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Eifeler Erfolgsautor Norbert Scheuer liest in Gerolstein

Literatur : Leiser Appell für Mut und Menschlichkeit

Der Eifeler Erfolgsautor Norbert Scheuer liest vor 120 Gästen in Gerolstein aus seinem preisgekrönten Roman Winterbienen.

Erstes Gastspiel in der alten Heimat: 120 Besucher haben am Dienstagabend im vollbesetzten Forum des Rathauses Gerolstein  erlebt, wie der erfolgreiche Eifeler Autor Norbert Scheuer aus Kall aus seinem jüngsten und preisgekrönten Roman „Winterbienen“ vorgetragen hat: ruhig und gemächlich, ohne dramaturgische Übertreibungen, fernab von Entertainement.

Also entsprechend seines bodenständigen Eifeler Naturells und dem Thema angemessen: Das vielfach und zurecht gelobte Werk handelt von einem Eifeler Imker, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in seinen umgebauten Bienenstöcken jüdische Flüchtlinge über die Grenze nach Belgien bringt. Immer mit der Angst, aufzufliegen und getötet zu werden. Einer, der hilft, wo andere längst aufgegeben oder sich auf die Seite der Verbrecher geschlagen haben. Aber eben auch, um damit Geld für seine lebensnotwendigen Epilepsie-Medikamente zu verdienen. Also eine durch und durch menschliche Figur (er beginnt auch eine Affäre mit der Frau eines hohen Nazi-Funktionärs) in unmenschlichen Zeiten. Einer, der Mut aufbringt.

Diese Notwendigkeit, gegen Unrecht aufzubegehren – durch Worte und/oder Taten – , bestehe auch heute angesichts des zunehmenden Fremdenhasses und Antisemitismus‘, betonte denn auch Ruth Bahadori, Vorsitzende des Forums Eine Welt. Das Forum setzt  sich seit Jahren für ein Miteinander der Kulturen und gegenseitige Toleranz in der Eifel ein und hatte nun aus Anlass des Holocaust-Gedenktages Scheuer für eine Lesung gewonnen. 

Und der wartete mit interessanten Informationen auf: „Ich freue mich, hier in Gerolstein, so nah an Birresborn, zu lesen. Das habe ich bisher noch nie gemacht.“ Wo die Zeit in Birresborn (Einschulung und Jugend) doch „die prägendste in meinem Leben“ gewesen sei. Und er verriet zudem: „Wenn ich in meinen anderen Romanen über die Urft schreibe (und das kommt oft vor, Anm.d.Red.), dann meine ich stets die Kyll.“ Und die vielen Handlungen, die in Gasthäusern spielten, habe er nur auf Basis dessen, was er als Heranwachsender im Hotel Zur Krone in Birresborn erlebt habe, erzählen können. Denn das hatten seine Eltern einige Jahre gepachtet.

Aber zurück zum Werk: Wieso er diesmal Bienen als Gegenstand gewählt habe, wollte ein Besucher wissen. „Bienen werden stets mit Idylle gleichgesetzt, und doch leben sie in einem totalitären System. Diese Parallelführung fand ich spannend.“ Die „Initialzündung“ des Romans sei die Tagebuchaufzeichnung eines realen Imkers zu dieser Zeit gewesen, die lautete: „Die Häuser sind zerstört, Menschen werden getötet, aber meine Bienen fliegen wieder schön.“

Und die „Winterbienen“, die Spezies, die sich aufzehrt, damit die Nachkommen in besseren Zeiten (dem Frühling/nach dem Krieg) leben und überleben können, ebenfalls ein Synonym für das Notwendige, das manchmal getan werden muss? Gut möglich.