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Eifelquerbahn: Nutzung nach Hochwasser weckt Hoffnungen auf Reaktivierung

Bahn nutzt Strecke für Bergungsarbeiten : Landrätin Gieseking zur Eifelquerbahn: „Hier müssen wieder Züge fahren“

Die noch 2014 in einem Gutachten der Deutschen Bahn als unbefahrbar bewertete Strecke dient nun zur Bergung der im Kylltal wegen der Flut gestrandeten Züge. Die Hoffnung auf die Reaktivierung wächst.

Am Bahnhof Daun ist die Zeit stehengeblieben: Eine Uhr ohne Stundenzeiger ragt wie ein Mahnmal in die Höhe, alle Hinweisschilder auf dem Bahnsteig sind verwittert und schwarz angelaufen. Und doch drängen sich am Samstagmorgen rund 200 Menschen, die meisten mit Fotoapparaten bewaffnet, um die vor einigen Minuten eingetroffenen historischen Rheingold-Wagen des Unternehmens AKE-Eisenbahntouristik. Denn die Anwesenheit des Zuges, der in eine Fachwerkstatt in Baden-Württemberg geschleppt wird, beweist, dass die seitens der DB mehrmals für tot erklärte Eifelquerbahn mitnichten unbefahrbar ist. Hauptargument für negative Gutachten war stets die angeblich unrentable Sanierung der Kyllbrücke bei Pelm – die Strecke ist seit knapp zehn Jahren stillgelegt. Doch nun stellt die rund 50 Kilometer lange Schienentrasse nach Kaisersesch die einzige Möglichkeit dar, nicht nur die Rheingold-Waggons, sondern zudem vier DB-Triebwagen aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Die Züge stecken nach der verheerenden Flut im vergangenen Juli in Gerolstein fest, die Strecke Köln-Trier bleibt bis voraussichtlich 2023 nicht durchgängig befahrbar.

„Der heutige Tag stellt einen Hoffnungsschimmer für die Bevölkerung der Vulkaneifel dar“, sagt Landrätin Julia Gieseking. Seit sechs Monaten sei die Region einer Lebensader beraubt, es werde noch Jahre dauern, bis die Strecke Köln-Trier wieder nutzbar sei. „Der Kreistag steht geschlossen dahinter, die Eifelquerbahn zu reaktivieren. Hier müssen wieder Züge fahren“, sagt Gieseking.

Auch Astrid Schmitt (SPD), der Vizepräsidentin des Landtags Rheinland-Pfalz, sieht die Notwendigkeit den Schienenverkehr wieder regulär einzuführen. „Das ist, was Gleiswege angeht, zurzeit unsere einzige Verbindung zur Außenwelt. Und die darf nicht an einem Prellbock in Pelm enden“, sagt Schmitt. Selbstverständlich spielten ebenso die Themen Verkehrswende und Klimaschutz in die Forderung nach der Wiederaufnahme auch des Personenverkehrs auf der Eifelquerbahn hinein, betonen Gieseking und Schmitt: „Es ist doch klar, was hier passieren muss. Die gesamte Region stimmt dieser Forderung zu.“

Lea Heidbreder, unter anderem Expertin in Mobilitätsfragen der Grünen Fraktion des Landtags, sieht die Chance, nachhaltig die Infrastruktur in der Vulkaneifel zu stärken. „Wir müssen heute Entscheidungen für die Mobilität von morgen treffen. Der heutige Tag bietet eine gute Ausgangslage dafür.“

Die Deutsche Bahn ziere sich noch, die Strecke wieder vollständig freizugeben, sagt Jens Wießner vom Verein Eifelquerbahn e.V., der sich seit Jahren für eine Reaktivierung einsetzt. „Nun hat die DB Netz AG aber bereits rund 400 000 Euro für den Freischnitt der Strecke ausgegeben und ein aktuelles Gutachten zeigt, dass die weitere Instandsetzung der Pfeiler an der Kyllbrücke lediglich rund 100 000 Euro kosten würden“, berichtet Wießner. Es werde sicherlich nicht das letzte Mal sein, dass Züge die Eifelquerbahn befahren würden, hofft er und sagt: „Und dann auch mit Fahrgästen.“

Eine erneute Stilllegung passe nicht zur heutigen politischen Realität, befindet Stephan Pauly, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Rhein-Mosel. „Es wird ein Gutachten nach dem anderen erstellt. Aber wie man sieht, ist die Strecke befahrbar.“ Das Geld hätte die DB besser in die Infrastruktur gesteckt, sagt Pauly.

Neben der Chance, den regionalen Nahverkehr wieder aufzunehmen, sei die Reaktivierung der Eifelquerbahn enorm wichtig, um die Strecke Köln-Trier schnell zu sanieren. „Die DB Netz AG will doch nicht ernsthaft abertausende Tonnen Schotter, Schienen und weiteres Material mit Lastwagen über die Straßen transportieren“, fragt Pauly. „Die Frage kann nicht sein, ob auf der Eifelquerbahn wieder Züge rollen, sondern wann“, sagt Jörg Petry, Inhaber von AKE-Eisenbahntouristik. Bis zur völligen  Inbetriebnahme der Köln-Trierer Strecke könnten noch einige Jahre ins Land gehen. „Und vielleicht lohnt es sich auch ein wenig länger zu warten, damit die Verbindung elektrifiziert werden kann“, schließt Petry.