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Nürburgring: Ein Karton Plätzchen als Parkgebühr

Nürburgring : Ein Karton Plätzchen als Parkgebühr

Vor 90 Jahren wurde am Nürburgring die Rennstrecke eröffnet. Knapp 20 Jahre später kam in Welcherath, dem Dorf im Landkreis Vulkaneifel, das dem Ring am nächsten ist, Josef Krein auf die Welt. Seine Erinnerungen reichen bis in die Kindheit zurück.

In Josef Kreins Geburtsjahr 1946 fiel nur wenige Kilometer entfernt der Wiederaufbau des Nürburgrings. Mehr als 300 Arbeiter waren seinerzeit auf der Rennstrecke im Einsatz, und auch das Hotel, die Wirtschaftsräume, das Zielhaus und das Fahrerlager wurden instand gesetzt. Das weiß Josef Krein natürlich nur vom Hörensagen.

Und dass die „Gebirgsautorennbahn“  zwei Jahrzehnte zuvor „zur Förderung des Fremdenverkehrs auf dem kargen Eifelboden mit wenig besuchten Tälern und reizlosen Ödlandflächen“ gebaut wurde, ist in der Chronik des Nürburgrings nachzulesen.
„Meine Erinnerung beginnt in den 1950-er Jahren“, erzählt er. Damals parkte an den beiden großen Rennveranstaltungen (1000 Kilometer und Großer Preis) auf dem Hof vor Kreins Bauernhaus jeweils ein großer Bus mit Reifen und Zubehör. Und darauf freuten sich Josef Krein und seine vier Geschwister immer sehr. „Denn wir bekamen als ‚Parkgebühr‘ einen großen Karton mit Plätzchen geschenkt“, erinnert er sich lachend. Als Jugendlicher war Josef Krein mit seinen Altersgenossen bei jedem Rennen in der Nähe des Rings.

„Eine Eintrittskarte konnten wir uns ja nicht leisten, aber wir waren fasziniert von dem Betrieb und von den vielen Autos und Menschen“, erklärt er. Sein erstes Beschäftigungsverhältnis hatte er in einem sehr heißen Sommer Ende der 60er Jahre im Brandschutz. „Wir kamen tatsächlich zum Einsatz, wenn auch nicht auf dem Streckenabschnitt, für den wir eingeteilt waren, sondern auf dem angrenzenden Abschnitt“ , weiß er noch.
Seit 1973 war Josef Krein etliche Jahre als Kassierer am Streckenabschnitt Karussell tätig. Die Eintrittskarten wurden vom Straßenrand an die Fahrzeuginsassen verkauft. Die Abrechnung geschah nach Feierabend im freien Gelände — „heute unvorstellbar“, meint Krein mit Blick darauf, dass man als Kassierer dann mehrere tausend Mark in der Tasche hatte. Eine ziemlich unangenehme und stressige Aufgabe sei es allerdings gewesen, am frühen nächsten Morgen die Nachkontrolle auf den Park- und Campingplätzen durchzuführen.
Knapp drei Jahrzehnte (bis 2007) war der Nürburgring der Arbeitgeber des gelernten Bürokaufmanns Josef Krein. Er war in der Lohnbuchhaltung, der Liegenschaftsbetreuung, der Vor- und Nachbearbeitung von Rennveranstaltungen inklusive der Aufnahme von Holzdiebstählen und  Flurschäden tätig.

Als Josef Krein 1984 zum Ortsbürgermeister von Welcherath gewählt wurde (und 25 Jahre im Amt blieb), setzte er sich für die Schaffung von Parkflächen auf Gemeindebesitz ein. Dort haben seither oberhalb von Welcherath etwa 3500 Fahrzeuge Platz — „und das lohnt sich für Welcherath bis heute“, erklärt er. Zahle doch der Nürburgring als Veranstalter pro Fahrzeug, Zelt und Tag eine Abgabe an die Gemeinde.
Nicht nur wegen dieser Einnahmen für das Dorf mit 130 Einwohnern — „auch wegen der Bedeutung, Beliebtheit und Bekanntheit, die der Nürburgring weltweit hat, können wir froh sein, dass wir ihn haben“,meint Josef Krein. Und glaubt: „Ohne ihn wäre hier wahrscheinlich nicht viel los.“ Zudem hätte der Rentner ohne den Ring auch eine Freizeitbeschäftigung weniger. Denn bei Rennveranstaltungen ist er häufig als Kontrollfahrer gegen Falschparker rund um den Nürburgring im Einsatz.