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Dreimal innerhalb von sechs Wochen ist Gerolstein-Roth überflutet worden.

Unwetter : Wenn jedes große Gewitter zur Gefahr wird

Im Gerolsteiner Ortsteil Roth sind zum dritten Mal in sechs Wochen die Keller und Häuser geflutet worden. Ortsvorsteher Gotthard Lenzen und die Anwohner hoffen auf schnelle Hilfe und auf die Sanierung des Kanalsystems.

Auf den ersten Blick sieht es am Tag nach der Überflutung aus, als wäre nichts gewesen. „Die Feuerwehr hat ganze Arbeit geleistet“, sagt Ortsvorsteher Gotthard Lenzen. Dennoch, wenn man ein paar Schritte durch die Rother Straße geht, sieht man, dass hier doch erhebliche Schäden entstanden sind.

Zum Beispiel bei Familie Böffgen. Nikolaus Böffgen und seine Frau sind gerade dabei, das Erdgeschoss auszuräumen. „Wir können alles rausschmeißen“, sagt Böffgen. Und das nicht zum ersten Mal. Denn das Wasser ist innerhalb von sechs Wochen nun zum dritten Mal ins Haus geschwappt. „Bei jedem größeren Gewitter haben die Häuser unter Wasser gestanden“, sagt Lenzen. Und das ist es, was ihn umtreibt.

„Das Unwetter vom Mittwoch war nicht aufzuhalten“, sagt er. Aber die beiden anderen Ereignisse Wochen vorher seien auf das marode Kanalsystem aus den 1960er-Jahren zurückzuführen. Erst am Dienstag, am Tag vor der großen Flut, habe man einen Ortstermin mit Mitarbeitern der Verwaltung gehabt, um die Dringlichkeit des Problems zu besprechen. Doch natürlich sind solche Maßnahmen nicht von heute auf morgen umzusetzen. Gerade deshalb versuche er, die Sache voranzutreiben.

Bei Nikolaus Böffgen war der erste Schaden noch nicht richtig behoben, als das nächste Wasser kam. Jetzt heißt es erst einmal auf den Gutachter warten, bis die Schadenssumme feststeht und eine Entschädigung gezahlt wird. Trotz des Schadens und der vielen Arbeit, die jetzt ansteht, klagt Böffgen nicht: „Ich will das hier nicht aufbauschen, anderen geht es viel schlechter.“

Dass die Schäden in Roth so groß sind, ist erstaunlich, wenn man sich den Ursprung ansieht. Ein kleines Rinnsal, der Rother Bach, durchzieht den Ort. Es ist zwei Tage nach dem großen Regen nur schwer vorstellbar, dass aus diesem kleinen Gewässer innerhalb kurzer Zeit ein breiter Strom werden kann. „Hier hätten wir am Mittwoch nicht gehen können“, sagt Lenzen auf der Straße, die einige Meter weiter entlang des Baches führt.

Auf der anderen Straßenseite werden ebenfalls Kartons aus dem Haus getragen. Hier zeigt ein Blick ins Wohnzimmer, wie groß die zerstörerische Wirkung des Wassers war. Die unteren Fächer der Schränke sind ausgeräumt, die Glasschalen, die darin untergebracht waren, hätten voller Wasser gestanden, erzählen die Hausbewohner.

Ein Stück weiter arbeiten gerade Rolf und Barbara Simmerer auf ihrem Hof. Beide tragen Kleidung, die vom Schlamm verschmutzt ist. In dem 250 Jahre alten Trierer Langhaus, das Architekt Simmerer seit 20 Jahren restauriert, gibt es viel Wasserschaden. In einem Raum, in den die Fluten eingedrungen sind, lagert Simmerer altes Baumaterial, mit dem er das Haus möglichst originalgetreu weiter aufbauen wollte. Für ihn ein großer Wert, für die Versicherer eher nicht. Andere Dinge haben auch kaum materiellen Wert, dafür aber emotionalen. Zum Beispiel alte Dias von Reisen in den 1980er- und 1990er-Jahren sind verdorben. Diese möchte Simmerer jetzt Stück für Stück reinigen. Viel Arbeit, die da vor ihm liegt.

 Dreimal innerhalb von sechs Wochen hat es den Gerolsteiner Ortsteil Roth getroffen. Laut Ortsvorsteher Gotthard Lenzen muss die Kanalisation dringend saniert werden.
Dreimal innerhalb von sechs Wochen hat es den Gerolsteiner Ortsteil Roth getroffen. Laut Ortsvorsteher Gotthard Lenzen muss die Kanalisation dringend saniert werden. Foto: TV/Nora John
 Aus einem kleinen Bach sind nun schon mehrfach solche Wassermassen entstanden, die im Ort gewaltige Schäden angerichtet haben.
Aus einem kleinen Bach sind nun schon mehrfach solche Wassermassen entstanden, die im Ort gewaltige Schäden angerichtet haben. Foto: TV/Gotthard Lenzen

Obwohl mit vereinter Unterstützung von Bürgern und Rettungskräften schon viel geschafft wurde, wünscht sich Gotthard Lenzen jetzt schnelle Hilfe von der Politik. Zum einen für die Sanierung der alten Kanalisation, damit solche Ereignisse künftig nicht mehr solche verheerenden Wirkungen haben. Aber auch Förderzusagen für die Wiederherstellung von Wanderwegen zu den Rother Eishöhlen, die jetzt fast nicht mehr zugänglich sind. Und auch für Schäden, die eben immer noch vorhanden sind, auch wenn sie nicht direkt sichtbar sind.