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Gesundheit: „Drehtüreffekte“ für Suchtkranke vermeiden

Gesundheit : „Drehtüreffekte“ für Suchtkranke vermeiden

Die Median Kliniken Daun nehmen am Forschungsprojekt FIRE teil, das Rückfallrisiko für Suchtkranke zwischen Entgiftung und Reha zu vermindern.

(ako) Für Emilia Weber (Name von der Redaktion geändert) gab es diesen einen Punkt, an dem ihr klar war: So geht es nicht mehr weiter. Die im Eifelkreis lebende Bankkauffrau wurde von Bekannten in prekärer Lage gefunden, bereits zuvor hatte sie ihren Führerschein abgeben müssen. Ein Teufelskreis aus Alkoholabhängigkeit und Depression machte der Mittfünfzigerin das Leben zur Hölle. Der absolute Tiefpunkt brachte sie so weit, professionelle Hilfe annehmen zu wollen. Sie ließ sich zur Entgiftung ins Gerolsteiner Krankenhaus einliefern. Doch ein Platz in der Rehaklinik – in ihrem Fall in der Median-Fachklinik Thommener Höhe bei Darscheid – war für sie erst etliche Wochen später frei. Und erst hier würde sie ihrer seelischen und körperlichen Erkrankung auf den Grund gehen können. Es dauerte zu lang für Emilia.

In der Zwischenzeit wurde sie rückfällig, der Erfolg der Entgiftung war zunichte und damit auch der Entschluss, das Leben in einer Suchttherapie neu anzupacken. Die Folge: ein Suizidversuch, der nicht gelang.

So weit soll es nicht kommen, Entgiftung und Reha sollen unmittelbar ineinander übergehen. Dies will das Forschungsprojekt FIRE (Frühzeitige Intervention für den direkten Zugang zur Rehabilitation bei Entgiftung in der Akutversorgung) erreichen, welches wiederum im Rahmen des bundesweiten Programms „rehapro – Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben“ gefördert wird. Auf diese Weise, so hofft man, werden Erwerbsminderungsrenten und Eingliederungs- oder Sozialhilfen sinken.

Es geht also ums Geld, aber für die Betroffenen um ihre konkreten Chancen auf ein selbstbestimmtes und gesundes Leben. Das seit Jahresbeginn laufende und auf 48 Monate beschränkte FIRE-Projekt will den gefürchteten Drehtür-Effekt vermeiden, wie Hugo Hennes, kaufmännischer Leiter der Dauner Median-Kliniken, erläutert. „Wir arbeiten da von den Standorten Daun und Tönisstein aus mit der Charité zusammen, welche die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung leistet. Es nehmen 300 Patientinnen und Patienten daran teil.“

Für die Fachklinik Thommener Höhe in Darscheid bedeutet es, dass ein dort angesiedelter Sozialarbeiter in die so genannten Akuthäuser – etwa knappschaftliche Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen und im Saarland – fährt und dort den reibungslosen Übergang zwischen Entgiftung und Therapie in der Reha-Klinik in die Wege leitet.

Insgesamt sind – neben den Median-Kliniken in Daun und Tönnistein sowie der Charité – vier Rentenversicherungsträger und sieben Akutkrankenhäuser am Projekt beteiligt. Es soll helfen, Erkenntnisse für die Verbesserung eines weitreichenden Problems zu gewinnen.

„Nach wissenschaftlichen Untersuchungen findet bisher höchstens ein Drittel der geschätzten 240 000 Alkoholiker in Deutschland überhaupt den Weg zum Entzug in ein Krankenhaus. Und nur eine verschwindend geringe Minderheit von rund fünf Prozent dieses Drittels tritt nach mehr als drei Entzugs- oder Entgiftungsbehandlungen tatsächlich die anschließend vorgesehene bis zu neunzigtägige Entwöhnungsbehandlung an. Mangels Langzeitwirkung sind Rückfälle für einen großen Teil der Alkoholiker damit an der Tagesordnung“, erläutert André M. Schmidt, Median-Geschäftsführer. „Dieser ‚Drehtüreffekt‘ ist nicht nur ein Problem für die Patienten.

Denn nachweislich sichert erst die Rehabilitation die nachhaltige Abstinenz. So hat ein Alkoholiker, der die dreimonatige Rehabilitation nach der Entgiftung durchhält, eine hohe Wahrscheinlichkeit, auch nach zwei Jahren noch ‚trocken‘ zu sein. Bessere Ergebnisse gibt es weltweit nicht.“

Dank FIRE sollen die Betroffenen nun früher von Behandlungsangeboten erfahren, von einem erleichterten Antragsverfahren profitieren und nahtlos von der Entgiftung in die Entwöhnung gelangen können.