Ein besonderer Berg mit langer Geschichte

Ein besonderer Berg mit langer Geschichte

Schon von weitem ist der Neuerburger Kopf gut zu sehen. Der auffällige Berg ragt mit 286 Metern über die Wittlicher Senke. Experten schätzen, dass er 108 Millionen Jahre alt ist - viel älter als die Maare der Vulkaneifel. Eine Raubritterburg stand schon auf ihm, und Weinberge waren hier auch schon einmal angelegt.

Bernkastel-Wittlich. Wer von der Mosel oder der Eifel in das Wittlicher Tal fährt, dem fällt er gleich ins Auge: der Neuerburger Kopf. Der fast 300 Meter hohe Berg hebt sich, umgeben von Wiesen, sanft aus der Landschaft.
Entstanden ist er in der Unterkreidezeit, wie Martin Koziol, Leiter des Maarmuseums Manderscheid, erläutert: "Der Neuerburger Kopf besteht hauptsächlich aus Sandstein und Basalt. Das Alter ist wahrscheinlich 108 Millionen Jahre. Die Vulkane in der Eifel sind deutlich jünger, etwa 45 Millionen Jahre."
Der mit Laubbäumen bewachsene Kopf hat eine bewegte Geschichte hinter sich. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, so schreibt Lehrer Kaspar Hebler schon 1934 in seinen Erinnerungen, "war die Gegend bei Bombogen Schauplatz blutiger Kämpfe".
Bergmessen und Raubritter


Dr. Klaus Petry, Heimatforscher aus Wittlich weiß es genauer: "Die Luxemburger bauten auf dem Neuerburger Kopf eine Raubritterburg, und wollten damit den Kurstaat Trier, der große Gebiete in der Eifel hatte, schwächen und den Zugang zur Mosel erschweren. Die Trierer ließen sich das aber nicht gefallen, zerstörten die Burg und bauten im 13. Jahrhundert selbst eine Burg auf dem Neuerburger Kopf."
1689 wurde sie vom französischen General Bouffleurs fast ganz zerstört. Beim Bau vieler Häuser Neuerburgs sind Steine aus dieser Ruine verwendet worden. Mauerreste der Burg sind heute noch zu sehen.
Dass die Neuerburger eine intensive Beziehung zu ihrem Naturdenkmal haben, bestätigt Udo Reihsner, der in dem Ort lebt: "Die Neuerburger sind stolz auf ihren Berg. Er ist ein Wahrzeichen für den Ortsteil und das ganze Wittlicher Tal."
Eine Zeichnung des Bergs war auch auf den Etiketten des Weins "Neuerburger Kupp" zu sehen. Von 1966 bis Ende der 80er Jahre hatte das Weingut Walter Schaaf dort einen Weinberg. Schlecht kann die Lage nicht gewesen sein, denn beispielsweise 1983 wurde eine Riesling Spätlese daraus geerntet.
Die Formation hatte auch für viele Jahre eine religiöse Bedeutung. Udo Reihsner erzählt: "Auf dem Neuerburger Kopf fanden über 20 Jahre hinweg im Juni Bergmessen statt, die der Wanderverein organisiert hat."
Vom Neuerburger Kopf aus hat man unter anderem einen guten Blick auf Bombogen, Belingen, Bergweiler, Altrich, Kinderbeu ren und bei klarer Sicht bis über die Mosel und in die Veldenzer Gegend.

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