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Ehemaliges Gerolsteiner Drahtfabrik-Gelände soll neue Heimat des LBM werden

Infrastruktur : Ehemaliges Gerolsteiner Drahtfabrik-Gelände soll neue Heimat des LBM werden

Die Stadt Gerolstein hat das Drahtfabrik-Areal verkauft – an den Stadtkyller Bauunternehmer Peter Backes. Sie hofft nun darauf, dass der Investor dort dem Landesbetrieb Mobilität ein neues Zuhause schafft. Andere Interessenten sind sauer.

Der Verkauf des Areals der ehemaligen Drahtwarenfabrik am Auberg ist laut Gerolsteins Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) notariell besiegelt. Die Stadt hat das Gelände an den Stadtkyller Bauunternehmer Peter Backes veräußert. Über den Kaufpreis sagt er nichts, wohl aber, was ansonsten vereinbart wurde: „Der Käufer reißt die Gebäude ab und entsorgt das Material. Der Stadt entstehen keine Kosten mehr. Gleiches gilt für kontaminierten Boden, falls noch weitere Stellen gefunden werden. Und auch die Renaturierung und Verlegung des Peschenbachs übernimmt er – in enger Absprache mit der Wasserbehörde.“

Für Bongartz ist die Veräußerung „ein ganz großer Gewinn für die Stadt – nicht nur, weil die Stadt dadurch die veranschlagten 400 000 Euro Abriss- und Entsorgungskosten spart, sondern auch, weil „wir die Brache los sind und sich die künftige Nutzung des Areals sehr positiv auf die Stadt auswirken wird“.

Die künftige Nutzung des Geländes sei zwar nicht festgeschrieben worden. Dass auf dem Gelände aber ein Neubau für den Landesbetrieb Mobilität (LBM) gebaut werden könne, „wäre eine Möglichkeit – und zwar eine, die wir vor allen anderen befürworten würden“, sagt Bongartz. Er schränkt aber auch ein: „Das ist nun Sache von Backes und dem LBM.“ Das Straßenbauamt will möglichst rasch raus aus seinem bisherigen Domizil in der Brunnenstraße – aber in Gerolstein bleiben.

Nach Einschätzung des Stadtbürgermeisters bietet das knapp 7200 Quadratmeter große Gelände sogar die Möglichkeit, zwei Projekte zu realisieren. An welche er dabei denkt, sagt er nicht.

Dafür zeigt er sich grundsätzlich zufrieden bis euphorisch nach dem Vertragsabschluss: „Mir fällt ein schwerer Stein vom Herzen, dass das Projekt nun abgehakt ist. Es war ein langer Weg mit vielen, zum Teil kontroversen Diskussionen. Ich denke, für die jetzige Lösung hätten wir eine Goldmedaille verdient.“

Ganz anders sieht das der Gerolsteiner Ingenieur und Planer Herbert Nake. Der kritisiert den Verkauf deutlich. Er sagt: „Seit Jahren planen wir, dort gemeinsam mit Partnern ein Seniorenzentrum mit 40 kleinen Wohnungen, einer Sozialstation, einer Physiotherapie, einem Café, der Verwaltung sowie drei Doppelhäusern für Wohngruppen zu bauen – und seit vier Jahren werden wir von der Stadt vertröstet. Nun der Verkauf – und das ohne Ausschreibung. Die Stadt hätte uns eine Chance geben müssen. Was sind das für Machenschaften?“

Daher hat Nake auch eine Dienstaufsichtsbeschwerde an die Kommunalaufsicht bei der Kreisverwaltung geschickt, denn „das lassen wir uns nicht gefallen“. Er fügt hinzu: „Über zehn Jahre ist das Gebäude mit dem Gelände im Besitz der Stadt - und nun ein Verkauf in einer Nacht-und Nebel-Aktion ohne Information der Öffentlichkeit.“

Bongartz wiederum sieht „keine Übervorteilung“ von Nake. Er begründet das so: „Wir hatten ja nicht nur ihn, sondern ein halbes Dutzend Interessenten. Die Backes-Vorschläge gehen am ehesten konform mit den Interessen der Stadt – vor allem, Platz für den LBM zu schaffen, hatte für uns oberste Priorität. Dafür haben wir nun den Weg freigemacht und hoffen, dass es auch so kommen wird.“

Zum Kritikpunkt, dass das Projekt Drahtfabrik nicht öffentlich ausgeschrieben wurde, sagt der Stadtbürgermeister: „Wir haben uns schlau- gemacht: Die Investoren-Lösung, auf die wir nun gesetzt haben, ist ohne Ausschreibung möglich.“

Für andere Vorhaben, beispielsweise Wohnprojekte, „müssen wir nun halt andere Möglichkeiten suchen“, sagt Bongartz.

Nicht mehr lange sollen die Gebäude der Drahtfabrik in Gerolstein stehenbleiben. Nach Auskunft der Stadt will der neue Eigentümer, der Stadtkyller Bauunternehmer Peter Backes, sie abreißen und Platz für Neubauten schaffen. Die Stadt hofft auf ein neues Domizil für den Landesbetrieb Mobilität. Foto: TV/Mario Hübner
Das Areal der ehemaligen Drahtfabrik in Gerolstein soll zum neuen Standort für den Landesbetrieb Mobilität werden, der so bald als möglich aus seinem bisherigen Domizil aus der Brunnenstraße raus will. Die Stadt will das Gelände an das Bauunternehmen Backes verkaufen, das dann den Neubau für den LBM hochziehen soll. Foto: TV/Mario Hübner
Das Areal der ehemaligen Drahtfabrik in Gerolstein soll zum neuen Standort für den Landesbetrieb Mobilität werden, der so bald als möglich aus seinem bisherigen Domizil aus der Brunnenstraße raus will. Die Stadt will das Gelände an das Bauunternehmen Backes verkaufen, das dann den Neubau für den LBM hochziehen soll. Foto: TV/Mario Hübner

Bauunternehmer Peter Backes wollte sich trotz mehrerer TV-Anfragen zum Projekt nicht äußern.