Drogenprozess am Landgericht Trier gegen Angeklagten aus Daun wird nächste Woche fortgesetzt

Archiv November 2019 : Drogenprozess: Verteidiger nimmt die Ex-Freundin ins Visier

Im Dauner Drogenprozess gegen den 38-jährigen P. gestaltet sich der dritte Verhandlungstag in Trier zäh. Dafür sorgten auch mehrere Anträge des Verteidigers.

Es begann mit einem spektakulären Fund, den die Polizei im November 2016 bei einer Verkehrskontrolle in Daun machte. Ein Auto mit Drogenverstecken, zwei Luftgewehren, einem Messer im Handschuhfach, einem Schlagstock auf der Mittelkonsole, der Fahrer stand unter Drogen, in seiner Jacke fanden sich ein eingenähter Messerhalter und eine lange, nicht zulässige Stichwaffe, und auf der Rückbank saß die Stieftochter des Fahrers. Die Jugendliche unter 18 Jahren stand ebenfalls unter Drogeneinfluss.

Am jüngsten Verhandlungstag vor der Dritten Großen Strafkammer des Landgerichts erinnert sich ein damals beteiligter Polizeibeamter an die Waffensammlung und eine Kassette mit verschiedenen Drogen unter dem Fahrersitz. Der Zeuge: „Besonders in Erinnerung blieb mir aber das versteckte Messer in der Jacke des Fahrers. Ich habe den ahnungslos nah an mich herankommen lassen. Der hätte mich mit einer Bewegung niederstechen können.“ Das sei ihm eine Lehre gewesen – nie wieder lasse er bei Kontrollen eine Person nah an sich heran, so der Beamte.

Als weitere Zeugin erscheint die heute 19-jährige Stieftochter des Angeklagten P. Sie ist die Tochter seiner geschiedenen Ex-Frau. Sie wird daher vom Vorsitzenden Richter Armin Hardt belehrt, dass sie gegen ihren Stiefvater P. ein Zeugnisverweigerungsrecht habe. Sie macht davon Gebrauch und der Weg ist frei für den nächsten Zeugen.

Mit dem wird es komplizierter: Der Mann ist erst kürzlich vom Amtsgericht Daun zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zum Landgericht Trier ist er mit einer amtlich bestellten Betreuerin angereist. Laut Aktenlage soll er ein „Kunde“ des Angeklagten gewesen sein. Als er belehrt wird, dass er Aussagen verweigern darf, mit denen er sich selbst belasten würde, geht Verteidiger Hagen Seipel dazwischen. Der Anwalt bezweifelt, dass der Zeuge die Belehrung verstanden habe, und fordert den Einsatz eines Zeugenbeistands.

Das will Vorsitzender Hardt aber zunächst geklärt haben und macht die Betreuerin zur Zeugin. Die wiederum erklärt, dass ihr Klient sehr wohl die Belehrung verstanden habe. Viel bringt nach langem Vorgeplänkel die Vernehmung des Mannes aber nicht. Er spricht von einer freundschaftlichen Beziehung zum Angeklagten P. damals, mit Grillen, Fernsehabenden und, und, und. Bei der gefährlichen Frage, ob er auch Drogen von P. gekauft habe, macht er von seinem Schweigerecht Gebrauch. Nur wenig sagt er zur Ex-Freundin von P. Die sei ihm total unsympathisch gewesen, habe immer unglaubliche Geschichten erzählt, aber nicht über Drogen geredet.

Nach diesem Zeugen hätte eigentlich die Beweisaufnahme geschlossen und plädiert werden sollen. Doch das verhindert Verteidiger Seipel mit einem Rundumschlag gegen die schon 2018 wegen Beihilfe zu einer Bewährungsstrafe verurteilte Ex-Freundin R. des Angeklagten.

Er beantragt die Zeugenvernehmung eines Mannes, gegen den irritierenderweise ein Haftbefehl vorliegt, der aber eine Adresse in einem Obdachlosenheim hat. Er könne bezeugen, dass die Freundin R. die Drogenhändlerin gewesen sei, und zwar hinter dem Rücken des Angeklagten. Die Frau habe seinen Mandanten schwer belastet, wohl um sich selbst zu entlasten. Dann zitiert der Verteidiger aus Akten, wonach R. als „schwierige Persönlichkeit“ eingestuft werde, die sich selbst als „Borderlinerin“ bezeichne und nach Suizidversuchen mit starken Psychopharmaka behandelt worden sei. Seipel vermisst deshalb ein Aussage-psychologisches Gutachten über die Frau.

Dann beantragt er die Aussetzung des Verfahrens, bis der besagte Zeuge zur Verfügung stehe und vor dem Landgericht die Dinge klarstellen könne. Insbesondere, dass nicht sein Mandant P., sondern dessen damalige Freundin R. mit Drogen gehandelt habe. Die Kammer wird über den Antrag zunächst beraten und versuchen, bis zum nächsten Termin am 20. November den Zeugen herbeizuschaffen.

(f.k.)
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