Ehemalige Sternwarte bei Schalkenmehren: Minifestival mit Musik und Literatur

Kostenpflichtiger Inhalt: Denkmal : Ehemalige Sternwarte bei Schalkenmehren: Steiniger Weg zur dauerhaften Kultur-Einrichtung

Die ehemalige Sternwarte Hoher List steht seit 2012 zum Verkauf. Einen Vorgeschmack auf das Potenzial des Areals hat der Kleine Sternensommer gegeben: ein Minifestival mit Musik, bildende Kunst, Literatur und Leckerem. Doch der Weg zur dauerhaften Kultur-Einrichtung ist steinig.

Die Natur hat es gebraucht, die Kultur jedoch eher nicht: kühles Schauerwetter. „Darum hatten wir etwas weniger Publikumsresonanz als in früheren Jahren“, zieht Jutta Schulte-Gräfen, Malerin und Sprecherin der Künstlergruppe SternwARTe Vulkaneifel, die Bilanz des Kleinen Sternensommers. „Gerade die Unwägbarkeiten einer Outdoor-Veranstaltung mit dem großen logistischen Aufwand verdeutlichen: Es wird höchste Zeit, dass die Uni Bonn ihre Weigerung, uns die Gebäude zur Verfügung zu stellen, überdenkt. Leerstände nutzen niemandem etwas.“ Schon seit über einem Jahrzehnt besteht Interesse daran, die ehemals von der Uni Bonn genutzte und teils unter Denkmalschutz stehende Sternwarte Hoher List in ein Zentrum für Kultur und Astronomie zu verwandeln. Ein williger Privatinvestor steht in Person von Bruno Nelles Gewehr bei Fuß, um dafür die Immobilie vom zuständigen Bau- und Liegenschaftsbetrieb in NRW zu kaufen, viel Unterstützung erhält er von Kulturschaffenden und Kommunalpolitikern der Region.

Allein: Sichtbare Fortschritte gibt es nicht. Die meisten Gebäude weisen mittlerweile deutliche Ver­fallsspuren auf. Das Observatorium wird regelmäßig nur noch von der Astronomischen Vereinigung Vulkaneifel (AVV) für Vorträge genutzt und einmal im Jahr vom Kleinen Sternensommer des Vereins SternwARTe. Eine erneute Open-Air-Auflage des Festivals schließt Jutta Schulte-Gräfen derzeit aus.

Die Hoffnung, dass im kommenden Jahr indoor musiziert, ausgestellt oder vorgelesen werden kann, ist immerhin da: „Man denkt ja immer, man sei kurz vorm Ziel“, schildert Bruno Nelles den Stand der Dinge. „Es hakt zum Beispiel am Inventar wie den Teleskopen, die laut Denkmalschutz integraler Bestandteil der Sternwarte sind, aber verkauft oder an Museen gegeben werden sollen, oder an den existierenden Mietverträgen. Ein Notarvertragsentwurf jedenfalls ist längst fertig, der den Verkauf regeln kann.“ Seit 2012 versuchen er und seine Mitstreiter von der SternwARTe, mit langem Atem zum Ziel zu kommen. „Es scheitert jedoch immer wieder an Details und an der Unbeweglichkeit der Uni“, zeigen sich Künstler und Kaufinteressent gleichermaßen entnervt.

Aufgeben jedoch ist keine Option, belegt doch das Festival Kleiner Sternensommer, wie gut das Observatorium als spartenübergreifende Kulturstätte taugt – eigentlich. Rund ein Dutzend bildender KünstlerInnen hatten diesmal Malerei, Skulpturen, Keramik oder Textilkunst in luftigen Pavillons oder über das Gelände verteilt ausgestellt. „Mit der Percussionistin Leonie Klein hatten wir ein ganz besonderes Konzert-Highlight“, ist Jutta Schulte-Gräfen froh über eine Klangkünstlerin, die mit den Großen der modernen Musik auf der Bühne steht. Oder ausnahmsweise im Kuppelsaal der Sternwarte mit seiner einzigartigen Akustik: „Wie mag es da klingen, habe sie sich gefragt, als sie bei einem vorherigen Sternensommer bei uns war“, erinnert sich die Malerin, „und ihr Interesse bekundet, mitzumachen. Das war für uns ein absoluter Wow-Moment.“

Neu beim Kleinen Sternensommer war diesmal die Betonung des gesprochenen und geschriebenen Wortes. Mundart 2.0 war eine generationsübergreifende Talkrunde auf Eifeler Platt betitelt, die Simon Körsten, Tim Becker und Walter Manderscheid bestritten. Aufhorchen ließen auch die jungen Eifeler Schreibtalente, die seit Mai in einer von Kinder- und Jugendbuchautorin Hanna Jansen geleiteten Werkstatt zum Thema „Heimat“ arbeiten. Die von den 15- bis 19-Jährigen präsentierten Texte zeigten, dass niemand fürchten muss, der Nachschub an literarischem Können aus der Region könnte abebben, im Gegenteil.

Erfrischend unverstellt und anders fand die Eifelheimat bei Chayenne Falkenberg, Janek Kalcik, Léan Hötzel, Lilian Hahm, Anna-Lisa Weber, Isabel Schmitz, Raja Baumann und Joost Leclaire ihren Ausdruck: Mit Blick auf die Landkarte ist sie bei ihnen „Deutschland linksaußen“, ein „Niemandsland Natur“ für „Quasselstrippen und Querköpfe“. Zur Sprache kommen manche Einsamkeitserfahrungen und auch ein Alltag, der den jungen Eifelern immer wieder die Frage stellt, warum sie bleiben sollten. Die Antwort: „Ganz einfach, ich bin zuhause.“

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