Eifeler Erfolgsrezept aus Sojabohnen

Eifeler Erfolgsrezept aus Sojabohnen

Tofu hat Bernd Drosihn schon hergestellt, als in Deutschland noch kaum jemand das asiatische Produkt aus Sojabohnen kannte. Was in einer kleinen ehemaligen Metzgerei anfing, hat sich bis heute zu einem modernen und leistungsfähigen Unternehmen entwickelt.

Wiesbaum. Tofustraße 1. Schon die Adresse verrät, worum sich in Bernd Drosihns Unternehmen im Industrie- und Gewerbepark Wiesbaum alles dreht. Der überzeugte Vegetarier stellt in seiner Firma Tofu und andere Produkte aus Soja her - und das in großem Stil. 30 Millionen Euro Umsatz machte er 2010 damit und expandiert weiter.
Würstchen, Burger, Kebap - wer die Liste der 110 Produkte, die Tofutown im Sortiment hat, durchliest, könnte Drosihn für einen Metzger und Fleischfabrikanten halten. Doch bei ihm ist alles auf pflanzlicher Basis. "Wir haben einfach den Rohstoff gewechselt", sagt der Unternehmer. Er sieht es wie bei einem Auto, das mit Benzin, Gas oder Strom angetrieben werden kann. Worauf es ankommt, ist der Fahrkomfort - oder eben der Genuss. Und dass seine Erzeugnisse mindestens genauso gut schmecken wie Fleisch, davon ist Drosihn überzeugt und davon will er auch die überzeugen, die keine Vegetarier sind.
In seiner Jugend erlebte der heute 52-Jährige, wie seine Tante im Harz ihre Hühner schlachtete und alles verwertete: Därme, Füße, Augen. Da mochte er mit 16 Jahren kein Fleisch mehr essen. Tofu kannte damals hierzulande noch kaum jemand.
Drosihn begann, Musik zu studieren, brach das Studium ab, reiste mit seinem Saxofon durch die Welt. In New York aß er seinen ersten Tofu - und kam auf den Geschmack. Mit ein paar Freunden gründete er Anfang der 1980er Jahre das Kollektiv Soya-stern, mietete eine ehemalige Metzgerei und begann dort zu experimentieren, als Autodidakt. Offiziell war Tofu in Deutschland noch gar nicht als Lebensmittel zugelassen. Auch wenn das erste Geschäft noch nicht zum Leben reichte und später pleite ging - der Grundstein für die Karriere war gelegt.
Dass Tofu heutzutage nicht mehr nur in Reformhäusern und Bioläden verfügbar ist, sondern auch im Supermarkt, ist für Drosihn mehr als eine Modeerscheinung. "Der Markt ist im Lauf der Jahre stetig gewachsen", betont er. Zwei Ereignisse hätten aber einen deutlichen Anstieg bewirkt: das Reaktorunglück von Tschernobyl und die BSE-Krise.
Praktische Gründe


Ob Schweinepest oder Gammel-Döner - der Tofu-Produzent registriert jeden Fleischskandal ohne Schadenfreude, auch wenn er dadurch neue Kunden gewinnt. Aber er fühlt sich in seiner Überzeugung bestätigt: "Wir machen das bessere Produkt", meint er. Zumal es kein Cholesterin enthält und die Produktion auch für die Umwelt verträglicher ist. Ein Kilo Tofu spare gegenüber einem Fleischprodukt in der Herstellung 17 000 Liter Trinkwasser, 75 Kilowattstunden Energie und zehn Kilogramm Treibhausgase.
Dass Drosihn den Sitz seines Unternehmens im Jahr 2001 von Euskirchen nach Rheinland-Pfalz verlegte, hatte praktische Gründe: Hier wurde er mit offenen Armen empfangen. "Die Zusammenarbeit mit der VG Hillesheim ist bis heute sehr gut", sagt er. Obwohl der verheiratete Vater zweier Kinder nach wie vor in Bonn wohnt, mag er die Eifel und ihre Einwohner. "Wir fühlen uns sehr wohl hier. Die Eifeler akzeptieren auch Individualisten."Extra

Bernd Drosihn, Jahrgang 1959, hat nach seinem Abitur begonnen, Klarinette zu studieren. Das Studium brach er jedoch ab und reiste mit seinem Saxofon um die Welt. Als der Vegetarier in New York Tofu kennenlernte, begann er mit Freunden, das Sojaprodukt selbst herzustellen und gründete später seine eigene Firma. 2001 zog er mit seinem Unternehmen nach Wiesbaum um. Drosihn lebt in Bonn, ist verheiratet und hat zwei Kinder. dajExtra

V wie Victory und wie Vegetarisch: Bernd Drosihn ist Geschäftsführer von Tofutown. TV-Foto: Daniel John.

Tofutown wurde 1988 als Viana Naturkost GmbH in Köln gegründet und hat seit 2001 den Firmensitz in Wiesbaum. Dort und am Standort Lüneburg beschäftigt das Unternehmen etwa 200 Mitarbeiter. Tofutown erhielt bereits mehrere Auszeichnungen, darunter 2006 den renommierten rheinland-pfälzischen Holkenbrink-Preis. Derzeit investiert das Unternehmen fünf Millionen Euro in eine Erweiterung der Produktionsstätte in Wiesbaum. Dort soll noch in diesem Jahr eine weitere Anlage in Betrieb gehen. Ein Buch mit vielen Anekdoten aus seiner Lebens- und Firmengeschichte hat Bernd Drosihn unter dem Titel "Tofu" im Ventil-Verlag veröffentlicht. Es ist zum Preis von 12,90 Euro im Buchhandel erhältlich. daj Informationen zu den Marken und Produkten gibt es im Internet unter www.tofutown.com.

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