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Durch die wilde Vulkan-Auvergne

Durch die wilde Vulkan-Auvergne

Wanderer und Freunde des Eifelvereins aus der Vulkaneifel waren neugierig auf die voluminöse Vulkankette in Zentralfrankreich und beteiligten sich an der Exkursion des Eifelvereins Neuerburg (Kreis Bitburg-Prüm), die sie in die Auvergne führte.

Neuerburg. (red) Ziel der Exkursion war die Kette der Puys, die beeindruckende Silhouette von rund 80 Kraterbergen, deren aktiver Vulkanismus auf rund 6000 v. Chr. datiert wird. Der jüngste Ausbruch liegt erst 5500 Jahre zurück.

Ausgehend vom Puy de Dôme im Umfeld von Clermont-Ferrand, mit 1464 Metern der höchste Berg der Monts Dômes, der mit seinem ´kuppelförmigen Gipfel immer wieder in Erscheinung tritt, ging es über enge Bergstraßen weit hinein in den Nationalpark Parc Régional des Volcans d'Auvergne bis auf etwa 1400 Meter, um in die vom Vulkanismus spektakulär geprägte Landschaft und die historischen Orte der Auvergne einzutauchen.

Steile baumlose Vulkanberge sind mit einem grünen Vlies überzogen. In den tieferen Lagen erinnern Wacholder und Ginster, eher zwergwüchsig, an die Vulkaneifel. Häufig sieht man das rötliche Salers-Rind und sehr große Schafherden auf den mageren Hangwiesen weiden.

In den Ortschaften und Städten der Auvergne überwiegt als Baumaterial der heimische schwarze Lavastein. Beispiele hierfür liefern die zahlreichen historischen Dörfer, deren Dächer noch mit alten Vulkansteinplatten gedeckt sind. Viele besuchte enge mittelalterliche Gassen hätten etwas trist gewirkt, wenn die Oktober-sonne nicht für einen Ausgleich gesorgt hätte.

Le Puy, an der Loire gelegen, Hauptstadt des Departements Haute Loire und mit rund 20 000 Einwohnern einer der ältesten Marienwallfahrtsorte Frankreichs, war im Mittelalter eine der bedeutendsten Pilger-Sammelstellen des Jakobsweges nach Santiago de Compostella. Spektakulärer kann sich Vulkanismus nicht etablieren als hier. Steil ragen die schmalen, bebauten Basaltfelsen von Le Puy in die Höhe, die mit Kathedrale und ehemaliger Pilgerherberge zum Weltkulturerbe der Unesco gehören.

Clermont-Ferrand, die geschichtsträchtige Hauptstadt der Auvergne mit rund 140 000 Einwohnern, geht auf eine römische Stadtgründung zurück. Sie steht für den Beginn der Romanik in der Auvergne und ist bekannt als Sitz des größten Reifenherstellers der Welt. Die Stadt wird auch "La ville noir" genannt. In der Altstadt überwiegen noch heute Häuser aus schwarzem Lavastein. Der dort 1248 erstmals abgebaute Volvicstein, ein Trachy-Andesit, fand Verwendung beim Bau der Kathedrale in Clermont-Ferrand. Erst im 13. Jahrhundert war man imstande, den extrem harten Andesit zu bearbeiten. Ein weiterer Ausflug durch das tertiäre Vulkangebiet in 1240 Metern Höhe führte nach Orcival im Département Puy-de-Dome, einer Ansammlung grauer Häuser mit Schieferdächern und der kargen romanischen Basilika Notre-Dame d'Orcival aus Andesit, die eine viel besuchte Schwarze Madonna beherbergt.

Noch authentischer der kleine Ort Salers in der dünn besiedelten Gebirgsregion des Cantal, ein komplett erhaltenes Dorf aus der Renaissancezeit. Er wurde in die Vereinigung der schönsten Dörfer Frankreichs aufgenommen. Seine Gebäude sind überwiegend aus dem schwarzen Vulkangestein der Region gemauert. Schlendert man durch die engen pittoresken Gassen, fühlt man sich wie aus der Jetztzeit gefallen.

Im Massiv der Monts Dore war es zwar nicht möglich, mit der Gondelbahn oder der Drahtseilbahn den Puy de Sancy 1885 m ü. NN zu erreichen, da die Nebelwand keine Sicht versprach, dafür bot die Durchfahrt durch das Gebiet des Regionalen Naturparks Volcans d'Auvergne einen wunderbaren Ausblick auf die durch Erdabtragung freigelegte Felsenformation Roches Tuilière et Sanadoire in den Monts Dore.

Hartmut Flothmann

Der Autor Hartmut Flothmann ist Geo-Wanderführer des Eifelvereins Schalkenmehren und Verfasser des Beitrages "Neun Maare in Schalkenmehren - aber wo?" im EifelJahrbuch 2010.