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Dreiste Touristen greifen massenweise Mundschutz von Modedesignerin in Schalkenmehren ab

Corona : Dreiste Touristen greifen Mundschutz ab

Modedesignerin Angelika Hirschler bietet vor ihrem Atelier in Schalkenmehren schicke Hygieneartikel gegen eine Spende an. Einige haben in großem Stil zugegriffen – und sich aus dem Staub gemacht.

Das Kästchen mit den in Briefumschlägen verpackten Mundschutz-Unikaten ist wieder gefüllt, die Laune von Angelika Hirschler auch wieder besser. Das war am Wochenende noch anders. Während sie in ihrem Atelier in Schalkenmehren am Samstagnachmittag gearbeitet hat, haben viele Tagesausflügler das gute Wetter genutzt, um durch das Dorf und rund um das angrenzende Maar zu spazieren oder auf dem nahe gelegenen Eifelsteig zu wandern.

Da sie den Eingang zu ihrem Geschäft zwar durch ein Regal verbaut, aber die Tür einen Spalt weit offen gelassen habe, habe sie während der Arbeit auch hier und da die Gespräche der Passanten und Gäste vor ihrem Schaufenster mitbekommen. „Vielen ist die Station des Vertrauens ins Auge gefallen, einige haben sich darüber unterhalten und gesagt, dass ihnen die Aktion gefalle“, berichtet die Modedesignerin.

Bereits seit ein paar Tagen hatte sie die Station aufgebaut: mit einem Hinweisschild zu den nicht-medizinischen Masken, einer kurzen Erklärung sowie der Bitte, nicht mehr als zwei Masken mitzunehmen (bei mehr Bedarf bitte sie um Anruf) – und pro Stück fünf Euro in die bereitgestellte   Spendenbox zu werfen.

„Aber an dem Tag kam es zu zwei Vorfällen, die mich dann doch extrem geärgert haben“, berichtet Angelika Hirschler. Eine Familie mit drei Kindern habe sich die Station angeguckt, vor allem der Tochter hätten die Masken sehr gut gefallen. Sie habe gebettelt, welche zu kaufen.

Doch die Familie sei unverrichteter Dinge weitergezogen. Dann sei das Mädchen kurz darauf aber zurückgekehrt, habe sich einen ganzen Schwung Masken, nach Einschätzung der Schneiderin zwischen 15 und 20 Stück, gegriffen und sei fortgelaufen.

Ebenfalls mit beiden Händen zugegriffen, ohne eine Spende hinterlassen zu haben, habe ein offensichtlich gut betuchtes Paar („Ich weiß ganz gut, was Kleidung kostet, und diese beiden Tagestouristen waren sehr gut gekleidet.“). Die Frau habe offensichtlich Masken gewollt, der Mann habe es abmoderiert.

Dann habe es eine kleine Diskussion gegeben, bei der sie noch folgende Wortfetzen herausgehört habe, berichtet die Modedesignerin: „Notfalls können wir die Masken auch auf eBay verkaufen.“ Ein Griff, das gesamte Kästchen war leer. Tagesbilanz: 45 Masken weg, kein Euro in der Spendendose.

„Ich finde es bodenlos, wenn ein Kind angestiftet wird, so etwas zu machen. Wenn Leute, die offensichtlich gut betucht sind, zugreifen, ist das für mich auch ein Armutszeugnis und Zeichen mangelnder Solidarität, aber so richtig verwundert hat es mich auch nicht“, sagt die Modedesignerin.

Aufhören will sie deswegen nicht. Im Gegenteil: Angelika Hirschler macht gerade wieder das, was sie sehr gut kann: Sie näht. Aber keine Hochzeits- oder Frühlingskleider, wie ansonsten in dieser Zeit vor dem Wonnemonat Mai üblich, sondern weitere Atemschutzmasken. Die sehen anders, nämlich viel schicker, aus als die handelsübliche Masken, „weil ich dafür meinen Stoff benutzte, aus dem ich ansonsten meine Frühjahrsmode hergestellt hätte“.

Zum einen wolle sie helfen, und daher hat sie auch schon Bekannte und etwa die Fahrer und Mitarbeiter der Dauner Tafel mit den nützlichen Utensilien ausgestattet. Zum anderen gehe es um ihre Existenz: „Ich will während der Corona-Krise nicht in Vergessenheit geraten und mit dem Verkauf der Masken ein paar Einnahmen generieren, mit denen ich zumindest weiteren Stoff kaufen kann.“

Am Wochenende haben nun Tagestouristen einen ganzen Schwung voll Masken mitgenommen, ohne die Spendenbox zu füllen. Foto: TV/Mario Hübner
Modedesignerin und Schneiderin Angelika Hirschler näht derzeit Atemschutzasken, verteilt sie an soziale Einrichtungen wie die Tafel und bietet sie vor ihrem Atelier in Schalkenmehren gegen einen Spendenbeitrag von 5 Euro pro Stück an. Am Wochenende haben nun Tagestouristen einen ganzen Schwung voll Masken mitgenommen, ohne die Spendenbox zu füllen. Foto: TV/Mario Hübner

Und auf einen Punkt weist die ausgezeichnete Modedesignerin und Schneiderin, die unter anderem auf den Fashionweeks in Berlin und Mailand (!) tätig ist und Freunde und Geschäftspartner hat, hin: „Etwas Gutes hatte die Sache aber immerhin: Das Thema  Mundschutz, das für viele Menschen vor allem in der Eifel noch weit weg ist, ist jetzt in aller Munde.“ Denn die dreisten Vorfälle sind dieser Tages in der gesamten Vulkaneifel Gesprächsthema.