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Dokumentation bringt Sportler ins Kino

Dokumentation bringt Sportler ins Kino

Laufen als Therapie, nicht (nur) als Sport begreifen, mit diesem Ansatz werden seit 15 Jahren in der Region die positiven Effekte des langsamen Dauerlaufs auch bei der Betreuung von Heimkindern genutzt. Die Premiere eines Films über den bisherigen Höhepunkt, einen 15-Stunden-Staffellauf nach Mainz, war in Daun.

Daun/Veldenz/Traben-Trarbach. Irgendwo im Hunsrück in einer Oktobernacht. Etwa zwei Dutzend Frauen, Männer und Jugendliche stehen kurz nach 3 Uhr morgens in Warnwesten in der Eiseskälte und beten. Sie bitten darum, dass sie die Herausforderungen des vor ihnen liegenden Tages meistern: 110 Kilometer als Staffel nach Mainz.
Etappe für Etappe schließen sich immer mehr Läufer an. Kinder und Jugendliche aus den Kinderheimen in Veldenz und im Traben-Trarbacher Stadtteil Wolf, aber auch viele, die einfach unterstützend dabei sein wollen. Fast 200 sind es, als der rheinland-pfälzische Bürgerbeauftragte Dieter Burgard die Läufer vor dem Landtag empfängt.
Diese 15 Stunden als Quintessenz von 15 Jahren Lauftherapie an Erziehungshilfe-Einrichtungen hat Klaus-Dieter Scholz aus Ellscheid in einem halbstündigen Film zusammengefasst. Und er hat damit den Kinopalast Vulkaneifel in Daun gefüllt.
"Wer hätte vor 15 Jahren gedacht, dass wir einmal im Kino sitzen und uns einen solchen Film anschauen?" Die Frage von Inge Umbach beantwortete Wolf-Rüdiger Pfalz umgehend: "Niemand!" Auch er sei mehr als nur skeptisch gewesen, als die Lauftherapeutin Umbach Ende der 1990er Jahre zusammen mit Dieter Hens aus Reil begann, Laufkurse am Wolfer Jugendhof Martin Luther King und der Evangelischen Erziehungshilfe Veldenz anzubieten. "Aber als unsere Kinder nach drei Wettkämpfen das erste Mal in der Zeitung standen, war ich überzeugt", sagte der Leiter der beiden Einrichtungen. "Manche, die in der Schule nichts auf die Reihe bekommen, haben beim Laufen Erfolg", erklärte Pfalz. Und der größte war der 110-Kilometer-Lauf nach Mainz: "Ihr habt gezeigt, dass Kinder, die in Heimen leben, viel mehr leisten können, als man ihnen zutraut."
In den Beifall beim Abspann des Films rief jemand: "Wohin laufen wir das nächste Mal?" Ideen spukten ihr schon im Kopf herum, sagte Inge Umbach. Eins sei sicher: Der Lauf soll eine Wiederholung finden - wenn das Ziel dann auch nicht Mainz heißt. teu