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Eifeler Radiosender mit Black Music erfolgreich

Musik und Kultur : Eifel-Sender: Im Äther ist mächtig was los

Wolfgang Poss aus Schalkenmehren hat einen Musiksender gegründet, der sich der „Black Music“ widmet. Die Zahl der Zuhörer steigt.

16.03 Uhr: Gerade läuft „Barry White“, anschließend „Earth, Wind and Fire“ und so geht es immer weiter, rund um die Uhr, jeden Tag. Der Name ist Programm: „Radio Disco Times“, der Sender, von Wolfgang Poss aus Schalkenmehren ins Leben gerufen, erfreut sich zunehmend größter Beliebtheit. „Viele Leute sprechen mich an und finden das ausgesprochen gut“, sagt Poss, auch sehe er an der Statistik, dass es immer mehr Zuhörer gebe.

Zurzeit seien es mehrere Tausend im Monat „bei einer durchschnittlichen Hördauer von rund drei Stunden“. Und das auch in der Nacht, „denn man hört uns auch in Amerika“, weiß er. Klar, denn Wolfgang Poss‘ Leidenschaft ist die amerikanische Soul-, Blues- und Softrockmusik, die er schon in seiner frühen Jugend liebte.  „Als 14-Jähriger hörte ich im Autoradio eines Freundes meiner Schwester zum ersten Mal den US-Militärsender AFN (American Forces Network).“. Ein Jahr später im Internat in Bad Honnef beschäftigte er sich weiter mit dieser Musikrichtung, hörte AFN  und BFBS, einen englischen Militärsender, die damals aus der Botschaft in Bonn sendeten. „So konnte ich diese in Bad Honnef sehr gut empfangen und abends unter der Bettdecke mit Ohrhörer die Musik aus den USA sozusagen studieren“, berichtet der gebürtige Dauner Junge. Heute noch besitzt er hunderte von Kassetten, auf denen er ganze Sendungen aufgenommen hat.

Auch seine spätere Laufbahn als Polizeibeamter brachte ihm hinsichtlich seines Musikgeschmacks manche Vorteile. Mit seinem Ausweis kam er in den 80er Jahren nämlich jederzeit in die NCO-Clubs der verschiedensten amerikanischen Airbases, wo er die amerikanischen Superstars wie Lionel Ritchie, Barry White, Kool and the Gang und viele andere live erleben konnte. Durch einen Unfall während seiner Ausbildung bei der Polizei vom Kampfsport und dem allgemeinen Sport sowie Großeinsätzen erst mal ausgeschlossen, verbrachte er auch viel Zeit in der damaligen Kultdisco Backstuff in Daun, in der auch seine Zeit als DJ begann. Später legte der Musikfan auch im Baccara und in seinem eigenen Club Beach in Daun sowie im Golden Gate in Gerolstein und im Castel in Bitburg auf, „das der Kultladen für Black Music war“, sagt Poss.

Selbstredend lässt er auch „seine“ Musik in seinen Ferienhäusern in Daun und Schalkenmehren laufen. Die Vermietung derartiger Anlagen ist heute seine Hauptbeschäftigung, den Polizeidienst hat er schon 1987 aufgegeben. Da aber plötzlich seit dem Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr nichts mehr läuft mit Vermietungen, hat er eine lang gereifte Idee umgesetzt. Den inzwischen bundesweit, wenn nicht sogar weltweit bekannten Musiksender Radio Disco Times.

„Bei vielen USA-Aufenthalten verliebte ich mich in die dort über UKW und Mittelwelle sendenden regionalen Oldschool-Radiostationen. Hier in Deutschland hörte ich fast nur AFN. Der Sender für die US-Soldaten sendete im Gegensatz zu den bekannten regionalen Radiosendern einen großen Anteil an Black Music“.  Gerade in der heutigen Zeit mit vielen Einschränkungen wolle er dazu beitragen, „die Generation jenseits der 35 mit dieser Musik in Erinnerungen schwelgen zu lassen. Aber auch, die jüngere Generation mit den Soul- und R&B Klassikern zu begeistern“, sagt Poss. Vor allem aber auch die tolle Zeit der Disco-Ära in den 70er-, 80er- und 90er Jahren in der Region wolle er aufleben lassen.

Die Vorarbeit, einen Sender zu gründen, bestand zunächst in einer Bewerbung bei laut.fm, um einen Sendeplatz zu erhalten. Dazu musste ein Konzept erstellt werden. Dann begann die Arbeit mit der Auswahl der Musik. Für Wolfgang Poss stand nach mühevoller Auslese fest, dass es Soul, Funk, R&B und Oldschool sein sollte.

„Gerne spielen wir auch interessante Mix- und Clubversionen sowie Live-Mitschnitte ein, um es abwechslungsreich zu gestalten.“  Alle drei bis vier Stunden werden Nachrichten eingeblendet, und in seiner englischen und deutschen Moderation macht er auch noch Werbung für die Vulkaneifel.

Als Frühaufsteher bereitet er die Sendungen schon um fünf Uhr morgens vor, gesendet wird aus der Rezeption seiner Ferienanlage Maarberg Resort in Schalkenmehren oder aus dem ehemaligen Café am Park in Daun. Nachwuchs für die zukünftigen Ausstrahlungen gibt es auch schon. „Mein siebenjähriger Sohn Fabian mixt bereits kräftig mit und singt die verschiedenen Titel nach, die englische Sprache lernt er gerade online“, freut sich Poss.