Eifelquerbahn: Noch keine Entscheidung über Verkauf der Strecke Gerolstein-Kaisersesch

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Wie sieht die Zukunft für die seit sieben Jahren still liegende Bahnstrecke von Gerolstein bis Kaisersesch aus: Radweg oder doch wieder Zugverkehr? Eine Antwort darauf wird es wohl erst geben, wenn entschieden ist, wer die Verbindung von der Eigentümerin Bahn AG kauft. Es gibt zwei Unternehmen, die Interesse bekundet haben.

Lang ist’s her, dass historische Schienenbusse und Dampfloks zwischen Gerolstein und Kaisersesch gefahren sind, genauer gesagt: Seit sieben Jahren herrscht Stille auf der rund 50 Kilometer langen Bahnstrecke. Sie führt durch fünf Verbandsgemeinden (Gerolstein, Daun, Kelberg, Ulmen, Kaisersesch) in zwei Kreisen (Vulkaneifel und Cochem-Zell).

Nach vielen Diskussionen über die Zukunft der Eifelquerbahn haben die Anrainerkommunen im Frühjahr erklärt, erste Priorität habe für sie der Kauf der Trasse, um die Strecke zu sichern. Eine künftige Nutzung könne ein Radweg sein.

Aber das wollen Eisenbahnfreunde und Klimaschützer verhindern. Unterstützung bekommen sie dabei vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der Allianz pro Schiene. Sie plädieren dafür, bundesweit viele stillgelegte Nahverkehrs- und Güterstrecken wieder in Betrieb zu nehmen. Sie haben eine Liste von 186 Projekten mit etwa 3000 Kilometern Schienen vorgestellt und verweisen darauf, dass sich die schwarz-rote Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen hat, bis 2030 doppelt so viele Bahnkunden zu gewinnen wie bisher und gleichzeitig mehr Güterverkehr auf die umweltfreundliche Schiene zu verlagern. Mit auf der Liste der Verbände: die Eifelquerbahn. Deren Abschnitt von Kaisers­esch bis Ulmen wird mit der Priorität „dringlich“, der Abschnitt von Ulmen über Daun bis Gerolstein mit der Priorität „hoch“ eingestuft.

Aber wer könnte die Strecke betreiben? Zwei Unternehmen haben Interesse an einem Kauf bekundet: die Eifelbahn Verkehrs GmbH aus Linz (Kreis Neuwied) und die Brohltal-Schmalspureisenbahn-Betriebs-GmbH aus Brohl-Lützing (Kreis Ahrweiler). Sie können sich vorstellen, die Verbindung zunächst touristisch zu betreiben und später vielleicht in einen regulären Personennahverkehr zu integrieren.

Wie ist der Stand der Verhandlungen mit der Deutschen Bahn, der die Strecke gehört? „Es ist noch keine Entscheidung gefallen“, berichtet Stefan Raab, Geschäftsführer der Brohltalbahn. „Wir haben die Bahn um detallierte Informationen gebeten, sie wiederum hat um etwas Zeit gebeten, das entsprechende Material zusammenzustellen.“ Da dürfte einiges zusammen kommen, denn die Eifelquerbahn im Abschnitt Kaisersesch bis Gerolstein knapp 52 Kilometer Strecke, 62 Bahnübergänge, 15 Weichen, 44 Gewölbedurchlässe, 35 Rohrdurchlässe, 28 Stützmauern, 37 Eisenbahn- und sechs Straßenbrücken. Für Raab wäre es eine „Katastrophe, wenn dieses Streckenband zerschnitten würde. Die Strecke wäre aus unserer Sicht mittelfristig hervorragend geeignet, attraktiven Nahverkehr anzubieten.“

Thorsten Müller, Direktor des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehr Nord (SPNV Nord), will für eine Zukunft der Teilstücks von Kaisersesch über Laubach und Ulmen nach Daun keine Prognose abgeben. Das sei ein spannendes Thema, erklärte er im Gespräch mit der Rheinzeitung, zumal einige Kommunen die Umwandlung in einen Radweg verlangt haben. Aber zurzeit sei die Strecke nicht mehr verkehrstüchtig. Wer sie überhaupt noch nutzen wolle, der müsse mit „mindestens 80 Kilometer darauf verkehren können“.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung verweist auf eine Kosten-Nutzen-Rechnung, wonach sich eine Reaktivierung der kompletten Eifelquerbahn nicht rentieren würde. Für sie würden etwa 41 Millionen Euro benötigt.

Einen Termin, an dem eine Entscheidung über den möglichen Verkauf an eins der beiden Untermnehmen fest steht, gibt es nicht. „Einen Zeitplan verfolgen wir nicht, denn es sind für alle Beteiligten noch jede Menge Hausaufgaben zu erledigen“, erklärt Brohltal-Geschäftsführer Raab.

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