Eifeler kämpfen um Berufliches Gymnasium

Eifeler kämpfen um Berufliches Gymnasium

Nächster Versuch: Trotz Absage wollen Kreis und Schulleitung persönlich im Ministerium vorsprechen, damit an der Berufsbildenden Schule (BBS) Gerolstein doch noch ein Berufliches Gymnasium mit Schwerpunkt Wirtschaft eingerichtet wird.

Gerolstein/Daun. Schätzungsweise an die 3000 Schüler und Eltern haben die erste Bildungs- und Ausbildungsmesse der Berufsbildenden Schule (BBS) am vergangenen Sonntag besucht, an der auch 44 Betriebe aus der Region teilgenommen haben. Für Schulleiter Heinz Brauns, ein "gigantischer Erfolg". Und Anlass, gemeinsam mit dem Kreis als Schulträger nochmals dem rheinland-pfälzischen Bildungsministerium in Mainz einen Besuch abzustatten und den Antrag auf Errichtung eines Beruflichen Gymnasiums mit Schwerpunkt Wirtschaft zu erneuern.
Brauns sagt: "Wir haben eine eindeutige Rückkopplung aus den Betrieben, die sagen: Die Region braucht das Berufliche Gymnasium. Es wird als ein wichtiger Baustein gesehen, dem Fachkräftemangel im gehobenen Bereich, etwa bei den Ingenieuren, entgegenzuwirken. Und es ist eine Möglichkeit, die Jugend in der Eifel zu halten."
Er sei daher "mehrfach ermuntert worden, in dieser Sache am Ball zu bleiben".
Das sagt auch Dirk Hoffmann, Leiter Personal beim Gerolsteiner Brunnen, der sich ebenfalls an der Bildungsmesse beteiligt hat: "Grundsätzlich begrüßen wir als Arbeitgeber, wenn jungen Menschen in der Region ein vielfältiges schulisches Ausbildungsangebot zur Verfügung steht. Die Entscheidung über eine Erweiterung eines Angebots obliegt selbstverständlich den entsprechenden Ministerien."
Noch deutlicher wird Heinz M. Nägel, Geschäftsführender Gesellschafter von Feluwa, dem weltweit agierenden Spezialisten für Pumpentechnik mit Sitz in Mürlenbach. Er sagt: "Wir benötigen versierte Fachkräfte, die wir vorzugsweise auch bei uns ausbilden. Ein Gymnasium mit technischer und wirtschaftlicher Ausrichtung würde den Jugendlichen wichtige Grundkenntnisse vermitteln, die sie dann als Bewerber um einen Ausbildungsplatz in unserem Unternehmen besonders qualifizieren. Wir sehen darin eine Chance, den Ingenieurmangel in unserer Region zu reduzieren."
Beim ersten Anlauf vor gut einem Jahr hat die BBS Gerolstein eine Absage aus Mainz bekommen. Begründung: Erstens reichten die Schülerzahlen für ein Berufliches Gymnasium nicht aus, zweitens würden dadurch die drei bestehenden Gymnasien im Kreis geschwächt.
"Damit ist keine Basis vorhanden, dass zukünftig für ein berufliches Gymnasium an der Berufsbildenden Schule Gerolstein eine ausreichende Anzahl von Schülern rekrutiert werden kann", hieß es im Schreiben. Notwendig sind jährlich mindestens 50 Schüler pro Fachrichtung.
Im Sommer dann doch noch ein Ja aus Mainz, allerdings nur ein Teilerfolg: So gewährte das Land der Schule die Option, zum Schuljahr 2013/14 ein berufliches Gymnasium Technik mit dem Schwerpunkt Metalltechnik einzurichten. Für Schulleiter Brauns war das aber stets nur die zweite Wahl. Er geht davon aus, dass es für dieses "Spartenangebot" in der Tat zu wenig Nachfrage geben wird. "Es ist fraglich, ob wir das ans Laufen bringen. Beim Schwerpunkt Wirtschaft bin ich mir da allerdings sicher", sagt Brauns. Für ihn ist das Berufliche Gymnasium notwendig, da es eine "bedeutende Schülergruppe gibt, die aus reiner Not aufs Gymnasium geht, aber bei uns viel besser aufgehoben wäre", sagt Brauns. Zudem habe ein solches Bildungsangebot in der Vulkaneifel auch etwas mit Chancengleichheit gegenüber größeren Städten zu tun. Braun: "Denn ansonsten müssen die Kinder von hier weiterhin nach Wittlich oder Trier fahren."Extra

Das Berufliche Gymnasium ist ein dreijähriger Bildungsgang in der Sekundarstufe II (Klassen 11 bis 13) in Vollzeit, der neben den allgemeinbildenden Fächern auch ein berufsbezogenes Fach wie Wirtschaft und Technik umfasst. Für den Besuch des Beruflichen Gymnasiums wird die Mittlere Reife vorausgesetzt. Ziel ist der Erwerb des Abiturs, das den Zugang zur Universität ermöglicht. mh