Diskussion um stinkenden See in Gerolstein

Diskussion um stinkenden See in Gerolstein

Stadtrat Gerolstein beschließt Umbau des Müllenborner Teichs. Das Projekt wäre fast gekippt.

Am Ende herrschte Aufatmen bei Carola Korell und den zehn Müllenborner Bürgern, die zur Stadtratssitzung gekommen waren. Und so sagte die Ortsvorsteherin letztlich erleichtert und mit Siegerfaust: "Yes! Das ist gut so."

Nach langer und überraschend kontroverser Diskussion hat der Stadtrat von Gerolstein einstimmig bei zwei Enthaltungen (Peter Bitschene und Helmut Hauth, beide CDU) beschlossen, den Müllenborner Weiher umbauen zu lassen. Kostenpunkt: 100 000 Euro, Landeszuschuss 90 000 Euro, Stadtanteil 10 000 Euro.
Eigentlich war das Vorhaben, über das bereits seit etwa zwei Jahren gesprochen wird, ausgemachte Sache - besonders, seitdem ein Vertreter des Umweltministeriums in Mainz bei einem Besuchstermin vor Ort im vergangenen Jahr mündlich zugesagt hat, das Vorhaben im Rahmen des Blau-plus-Programms von Landesseite mit 90 Prozent zu fördern.

Doch plötzlich kam alles anders, und um ein Haar wäre das Projekt weiter auf die lange Bank geschoben worden. Dabei warten die Müllenborner schon seit Jahren auf den Umbau des Weihers im Dorfzentrum. Denn der ist ihnen zwar lieb, stinkt ihnen aber auch gehörig im Sommer - wegen Schlamm- und Algenbildung.
Dem soll dadurch Abhilfe geschaffen werden, dass der See erstens um etwa ein Drittel verkleinert wird. Zweitens soll das Wasser aus dem Mühlengraben künftig komplett durch den See geleitet werden, damit dieser mehr Sauerstoff bekommt. Drittens soll der Schlick ausgebaggert und vor Ort wieder eingebaut werden, wodurch "hohe Entsorgungskosten eingespart werden", führte Planer Sebastian Reihsner aus. Und viertens soll zwischen Einlauf des Mühlengrabens und eigentlichem See ein Vorklärbecken gebaut werden, wo sich ein Großteil der Sedimente absetzen soll, bevor sie in den See gelangen und diesen wieder verschlammen. Das viel leichter zu reinigende Becken soll dann ein Mal im Jahr ausgeschaufelt werden. So weit, so klar.

Doch diese Vorstellung wurde plötzlich von CDU-Ratsmitglied Peter Bitschene getrübt. Er sagte: "Das Vorklärbecken ist keine Lösung. Wenn der See verkleinert wird, dauert es künftig nur noch fünf Jahre, bis die Sedimente ihn verschlammen und er wieder umkippt. Die einzige Möglichkeit ist, den Teich aufzugeben."
Hätte es sich dabei nur um die Einschätzung eines "einfachen" Ratsmitglieds gehandelt, wäre das Gremium wohl schnell zur Tagesordnung übergegangen und hätte das Vorhaben durchgewunken. So aber entzündete sich daran eine kontroverse Diskussion. Denn Bitsche ist Diplom-Geologe und dürfte somit etwas über Gewässer, Sedimente und deren Eigenschaften wissen. So sagte denn auch Ratsfrau Sabine Martinetz: "Ich sitze plötzlich zwischen zwei Stühlen: Einerseits glaube ich Doktor Bitschene, andererseits gönne ich den Müllenbornern ihren Teich, denn der gehört zum Dorf." In die gleiche Kerbe schlug Volker Simon (CDU): "Ich war bis jetzt der Meinung , dass das Vorklärbecken das Problem löst. Nun bin ich verunsichert." Markus Hetzius (CDU) meinte: "Die vorgeschlagene Lösung macht offenbar keinen Sinn." Und als SPD-Fraktionsvorsitzender Uwe Schneider anhob, geriet das Projekt plötzlich ins Wanken. Er meinte: "Wieso müssen wir im Stadtrat solche Fachfragen klären? So kann man keinen Beschluss fassen." Auch CDU-Fraktionsvorsitzender Helmuth Hauth sah nun zu viele ungeklärte Fragen und beantragte: "Vertagung!"

Das wiederum rief andere Ratsmitglieder auf den Plan, denen Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) vor der Vertagungsabstimmung Gehör schenkte. So meinte Tim Steen (Bündnis 90/Die Grünen): "Was sind die Alternativen? Sanieren mit hohem Zuschuss oder stilllegen. Ich glaube nicht, dass es uns etwas bringt, das Projekt weiter zu verschieben." Beigeordneter Klaus Jansen (CDU) fügte hinzu, dass der See ohnehin in gewissen Abständen ausgebaggert werden müsse, was mit hohen Kosten verbunden sei. Die Alternative, nun zu verkleinern, auszubaggern und den Schlick vor Ort wieder zu verbauen, sei die bessere Lösung.

FWG-Fraktionsvorsitzender Heinz Weber plädierte energisch für den Umbau: "Tun wir doch nicht so oberschlau! Die Experten in den Fachbehörden haben sich viele Gedanken gemacht und sind bereit, viel Geld dafür locker zu machen. Ihnen sollten wir vertrauen und das Vorhaben jetzt anpacken." Bauamtsleiter Carsten Schneider gab zu bedenken, dass die hohe Förderung über das Programm Blau-plus wohl auch irgendwann auslaufe. Daraufhin beantragte SPD-Mann Schneider eine Sitzungsunterbrechung - in der sich die Fraktionen nochmals berieten und untereinander abstimmten. Danach ging alles den ganz zu Beginn erwarteten Weg: Hauth zog seinen Antrag zurück, Schneider wollte das Thema doch nicht mehr im Ausschuss behandelt wissen, der Rat sprach sich einstimmig (bei zwei Enthaltungen) für den Umbau aus. Die Müllenborner atmeten auf, und Carola Korell ballte ihre Faust.VORAUSSICHTLICHER ZEITPLAN

Extra

April 2017: Detailplanung wird zur Genehmigung eingereicht Mai/Juni: Bewilligung Juni: Ausschreibung September: Baubeginn Bis Weihnachten: Fertigstellung

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