dies für die Region, die hier lebenden Menschen und nicht zuletzt die Natur von existenzieller Bedeutung ist."
Zudem solle die Frage gestellt werden, ob das für den Lückenschluss nötige Geld "nicht sinnvoller in ein vollständiges Verkehrs- und Mobilitätskonzept der Vulkaneifel anstatt in ein einziges Projekt gesteckt werden" solle. Bevorzugte Variante der Grünen: statt des Lückenschlusses die dreispurige B 51 um eine Spur zu erweitern.
Bei der Veranstaltung der Industrie- und Handelskammern Aachen, Koblenz und Trier, der Initiative Region Trier sowie der Zukunftsinitiative Eifel am Montag, 24. September, in Daun ist hingegen die Überschrift schon Programm: "Lückenschluss statt Sackgasse!"
Die Realisierung dieses seit Jahrzehnten geforderten Vorhabens sei nicht nur für die wirtschaftliche Entwicklung der strukturschwachen Eifel von Bedeutung, argumentieren die Lückenschluss-Befürworter. In Anbetracht der prognostizierten Entwicklung des Güterverkehrs wachse auch die Bedeutung der A 1 als durchgehende Autobahnverbindung zwischen Skandinavien und Spanien und "unterstreicht die Notwendigkeit eines schnellen Handelns".
Zwar gebe es einen Lichtblick mit der angekündigten Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für den Abschnitt von Blankenheim nach Lommersdorf, aber bei der Realisierung der übrigen Teilstücke stünden die größten Herausforderungen sowohl aus finanzieller als auch aus naturschutzfachlicher Sicht noch bevor.
Die Podiumsdiskussion zum Thema Verkehr in der Vulkaneifel des Kreisverbands Vulkaneifel von Bündnis90/Grüne beginnt heute um 18.30 Uhr in der Lehwaldhalle in Darscheid.
Die Veranstaltung der Industrie- und Handelskammern Aachen, Koblenz und Trier, der Initiative Region Trier sowie der Zukunftsinitiative Eifel ist am Montag, 24. September, im Forum Daun (Beginn 13 Uhr).

Extra

Drei Streckenabschnitte fehlen noch. Einer liegt komplett in Nordrhein-Westfalen (von Blankenheim nach Lommersdorf, sechs Kilometer lang, Kosten 50 Millionen Euro). Der zweite Abschnitt führt über die Landesgrenze (von Lommersdorf nach Adenau, neun Kilometer lang, Kosten 130 Millionen Euro). Der dritte Teil liegt komplett in Rheinland-Pfalz (von Adenau nach Kelberg, fünf Kilometer lang, Kosten 150 Millionen Euro). Für den ersten Abschnitt hat NRW hat vor Kurzem das Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Was den Abschnitt Kelberg-Adenau angeht, so hat der Landesbetrieb Mobilität (nach Auskunft des Infrastrukturministeriums) die für die Genehmigung durch den Bund erforderlichen Unterlagen bereits fertiggestellt, insbesondere was die der Landespflege angeht. Diese Unterlagen würden derzeit innerhalb der Landesregierung geprüft; in diese Prüfungen sei auch die Nullvariante (das heißt Verzicht auf einen Weiterbau) einbezogen. Diese Prüfungen seien noch nicht abgeschlossen. Zeitdruck ist da, denn Anfang kommenden Jahres müsste das Vorhaben für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet werden. Da es sich um eine Autobahn handelt, würde der Bund die Baukosten tragen. sts