Drei neue Glocken für St. Pankratius

Brockscheid/Kaisersesch · Die Kaisersescher St.-Pankratius-Kirche bekommt drei neue Glocken. Angefertigt wurden sie in Brockscheid - unter Beobachtung vieler Kaisersescher.

Brockscheid/Kaisersesch. Ob Hermann Schmitt wirklich überrascht und ungehalten darüber ist, dass nach und nach immer mehr Kaisersescher in Brockscheid eintrudeln, lässt sich kaum sagen. "Jetzt gibt es nichts mehr zu sehen", sagt der Glockengießer, der bereits am Morgen die beiden Schmelzöfen in der kleinen Scheune in einem Wohngebiet angefeuert hat, jedenfalls.
Seit Monaten hat Schmitt an den drei neuen Glocken für die Kaisersescher St.-Pankratius-Kirche gefeilt, jetzt sind die Formen etwa zwei Meter tief im Boden der Scheune vergraben. Wie die Glocken aussehen werden, kann man nur an drei Schablonen, den sogenannten falschen Glocken, erkennen, die vor dem Haus auf einer Wiese stehen.
Eigentlich erinnern in Schmitts Scheune nur zwei laute Gebläse vor den Öfen und eine Digitalwaage an das 21. Jahrhundert. Die Herstellung einer Glocke ist Handarbeit, Zutaten wie Pferdemist und Rinderhaare sind auch heute unverzichtbar. "Das ist wie vor 100 Jahren, ich hab mir das moderner vorgestellt. Aber es ist schön, dass eine ganze Familie so eine Tradition weiterführt. Die Leute sind aufgeschlossen. Das macht Spaß zuzusehen", sagt Ulrich Hesse.
Der Kaisersescher will sich diesen besonderen Tag nicht entgehen lassen. Auch Pfarrer Volker Malburg ist nach Brockscheid gekommen, auch er hat noch nie gesehen, wie solch schwere Taktgeber entstehen.
78 Prozent Kupfer, 22 Prozent Zinn: Diese Mischung ergibt die Glockenspeise, mit der die Glocken gegossen werden. Nach und nach haben Hermann Schmitt und sein Sohn Christoph Kupferdrähte in die Öfen gegeben, jetzt ist die nötige Temperatur von etwa 1200 Grad Celsius erreicht, und die zuvor berechnete Menge Zinn wird hinzugegeben. Mit Lehm bestrichene Kellen stehen bereit, um die glühende Masse in die unscheinbaren Trichter aus Steinen im Boden zu gießen.
Vier Männer machen sich für einen der letzten Arbeitsschritte im Glockenbau bereit. Schmitt koordiniert den Ablauf, sein Sohn hat sich eine silbern glänzende Schutzjacke angezogen. Jetzt müssen die Zuschauer Platz machen, denn wenn für die erste Glocke 60 Kellen glühenden Metalls in den Trichter fließen, ist Vorsicht geboten.
Eine etwa einen Meter hohe Flamme steht über dem Trichter im Boden der Scheune, als das flüssige Metall in die Form rinnt. Alles geht sehr schnell, die Glockengießer hantieren sicher mit den glühenden Kellen.
Im Hintergrund ertönt das Vaterunser, das die angereisten Kaisersescher beten. Hermann Schmitt ist etwas erschöpft und erleichtert, als er die Scheune verlässt. Sein Gesicht wirkt, als habe er sich einen Sonnenbrand gefangen. Jetzt muss er sich etwas abkühlen, die Glocken werden erst am nächsten Morgen erkaltet sein.Extra

Die neuen Glocken sollen im renovierten Kirchturm von St. Pankratius in Kaisersesch hängen. Hintergrund: Die Spitze des schiefen Kirchturms war instabil geworden, weil Teile der Holzkonstruktion verfault waren. Daher wurde die etwa 20 Meter hohe und schiefe Spitze restauriert und nun wieder aufgesetzt. Die Restaurierung des alten Kirchturmhelms läuft auf Hochtouren. Für die Turmrenovierung sind 20 000 Euro gespendet worden. Etwa 80 000 Euro werden nach Abschluss der Arbeiten für die Pfarrei noch offenstehen. Spenden: Kirchengemeinde Kaisersesch, Kontonummer 100140281, Raiba Kaisersesch-Kaifenheim (BLZ 57069144).Extra

Die drei neuen Glocken bilden mit der alten Bronzeglocke aus dem Jahr 1706 das neue Geläut der Pfarrkirche von Kaisersesch. Die neuen Glocken haben eine identische Verzierung erhalten. Die größte Glocke wird dem Heiligen Geist geweiht sein, die zweitgrößte trägt den Namen der Gottesmutter. Die dritte Glocke hat als Patrone den heiligen Mönchvater Antonius und die heilige Apollonia. Das Geläut wird man erst im Mai oder Juni vom neuen Kirchturm hören können, da sich die Arbeiten bis dahin hinziehen werden. Die Glocken wurden durch eine Spende finanziert. Die Glocken werden am Sonntag, 19. Januar, um 10.30 Uhr von Weihbischof Jörg Michael Peters geweiht. Nach dem Festgottesdienst in der Pfarrkirche bietet die Pfarrei ein kleines Mittagessen und Kaffee und Kuchen im Alten Kino an. Der Erlös ist für die Renovierung des Kirchturms bestimmt. red