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Eifeler FC-Köln-Fans wehren sich mit Transparenten gegen Hooligan-Ausschreitungen

Eifeler FC-Köln-Fans wehren sich mit Transparenten gegen Hooligan-Ausschreitungen

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Nach den Hooligan-Ausschreitungen beim Bundesligaderby gegen Mönchengladbach hat der größte FC-Köln-Fanclub des Kreises, die FC Fründe Oberstadtfeld, ein Zeichen für friedliche Fußballfans gesetzt und es damit auch ins Fernsehen geschafft: Die Truppe um Sascha Rehnelt hat metergroße Plakate und Transparente gebastelt und mit ins Stadion genommen.

Oberstadtfeld. Das Handy von Sascha Rehnelt hört gar nicht mehr auf zu klingeln, als er mit 50 000 anderen Menschen in seinem zweiten Wohnzimmer, dem RheinEnergie-Stadion in Köln, steht. Der 40-Jährige kommt mit seinen Kumpels der FC Fründe Oberstadtfeld im Stadion des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln ganz groß raus. Als die Kameras beim jüngsten Heimspiel gegen Hannover 96 durch die Südkurve schwenkten, fangen sie Transparente ein, die von Medien in ganz Deutschland als Vorbild aufgegriffen wurden - wie von der "Bild" oder dem ZDF-Sportstudio. Auf den Plakaten stehen Botschaften wie "Kein Bock auf Randale" oder "Wir sind der FC - ohne Pyro und Gewalt". Gepinselt haben sie die Männer aus der Vulkaneifel.
Sie distanzieren sich auf diese Weise von schlimmen Hooliganausschreitungen, die es eine Woche zuvor im Spiel beim Erzrivalen Borussia Mönchengladbach gab. Gewalttätige Fans hatten da nach Abpfiff das Feld gestürmt, Feuerwerkskörper gezündet und sich eine Massenschlägerei mit Polizei, Ordnern sowie gegnerischen Anhängern geliefert.
Rehnelt war geschockt und wollte ein Zeichen für eine friedliche Fankultur setzen. Die Idee kam an. "Ich habe bestimmt schon vor dem Anpfiff 20 E-Mails bekommen, in denen Kumpels die Fernsehbilder abfotografiert und mir geschickt haben", sagt Rehnelt nicht ohne Stolz. Für den Mann, der bei der Berufsfeuerwehr in Koblenz arbeitet, ist Fußball ein Lebensgefühl, bei dem Gewalt keinen Platz hat. Und das schon von Kindsbeinen an. Mit vier Jahren fuhr er mit seinen Eltern Josef und Anneliese bereits zum 1. FC Köln. Sein Haus in Oberstadtfeld ist mit einer großen Fahne des Bundesligisten geschmückt, sein Auto in den rot-weißen Vereinsfarben angemalt. Mindestens einmal im Jahr besucht er ein Konzert der Kölner Kultband BAP und trinkt gerne Kölsch. "Wer das FC-Virus hat, den lässt es nicht los", sagt er und lacht.
Umso mehr verstörten Rehnelt die Bilder aus Mönchengladbach, die er in einer Bahnhofskneipe in Mülheim sah. Nicht, weil die 0:1-Niederlage in letzter Minute zustande kam. Sondern weil die prügelnden Männer ihnen den Spaß an ihrem Sport nahmen. "Der 1. FC Köln hat 70 000 Mitglieder. Ich habe keine Lust, dass Anhänger von einer Handvoll Verrückter in ein schlechtes Licht gerückt werden", sagt Rehnelt.
Also machte er sich Gedanken, wie er sich gegen die Unruhestifter im Stadion wehren kann. Dann kam ihm die Idee mit den Transparenten. Rehnelt schrieb E-Mails an Mitglieder des Fanclubs, die sofort begeistert waren. Am Samstag vor dem Spiel bastelten zehn Leute an den Transparenten und nahmen sie mit zum Hannover-Spiel. Im Vorfeld hatte sich ihr Sprecher schon mit dem Fanbeauftragten des 1. FC Köln abgesprochen. Ungefährlich war die Aktion nicht. Schon einmal hatte Rehnelt schlechte Erfahrungen mit gewaltbereiten FC-Anhängern gemacht. "Einer ist mir mal an den Kragen gegangen und hat unsere Fahne zerstört, weil wir sie nicht abhängen wollten." Auch da blieb der Oberstadtfelder konsequent. "Ich habe den Mann angezeigt, auch wenn ich am Ende nur 80 Euro bekommen habe."
Zu Konflikten kommt es diesmal nicht. Der Fanclub hängt die Plakate auf. Bekannte Gesichter wie Sportdirektor Jörg Schmadtke und Torwart-Idol Toni Schumacher loben die Männer aus der Vulkaneifel.
"Außerdem haben wir seitdem drei Anfragen von Leuten bekommen, die Mitglied in unserem Fanclub werden wollen", freut sich Rehnelt, der wieder mit dem 1. FC Köln auf Reisen ist. Beim Auswärtsspiel gegen den FC Bayern am heutigen Freitag will er die Transparente erneut aufhängen, die mittlerweile ganz Deutschland kennt.Extra

Sascha Rehnelt mit seinen Eltern Josef und Anneliese im RheinEnergie-Stadion des 1. FC Köln. Foto: privat.

Die "FC Fründe Oberstadtfeld" wurden 1994 gegründet und sind seitdem ein offizieller Fanclub des Fußball-Traditionsvereins 1. FC Köln. Die Mitglieder fahren zu jedem Spiel und sind in der Südkurve des RheinEnergie-Stadions eine feste Größe. 100 Mitglieder gehören dem Club an. Sie kommen aus der Vulkaneifel, aber auch aus Bitburg, Prüm, Koblenz und Köln. Der Fanclub hat im Wilderlebnispark von Daun-Pützborn sogar einen eigenen, lebendigen Geißbock, der zugleich das Wappentier des Fußball-Bundesligisten ist. Dieser wurde ihnen gestiftet, die Patenschaft hat der Fernsehmoderator Oliver Pocher übernommen. flor