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Ein Fackelzug für Kienen Mattes

Ein Fackelzug für Kienen Mattes

Matthias Meerfeld, genannt Kienen Mattes, aus Salm feiert morgen, Sonntag, mit rund 150 geladenen Gästen seinen 100. Geburtstag. Für 15 Uhr plant die Gemeinde einen Fackelzug zu Ehren des Jubilars. Außerdem will sie ein Foto mit möglichst vielen Gratulanten aus dem Dorf machen.

Salm. Matthias Meerfeld stützt sich auf seinen Gehstock und geht vorsichtig die Stufen zum Haus hoch. Auffällig ist, dass er sein linkes Bein hinter sich her-zieht. Aber sonst macht er einen rüstigen Eindruck.
menschen ganz nah


Eine amerikanische Panzergranate hat ihm wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs sein linkes Bein zertrümmert. "Ohne die amerikanischen Sanitäter, die mich medizinisch versorgt haben, könnte ich meinen 100. Geburtstag nicht feiern", erzählt der Jubilar.
Kurz überlegt er: "Im Lazarett hat mir dann eine Krankenschwester gesagt: ,Hitler kaputt\', nachdem der sich in Berlin erschossen hatte."
Durch die Kriegsgefangenschaft war Meerfeld siebeneinhalb Jahre aus Salm weg. Eingezogen wurde er an seinem 27. Geburtstag, am 26. August 1939. "Damals sind die Nazis mit Lastwagen durch die Dörfer gefahren und haben uns rekrutiert."
Sympathien hat er für die Nationalsozialisten nie gehabt. Sein Vater habe regelmäßig mit jüdischen Viehhändlern aus der Region Handel getrieben, er habe auch bei den fahrenden jüdischen Händlern eingekauft oder ihnen geholfen.
Aufgewachsen ist er auf dem Hof seiner Eltern als Zweitältester mit acht Geschwistern. Als er sechs Jahre alt war, ist seine Mutter am Nikolaustag 1918 gestorben. Wahrscheinlich an Diphtherie, einer sehr ansteckenden Infektionskrankheit der Atemwege.
Mit 30 Jahren war sein Vater mit dem Motorrad verunglückt: "Mit meinen Geschwistern bin ich fast ein Jahr lang jede Woche zu Fuß nach Gerolstein ins Krankenhaus gelaufen, um ihn zu besuchen."
Und zur Landwirtschaftsschule in Daun ist er in den 1920er Jahren gemeinsam mit Freunden geradelt.
Die Erinnerungen an den Krieg verfolgen ihn bis heute: "In Frankreich musste unsere Kompanie antreten, als das Kommando kam: ,30 für das Erschießungskommando raustreten\'. Zum Glück gehörte ich nicht zu den 30 Unglücklichen."
Beiwohnen musste er der Erschießung von zehn Widerständlern trotzdem. Während Meerfeld dies erzählt, kommen ihm mit der Erinnerung die Tränen.
Geheiratet hat der Jubilar 1952. Schelmisch sagt er: "Früher wollte ich nicht heiraten. Habe ja oft genug gesehen, wie die Männer unter den Frauen litten."
Zwölf Jahre nach der Hochzeit ist er mit seinem Hof aus dem Ort ausgesiedelt.
An seinen inzwischen 59-jährigen Sohn Hans Rainer hat der Landwirt seinen Hof 1977 übergeben. "Bis voriges Jahr hat er noch bei der Heuernte geholfen und ist mit dem Traktor gefahren", erzählt seine 55-jährige Tochter Maria, die mit ihrem Vater und ihrem Bruder zusammen im Aussiedlerhof lebt.
Ausruhen darf sich Meerfeld trotzdem noch nicht: "Er hat seine häuslichen Pflichten, so muss er etwa das Essen mittags warmmachen oder die Spülmaschine einräumen", sagt Maria.Extra

Der älteste Bürger von Salm, Matthias Meerfeld, feiert am Sonntag, 26. August, 100. Geburtstag. Die örtlichen Vereine und die Ortsgemeinde möchten, dass dieser Tag für den Jubilar etwas Besonderes wird. Gegen 15 Uhr treffen sich alle Bürger beim Gemeindehaus zum Fackelzug mit der Freiwilligen Feuerwehr Salm. Im Anschluss findet eine Dorffoto-Aktion statt, zu der alle Bürger, vom Jüngsten bis zum Ältesten, eingeladen sind. Danach treffen sich die Teilnehmer am Pavillon zum Umtrunk. red