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Don Bosco kämpft in der Krise um die Existenz in Jünkerath

Jünkerath : Don Bosco kämpft in der Krise um die Existenz

Auch die Jugendbildungsstätte bei Jünkerath bleibt von der Pandemie nicht verschont. Die Übernachtungszahlen fallen ins Bodenlose.

Bis Ende Juli dieses Jahres zählte die Bildungsstätte lediglich 4391 Übernachtungen von insgesamt 1852 Gästen. Im Vergleich zu den Vorjahreszahlen sei das ein existenzbedrohender Rückgang, sagt Einrichtungsleiter Pater Günther Wendel. „2019 hatten wir rund 10 000 junge Menschen zu Gast, die Zahl der Übernachtungen lag bei 20 000."

Seit den Schulschließungen Mitte März und dem Verbot von Klassenfahrten seitens der Landesregierung Rheinland-Pfalz stehe die Einrichtung vor einer nicht zu stemmenden wirtschaftlichen Herausforderung, sagt Wendel. „Der Rückgang der Belegungszahlen ist durch Einsparungen nicht zu kompensieren, die Liquidität nicht mehr gesichert."

Trotz der eingeleiteten Kurzarbeit für die rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei die Lage äußerst kritisch einzuschätzen, so Wendel weiter. „Die Bildungsstätte hatte in diesem Jahr mit Einnahmen von rund 750 000 Euro gerechnet", berichtet Lieselotte Bindels, Leiterin der Verwaltung der Einrichtung. "Stand jetzt beträgt der Verlust bereits mehr als 300 000 Euro - trotz Soforthilfen und Förderprogrammen des Landes." Auch der Salesianer-Orden, zu dem das Haus zählt, habe bereits interne Zuschüsse beigesteuert, erzählt Pater Wendel. „Aber auch der Orden hat an der Situation sehr zu knabbern."

Zurzeit ließe sich jeweils nur von Woche zu Woche planen. „Unsere Angebote und Programme müssen wir den Hygieneverordnungen anpassen und stoßen dabei auf Hindernisse. Beispielsweise hat die Einrichtung nicht genug große Räume, um überall Abstandsregeln einhalten zu können", sagt Wendel. Nicht nur der Betrieb als Bildungsstätte ist aufgrund ausgefallener Buchungen immens eingeschränkt, berichtet die pädagogische Leiterin Nicole Klasen. Auch die ambulante und stationäre Aufnahme Jugendlicher in der Hilfeeinrichtung Don Bosco Jünkerath, die von Amtswegen aus ihren Familien zeitweise oder dauerhaft herausgenommen werden müssen, um ihre schulische oder berufliche Ausbildung zu gewährleisten, musste sich der herrschenden Pandemie anpassen. „Die Inobhutnahme eines Jugendlichen geht immer mit einer Quarantäne einher", sagt Klasen. „Auch in dieser Zeit muss eine pädagogische Kraft für den Gast da sein. Daraus folgen Mehrausgaben für die Einrichtung."

Auch als im März die Schulen geschlossen wurden, musste sich die Jugendhilfeeinrichtung der Lage anpassen. „Die Mitarbeiter waren in dieser schulfreien Zeit bereits morgens vor Ort statt wie gewohnt erst am Nachmittag", sagt Klasen.  Das habe das Haus in der Krise zusätzlich finanziell belastet. „Wir werden am Ende des Jahres ein beachtliches Defizit eingefahren haben", sagt Einrichtungsleiter Wendel. "Doch wir geben unser Bestes, die Bildungsstätte zu erhalten, um weiterhin für junge Menschen da zu sein." Ihn persönlich schmerze es, so viele Mitarbeiter in die Kurzarbeit entlassen zu müssen, sagt der Pater. „Die Einnahmen tendieren gegen Null, damit ist ein Regelbetrieb nicht möglich." Es werde zurzeit über mögliche Alternativen diskutiert, beispielsweise über ein Angebot für Familien, ihren Urlaub in der Bildungsstätte zu verbringen. „Ich bin zurzeit skeptisch, ob uns in diesem Jahr ein großer Wurf gelingt, der die Talfahrt stoppen könnte", sagt Günther Wendel.

In der Zeit vor Corona sei die Einrichtung stets auf zwei Jahre im Voraus ausgebucht gewesen, erzählt Pater Wendel. „Selbst bei entsprechenden Anfragen dürften wir laut der herrschenden Hygienevorgaben lediglich 40 unserer 120 Betten belegen, also lediglich ein Drittel der Einnahmen generieren." Auch wenn  allmählich und ganz langsam eine Entspannung eintrete, weil zumindest an den Wochenenden kirchliche Verbände, Vereine, Chöre und Orchester zu Gast seien - "Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf dem Besuch von Schulklassen", sagt Wendel.

Doch genau für diesen Bereich sieht die Prognose düster aus: Die Landesregierung will für den Zeitraum nach den Herbstferien im Oktober zwar eine Entscheidung treffen, ob Klassen- und Kursfahrten wieder stattfinden können - empfiehlt aber gleichzeitig, von der Buchung von Klassenfahrten für das Jahr 2021 abzusehen. Die Corona-Infektionslage bliebe weiterhin nicht absehbar.