Ein großer Glücksfall für die Künstler: Junge und beeinträchtigte Eifeler malen für Kalender
Gerolstein · Sie sind heiß begehrt, bringen Farbe und gute Laune in die Wohnung, die inzwischen 250 000 Kalender von Westeifel Werke Volks- und Raiffeisenbanken. Gemalt haben die Bilder, die das Werk zieren, Kinder und beeinträchtigte Menschen, die von Kunsttherapeut Walter Wilde betreut werden. Der Herr des Kalenders verabschiedet sich nun in den Ruhestand.
Kräftiges Blau beherrscht das Bild. Zwei rosafarbene Häuser stehen im Vordergrund. Die gelben Türen und Fenster bringen Licht und Leben hinein. Mit den ersten Entwürfen sei er unzufrieden gewesen, sagt Walter Wilde. Deshalb habe er dem Künstler gesagt: "Leg mal den Pinsel weg, nimm den Spachtel, suche dir eine Farbe aus und spachtel den Hintergrund damit zu." Alles?, sei er gefragt worden, auch die Bäume? "Ja", habe er gesagt. "Und jetzt nimm den Pinsel und male weiße Punkte auf das Blau." So sei das Titelbild, das den Jahreskalender von Westeifel Werke und den Volks- (Voba) und Raiffeisenbanken in der Eifel ziert, entstanden, erzählt Wilde. Gemalt haben die 50 Bilder auf den Kalenderblättern Kinder und Jugendliche aus der Eifel sowie Mitarbeiter der Westeifel Werke, die Kunsttherapeut Wilde betreut. 5000 Künstler machen mit beim internationalen Wettbewerb "Jugend creativ" der Genossenschaftsbanken, aus deren Werken Wilde die Bilder für den Kalender auswählte. Sie sollen fröhlich sein und positive Energie ausstrahlen.
Gute Laune verbreiten auch die sieben Künstler der Westeifel Werke bei der Vorstellung des 15. Kalenders an ihrer Arbeitsstätte in Gerolstein. Gespannt lauschen sie den Vorträgen der Verantwortlichen. Hören, dass der Kalender für Rainer Berlingen, Vorstandsmitglied der Voba Eifel Mitte, eine "Herzenssache" ist. 250 000 Kalender seien in den 15 Jahren der Kooperation gedruckt worden. Bald würden 17 000 neue Exemplare in den Wohnungen in der Eifel hängen. "Ich habe gestern schon einen Anruf bekommen, wann es den neuen Kalender gebe", sagt Gerd Ditsch, Prokurist der Westeifel Werke. Das freut Wilde, auf dessen Idee die Kooperation beruht. "Das war ein Glücksfall, dass die Voba zugesagt hatte."
Wilde übernahm vor fast 22 Jahren die Kunsttherapie. In seinem Wohnort Daun-Waldkönigen leitet der 61-Jährige eine eigene Malschule. "Viele der Kinder arbeiten heute als Designer oder in der Werbung." Einige studierten sogar Kunst. "Das macht mich glücklich." Genauso wie seine Arbeit mit den Menschen in den Werkstätten in Gerolstein, Weinsheim und Hermesdorf. "Wir haben oft die Vorstellung, beeinträchtigte Menschen könnten nicht malen, hätten nur eingeschränkte Fähigkeiten", sagt Wilde. "Sie brauchen nur eine fachliche Begleitung und Förderung. Aber ihre Begabung ist unerschöpflich."
Nun wird es der letzte Kalender sein, den Wilde mit seinen Schützlingen vorbereitet hat. "Wenn ich ihn anschaue, habe ich riesige Freude", sagt der 61-Jährige, der nun in den Ruhestand geht. Ein Nachfolger sei noch nicht gefunden. "Ich hoffe, dass das Kunstprojekt erhalten bleibt." mehiExtra
Den internationalen Wettbewerb "Jugend creativ" der Genossenschaftsbanken gibt es seit 46 Jahren. Rund eine Million Schüler aus Europa und Kanada beteiligen sich daran, deutschlandweit sind es 600 000. Aktuelles Thema: "Fantastische Helden und echte Vorbilder: Wer inspiriert dich?" Start des laufenden Wettbewerbs war am 1. Oktober, Abgabeschluss ist am 19. Februar 2016. Im Frühjahr wählt eine Jury in Weißenseifen die Kreissieger. Diese nehmen an der Landesprämierung teil, zudem gibt es nationale und internationale Prämierungen. Info: www.jugendcreativ.de Der Jahreskalender ist kostenfrei erhältlich in den 57 Filialen der vier Volks- und Raiffeisenbanken in der Eifel. mehi