Eifelholz auf hoher See

Eifelholz auf hoher See

Es ist 16 Quadratmeter groß und passt trotzdem auf einen Autoanhänger: Studenten der Fachhochschule (FH) Köln haben ein Schiff gebaut, das sich zerlegen lässt. Das Baumaterial bekamen sie von einem Unternehmer aus der Eifel.

Walsdorf/Köln. Die Eifel ist für viele schöne Dinge bekannt: Vulkane, Bier, Krimis und viel mehr. Im Bootsbau hat sich die gebirgige Landschaft bisher aber noch nicht hervorgetan. Doch das könnte sich bald ändern. Denn Studenten der International School of Design, einer Fakultät der Fachhochschule (FH) Köln, haben ein Schiff aus Eifelholz gebaut. Der Katamaran - ein Boot mit zwei Rümpfen, die miteinander verbunden sind - besteht aus Eschen, Douglasien und Eichen, die in der Eifel geschlagen wurden.
Zur Verfügung gestellt hat das Holz der Walsdorfer Horst Kolitsch, der in seinem Sägewerk normalerweise Euro-Paletten zerlegt oder auf Vordermann bringt. Der 73-Jährige erinnert sich noch gut, als auf einmal der Dozent der Design-Studenten, Michael Eichhorn, auf dem Hof des Sägewerks stand: "Er tauchte hier eines Tages auf und sagte, er brauche Holz für ein Studentenprojekt", erinnert sich Kolitsch. "Ich sagte ihm, dass er mit seinen Jungs kommen soll und sich holen kann, was er braucht".
Warum der Design-Dozent Michael Eichhorn ausgerechnet in Walsdorf auf Holzsuche war? Ganz einfach: Der Kölner hat ein Ferienhaus in Berndorf - und kennt sich in der Eifel gut aus.
Eichhorn ist Eifel-Unternehmer Kolitsch dankbar: "Aus dem Douglasienholz haben wir die Rümpfe gebaut, aus Eiche den Kiel", erklärt er. Aus der Esche wurden Verstärkungselemente gefertigt.
Herausgekommen ist ein Boot, das sich theoretisch mit allen möglichen Antriebsarten fortbewegen lässt: mit einem normalen Außenborder, mit Segeln und auch mit einem mit Sonnenkraft gespeisten Solarmotor. Die Einsatzbereiche sind ebenso variabel: Als Freizeitboot, Taucherboot oder sogar Hausboot kann man die stromlinienförmige Konstruktion theoretisch ausbauen.
"Das Besondere an dem Eifelkatamaran ist aber der modulare Aufbau", erklärt Dozent Eichhorn. Dadurch kann das Boot in kurzer Zeit auseinander- oder zusammengebaut werden - und passt trotz einer Größe von 16 Quadratmetern bequem auf einen Autoanhänger.
Auf der Wassersportmesse "Boot" in Düsseldorf, die jedes Jahr von 300 000 Menschen besucht wird, haben die Kölner Studenten im Januar den Katamaran bereits präsentiert und sind auf großes Interesse gestossen.
Wasser hat das Eifelschiff allerdings noch nicht gesehen: Die Jungfernfahrt steht noch aus. Die wird aber leider nicht auf einem stillen Maar in der Vulkaneifel stattfinden - denn für ihre erste Ausfahrt haben sich die Studenten die rauen Fluten des Rheins bei Köln ausgesucht. sen

Mehr von Volksfreund