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Ehrenamtliche brauchen starke Partner

Ehrenamtliche brauchen starke Partner

Es ist viel geleistet worden, doch es muss weitergehen: Das waren die wichtigsten Botschaften bei der Abschlussveranstaltung des dreijährigen Modellprojekts des Caritas Fachzentrums Demenz Eifel-Mosel-Ahr im Forum Daun unter dem Titel: "Ein gutes Leben mit Demenz - wie packen wir es an?"

Daun/Wittlich/Bitburg. Als Landrat Gregor Eibes (Bernkastel-Wittlich) bei der Podiumsdiskussion im Rahmen der Abschlussveranstaltung ein Ausrufezeichen hinter die Forderung "Es muss weitergehen" setzte und sagte: "Wie es weitergeht, müsste am heutigen Tag schon feststehen", bekräftigten die mehr als 100 Teilnehmer aus Pflege, Politik, Kirchen, Vereinen und Verbänden dies spontan mit Beifall. Eibes betonte: "Es geht nur mit geteilter Verantwortung" und mahnte: "Die Ehrenamtlichen dürfen nicht überfordert und allein gelassen werden."Bürger mit Rechten


Neben der Podiumsdiskussion waren der Vortrag von Professor Reimer Gronemeyer (Gießen) und der Bericht von Professor Hermann Brandenburg (Vallendar) die weiteren tragenden Säulen der Veranstaltung am Ende des Modellprojekts (siehe Extra). Die klassische Familie, in der die Großeltern auf dem Bauernhof noch eine Aufgabe hatten, existiere nicht mehr, die Nachbarschaft spiele keine Rolle mehr, räumte Gronemeyer ein. Er sagte: "Wir leben in einer Gesellschaft des Vergessens" und erklärte: "Jede Zeit bringt die Krankheit hervor, die zu ihr passt. Demenzkranke zeigen uns, wie wir leben." Der Demenzkranke sei die Reinform des von der Gesellschaft propagierten "autonomen Ichs, ohne Bindung an andere", deklarierte er.
Als wissenschaftliche Begleiter eröffneten Professor Hermann Brandenburg und seine Mitarbeiterin Carolin Baczkiewicz ihren Bericht mit den Grundsätzen, dass Menschen mit Demenz Bürger seien, die dazugehörten, Rechte hätten, uns alle angingen und unsere Fantasie bräuchten. Er bescheinigte den Projektleiterinnen Margret Brech (Kreis Bernkastel-Wittlich), Marianne Johanns und Margit Junk (Eifelkreis Bitburg-Prüm), Gertrud Simonis (Kreis Vulkaneifel) und Katharina Steinich (Kreis Bad Neuenahr-Ahrweiler), dass sie auf der Grundlage eines verantwortbaren, humanen Bildes von Menschen mit Demenz die Öffentlichkeitsarbeit verbessert und Angebote für Betroffene und ihre Angehörigen weiter entwickelt hätten. Schulungen und Fortbildungen hätten einiges bewegt, die Zusammenarbeit mit Krankenhäusern, Kliniken und Ärzten sei intensiviert worden, betonte Brandenburg - "auch wenn es keinen Königsweg zur demenzfreundlichen Kommune gibt", räumte er ein. "Demenz-Netzwerke laufen nicht von allein, sie müssen ständig befeuert und keineswegs allein auf das Ehrenamt gestellt werden", erklärte der Professor und appellierte an die Politik, einen hauptamtlichen Stellenumfang zu gewährleisten.Extra

Das Caritas Fachzentrum Demenz Eifel-Mosel-Ahr ist 2012 als Nachfolgeprojekt der Modellstellen Demenz (von 2006 bis 2011) an den Standorten Bitburg, Gerolstein, Wittlich und Bad-Neuenahr-Ahrweiler initiiert worden. Träger sind die Caritasverbände Mosel-Eifel-Hunsrück, Rhein-Mosel-Ahr und Westeifel. Ziel war und ist die Versorgungsstruktur für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen weiter zu entwickeln und zu verbessern. An der Finanzierung beteiligten sich das Land Rheinland-Pfalz, die Pflegekassen, die Kreisverwaltungen und die Caritasverbände. Der Abschlussbericht wird Ende Dezember 2014 auf der Website www.fachzentrum-demenz.de veröffentlicht. bb