Eifelquerbahn: Kommunen beraten im Herbst, wenn Gutachten vorliegt

Eifelquerbahn: Kommunen beraten im Herbst, wenn Gutachten vorliegt

Richtiger Nahverkehr oder doch Freizeitfahrten: Einige Varianten, wie es mit der Eifelquerbahn weitergehen könnte, sind geprüft worden. Ob und wann aber jemals wieder ein Zug fährt, ist nach wie vor offen.

So langsam verblasst sie dann doch, die Erinnerung an die historischen Schienenbusse und Dampfloks. Denn es ist bald vier Jahre her, dass sie Gäste auf dem Eifelquerbahn-Teilstück zwischen Gerolstein und Kaisersesch (Kreis Cochem-Zell) beförderten. Zehn Jahre lang - bis Ende 2012 - waren Freizeitfahrten von Frühjahr bis Herbst an Wochenenden, Feiertagen und in den Schulferien angeboten worden.

Und auch die einst intensiv geführte Diskussion, ob auf der Eifelquerbahn noch einmal gefahren wird, findet - zumindest öffentlich - so gut wie nicht mehr statt.

Der Sachstand: Eine Reaktivierung der Strecke würde rund 24 Millionen Euro kosten, gut sechs Millionen davon allein für den Neubau der maroden Brücke bei Pelm. Auch wenn unklar ist, wie es weitergeht, besteht in der kommunalen Arbeitsgemeinschaft (AG) "Reaktivierung Eifelquerbahn", der die Kreise Cochem-Zell und Vulkaneifel sowie die Verbandsgemeinden Kaisersesch, Ulmen, Daun, Kelberg und Gerolstein angehören, Einigkeit, dass die Gleise auf jeden Fall erhalten werden sollen.

Sprecher der AG ist der Landrat des Vulkaneifelkreises, Heinz-Peter Thiel. Er sagt: "Wer weiß, was in zehn oder 20 Jahren ist. Vielleicht sind wir dann froh, wenn die Gleise noch vorhanden sind und wieder genutzt werden können." Thiel hatte im vergangenen Jahr die Option erläutert, die zunächst von der AG favorisiert wurde: eine Wiedereinführung eines Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) in Etappen. Der existiert seit vielen Jahren auf dem Teilstück der Eifelquerbahn von Andernach bis Kaisersesch. Eine Erweiterung bis Ulmen wurde erwogen, nächster Schritt hätte sein können, dass bis Daun gefahren wird.

Würde sich das bewähren, könnte überlegt werden, wie es mit dem Stück von Daun nach Gerolstein weitergehen könnte, wo der Modernisierungsbedarf (siehe Brücke Pelm) besonders groß und die Kosten entsprechend hoch sein würden. Hätte, könnte, würde - jede Menge Konjunktiv. Da ist es keine große Überraschung, dass diese Variante mittlerweile praktisch vom Tisch ist. "Sie ist nur schwer darstellbar mit Blick auf eine negative Nutzen-Kosten-Untersuchung, auch wenn eine Taktung bis an den Rhein die Region stärken würde", sagt Landrat Thiel.Freizeitverkehr ist teuer

Zur Erläuterung: Regulärer SPNV ist Sache des Landes, die finanzielle Beteiligung der Kommunen würde deutlich geringer ausfallen, als wenn sie Freizeitverkehre in eigener Regie anbieten würden. Deshalb wurde diese Option zunächst verworfen, nun aber wird sie zumindest wieder geprüft. Gutachter sollen unter anderem eine Nachfrage- und eine Wirtschaftlichkeitsprognose für die touristische Verbindung ermitteln. Zudem sollen sie ein "Erfolg versprechendes Angebots- und Attraktivitätskonzept für die Wiederaufnahme als touristische Verbindung" erarbeiten. "Wir erwarten die Ergebnisse für September. Dann werden wir uns damit befassen und unsere Entscheidung dem Land und den kommunalen Gremien mitteilen", kündigt Thiel an.

Mit der Reaktivierung der Freizeitverkehre käme auf die Kreise und Verbandsgemeinden einiges zu. Sie müssten die Strecke von der Bahn kaufen oder langfristig pachten und die Sanierung verantworten. Zudem wäre die Gründung einer Eigentümergemeinschaft notwendig. Die laufenden Kosten der Unterhaltung sollten durch den späteren Betrieb der Strecke eingefahren werden. Thiel will keine Prognose abgeben, wie sich die Kommunen entscheiden werden: "Erst mal schauen, welche Ergebnisse uns das wohl letzte Gutachten bringt."Meinung

Finger wegKommunen als Bahnbetreiber - und dann noch einer Strecke, auf der mit reinen Freizeitverkehren sicher kein Gewinn zu machen ist? Das kann und darf es ja wohl nicht sein. Egal, was beim x-ten Gutachten rauskommt: Finger weg. Es ist nicht Aufgabe von Kreisen und Verbandsgemeinden, von denen einige finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, Bahnunternehmer zu spielen. Wenn sie es - was sehr wahrscheinlich ist - nicht machen, ist das Kapitel Freizeitverkehr beendet. Viele mögen das bedauern, aber ein Verzicht ist nur konsequent, ist doch Vernunft angesagt, nicht Eisenbahn-Romantik. s.sartoris@volksfreund.deEifelquerbahn

Die Geschichte der Eifelquerbahn beginnt am 1. April 1878 mit der Eröffnung des Teilstückes von Andernach nach Niedermendig, der Abschnitt nach Mayen folgte 1880. 15 Jahre dauerte der Ausbau der Strecke bis Gerolstein, der 1895 eröffnet wurde. Ende der 1960er Jahre tauchten erste Pläne zur Stilllegung der Strecke auf, die in Etappen vorgenommen wurde. Am 11. Januar 1991 fuhr der letzte Zug von Mayen nach Gerolstein. Von 2001 bis 2012 bot die Vulkan-Eifel-Bahn Betriebsgesellschaft auf dem Abschnitt Gerolstein-Kaisersesch von Mai bis Oktober Freizeitfahrten an. Aber auch Güter wurden transportiert.