Geschichte Der Sedantag – ein Feiertag, der nicht lange überdauert hat

Region · Genau vor 150 Jahren wurde in Deutschland am 2. September an die siegreiche Schlacht bei der französischen Stadt Sedan gedacht. Allerdings hatte dieser Gedenktag nur wenige Jahrzehnte Bestand.

 Kriegerverein und Feuerwehr Daun auf dem Wehrbüsch Daun.

Kriegerverein und Feuerwehr Daun auf dem Wehrbüsch Daun.

Foto: TV/Alois Mayer

Am 2. September 1870 kapitulierte die französische Armee, als die vereinigten deutschen Truppen nahe der französischen Stadt Sedan den entscheidenden Sieg im Deutsch-Französischen Krieg errungen hatten. Der französische Kaiser Napoleon III. wurde gefangen genommen. Frankreich bekam eine parlamentarische Demokratie als Regierungsform. 1871 endete der Krieg. Das erste vereinigte Deutschland entstand, und der preußische König wurde Kaiser.

Deutschland jubelte. Vielerorts wurden Siegesdenkmäler errichtet und sogenannte Friedenslinden oder Kaisereichen gepflanzt.

Dieser Sieg und die damit verbundene Reichsgründung mussten gefeiert werden. Es bedurfte eines neuen nationalen Feiertages. Angedacht war der 18. Januar, der Tag der Krönung des preußischen Königs Wilhelm I. zum deutschen Kaiser in Versailles.

Das missfiel jedoch dem Monarchen, der nicht Kaiser der Deutschen sein wollte. Ihm lag das Preußentum näher als die deutsche Einheit. Das Endergebnis: Es wurde sich auf den 2. September geeinigt, der fortan als „Sedantag“ im gesamten Reich gefeiert wurde.

Die Organisation und der Ablauf dieses patriotischen Tages waren nahezu überall gleich: Umzüge der Vereine und der Öffentlichkeit unter Absingen patriotischer Lieder, Festgottesdienste mit Dankesgebeten und Predigten, Konzerte, Flaggenschmuck, vaterlandsliebende Reden, Spiele und Belustigungen und zum Abschluss des Feiertages ein Festmahl für die Honoratioren und für die Schulkinder einen sogenannten „Kaiserwecken“.

In der Eifel schlossen sich Schulen zusammen, bildeten ein „Komitee für den Sedantag“ und besprachen organisatorische Belange. Als stellvertretendes Beispiel für viele hier das Programm der Volksschule Daun vom 2. September 1876:

„Es wurde folgendes beschlossen: 1. Die Feier findet zu Daun in der Anlage „Schleif“ statt. 2. Die einzelnen Schulen treten beim Schulhaus zu Daun gegen 8 ¼ Uhr in geordneter Reihenfolge zusammen, und zwar die Knaben der einzelnen Schulen an der Spitze des Zuges in der Reihenfolge: Daun, Rengen, Neunkirchen, Pützborn. Dann kommen die Mädchen unter Führung der Fräulein Lehrerin und eines Lehrers. Die Schulen treten jetzt in marschmäßiger Bewegung nach der „Schleif“ unter Absingen des Liedes „Ich hatt‘ einen Kameraden“. 4. Auf dem Festplatz auf dem Wehrbüsch angekommen, werden von allen Schulen zusammen drei Strophen des Liedes „Die Wacht am Rhein“ abgesungen. 5. Es folgt die Festrede und anschließend die Nationalhymne. 6. Danach Gedichtdeklamationen und Turnübungen. 7. Vortrag einiger Lieder, danach Austeilung der Wecken. 8. Die Kinder erheitern sich an einzelnen Spielen. 9. Patriotisches Lied, ein Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und dann Schlussworte. 10. Heimgang in der Reihenfolge wie unter 2 aufgezählt und unter Absingen des Liedes „Rührt die Trommeln!“  Beim Schulhaus Daun trennen sich die einzelnen Schulen. Anschließend treffen sich die Lehrer im Saale des Hotels Schramm zum gemeinschaftlichen Mittagessen.“

Und die Zeitung schrieb: „Der gestrige Tag wurde durch die herzergreifende Feier der Schuljugend und die erhebende von echtem deutschen Sinne zeugende Kundgebung der Lehrerwelt zu einem patriotischen Feste von seltener Schönheit und Einmütigkeit… Der Kriegerverein Daun zog unter den Klängen der Musik zum Festgottesdienst in die Pfarrkirche. Am Nachmittag rückte der Kriegerverein mit dem Gesangverein in geschlossenem Zug zum Kreisdenkmal auf dem Wehrbüsch.

Hauptmann Hölzer gedachte in kurzer Rede der Verdienste derjenigen, denen das Denkmal geweiht ist. Mit einem lebhaft aufgenommenen Kaiserhoch schloss die kernige Ansprache. Den Schluss des Festes bildete ein großes Bankett im Hotel Schramm, zu welchem die Veteranen in feierlichster Weise mit Musik und Fackelbegleitung geleitet wurden… Bei solchen Festen tut man einen tiefen Blick in das Herz des Volkes und jeder, der diese Feier mit angesehen, hat das Bewusstsein mit nach Hause genommen, dass auch heute die Worte noch Geltung haben: „Fest steht und treu die Wacht am Rhein!“

Abgeschafft wurde der Sedantag nach dem Ersten Weltkrieg. Der Innenminister der Weimarer Republik erklärte am 27. August 1919, dass dieser nicht mehr zeitgemäß sei.