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Tourismus: Ein Dauner an der Wiege der Menschheit

Tourismus : Ein Dauner an der Wiege der Menschheit

Seit der Unesco-Anerkennung des Natur- und Geoparks Vulkaneifel hat dessen Wissenschaftlicher Leiter Andreas Schüller noch mehr zu tun – nicht nur in heimischen Gefilden, sondern auch in Afrika.

„Es ist schon beeindruckend zu sehen, wie ein Kontinent auseinanderdriftet“, schildert Andreas Schüller sein Erlebnis beim Anblick des Großen Afrikanischen Grabenbruchs, der im Westen Kenias dramatische Felsformationen mit senkrechten Höhenunterschieden von 1000 Metern hervorgebracht hat. In ferner Zukunft wird sich hier, in einem der größten geomorphologischen Systeme der Erde, der Indische Ozean breitmachen, denn: Vom Nahen Osten bis weit hinein in die südliche Hemisphäre erstreckt sich ein gigantischer Riss in der Erdkruste, der beständig wächst. Da ist die Vulkaneifelheimat – gelinde gesagt – deutlich unspektakulärer.

Der Geologe aus Daun war im November und Dezember 2018 bereits zum zweiten Mal in Afrika – jedoch nicht als faszinierter Tourist, sondern, um seine Erfahrungen weiterzugeben. Seit zwei Jahren arbeitet die kenianische Unesco-Nationalkommission an den Vorbereitungen zum Projekt, Reisende und Wissenschaftler aus aller Welt mit einem Geopark in die „Wiege der Menschheit“ zu locken. Landes- und Kommunalpolitiker wollen ihn im Baringo County aufbauen, unweit der Grenze zu Tansania und in der Region der ältesten Funde menschlichen Lebens. „Kenia ist bislang ein Reiseziel für Safaris und für Badeurlaub, doch das Inland ist touristisch jenseits solcher Themen nicht erschlossen“, erläutert Schüller den Ist-Zustand, der ein wenig  an die Vulkaneifel vor dreißig, vierzig Jahren erinnern könnte, als sogar die Existenz der Maare kaum durch ein Verkehrsschild verraten wurde.

„Unsere Landschaft ist in den Augen der Afrikaner genauso exotisch wie umgekehrt deren Heimat für uns“, freut sich der Eifeler über das Interesse der Kenianer. „Aber natürlich ist das Great Rift Valley – der Grabenbruch – schon auf den ersten Blick einzigartig hier. Meine Ratgeberfunktion umfasst daher vielmehr, wie man Strukturen und Organisationsformen eines Unesco-Geoparks aufbaut, wie man die vorhandenen geologischen und kulturellen Schätze auswählt und in Wert setzt.“

So bekam Schüller bei seiner Bereisung mit der nationalen kenianischen Unesco-Kommission uralte Steinkreise zu sehen, die bislang nur die in der Nachbarschaft wohnenden Menschen kennen. Hinzu kommen Vulkane und Salzseen, zahlreiche Steinbrüche, Wasserfälle oder Fossilienfundstätten – ein Paradies für erdgeschichtlich Interessierte.

Auch gehe es darum, die Bevölkerung vor Ort im Baringo County und die Gastronomie für die Chancen des Geotourismus zu sensibilisieren. „Der Park soll Touristen mit Hilfe ausgebildeter Guides eine Sicherheit geben, die sie auf eigene Faust nicht hätten. Aber er soll vor allem Arbeitsplätze schaffen und Wertschöpfung in den Westen Kenias bringen.“ Die Menschen im Gebiet des künftigen Parks leben überwiegend von Weideland und Milchvieh. Es gehe um nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Und zu der gehört zum Beispiel auch die Bio-Imkerei.

So gibt es durchaus Parallelen zwischen den afrikanischen Zielen und denen, die zwischen Kelberg und Manderscheid, Gerolstein und Bad Bertrich bereits erfolgreich umgesetzt wurden. Die Unesco-Anerkennung im Jahr 2015 war ein weiterer geotouristischer Anschub für die Vulkaneifel. Der Eifeler Vulkanismus habe seitdem noch mehr Aufmerksamkeit erfahren, auch die Kenianer wissen um die hiesige Geologie und werden – wie auch ihre Kollegen aus Tansania – die Vulkaneifel bereisen, um sich inspirieren zu lassen.

„Wir sind hier ein Vorbild, aber nichts lässt sich von der Eifel nach Afrika eins zu eins übertragen“, meint Schüller. Zum Beispiel arbeiten die Ranger des Natur- und Geoparks Vulkaneifel freiberuflich; derzeit werden auch Junior Ranger ausgebildet, um gleichaltrige Schüler über die spannenden Seiten der Erdgeschichte zu informieren. In Kenia werden die Guides mit ihren geführten Touren das Haupteinkommen bestreiten. Umso wichtiger, dass sie von den bereits bestehenden Erfahrungen der Eifel profitieren können.