Jubiläum: Ein Kirchenchor mit viel(en) Geschichte(n)

Jubiläum : Ein Kirchenchor mit viel(en) Geschichte(n)

Chorgesang in der Pfarrei Mürlenbach ist seit 267 Jahren nachgewiesen. Trotzdem wird beim Konzert am 7. Dezember „nur“ die Gründung im Jahr 1820 gefeiert. Eine Zeitreise mit dem Chronisten Ernst Becker und seiner Ehefrau Hildegard.

In den kleinen Dorfpfarreien gab es bis Ausgang des 17. Jahrhunderts weder instrumentale Begleitung noch Chorgesang, weiß Ernst Becker aus Mürlenbach. „Tragende Säulen des Gesangs waren der Pfarrer und der Lehrer“, so hat es der Hobbyhistoriker und Verfasser mehrerer heimatkundlicher Bücher zusammen mit seiner seit Jahrzehnten in dem Chor singenden Ehefrau recherchiert. Den ersten Nachweis über einen kirchlichen Chor - wie seinerzeit üblich, nur mit Männerstimmen besetzt – sehen die beiden in einem Beleg aus dem Jahr 1752 über eine Geldzahlung aus der Kirchenkasse an die Chormitglieder „für ein gemütliches Beisammensein am Dreikönigstag“. Das ist jetzt 267 Jahre her.

Da es sich beim heutigen Chor aber um eine gemischte Chorgemeinschaft handelt, gingen die Beckers der Frage nach, seit wann in Mürlenbach auch Frauenstimmen im Kirchenchor zum Einsatz kamen. „Und das ist mit Quittung vom 9. Januar 1820 nachgewiesen für das Jahr 1819“, erklärt Ernst Becker und betont: „Das bedeutet, dass unser Kirchenchor zu den ältesten weit und breit zählt.“

Als nächste Besonderheit wurde in einem Visitationsprotokoll von 1827 entdeckt, dass der Chor die Sonntagsmessen nicht mehr nur wie bis dato üblich in lateinischer Sprache gestaltete, sondern auch Lieder in deutscher Sprache sang. Chorleiter waren meistens die jeweiligen Lehrer; Wagner, Faber, Merges sind namentlich bekannt.

Unter der Nazi-Diktatur geriet das Kirchenmusikwesen unter Druck, und der Zweite Weltkrieg brachte das Chorleben in Mürlenbach wie vielfach auch andernorts zum Erliegen. Nach dem Krieg war es wieder ein Rechnungsbeleg, der den Chronisten „ein Lebenszeichen des Chores“ vermittelte: Am 30. April 1947 zahlte die Kirchenkasse 60 Mark an Saalmiete für Kirchenchorproben zwei Mal wöchentlich im Zeitraum von Anfang November 1946 bis Ende März 1947.

1948 übernahm Pfarrer Johannes Zick die Pfarrei. Er habe im Schulunterricht die Kinder mit den besten Stimmen angesprochen und mit Erfolg zur Verstärkung des Kirchenchores geworben, heißt es in den Annalen. Auch die Anschaffung und Weihe einer ersten Orgel (1958) hat Einfluss auf die Entwicklung des Kirchenchores. Und die Gründung der „Schola Mürlenbach“ im Februar 1973. Pastor Zick war ihr Leiter bis zu seinem Tod (1985). In die Dirigentenzeit seiner Nachfolgerin Marianne Hontheim fiel die Umgestaltung in einen Verein nach der Ordnung des Cäcilienverbandes (1987) mit Hildegard Becker als Vorsitzender. Zu diesem Zeitpunkt war der Chor ein reiner Frauenchor. Das änderte sich wieder, als auf Initiative von Pastor Gerhard Schwan im November 1998 der Zusammenschluss zur „Chorgemeinschaft St. Luzia Mürlenbach-Kopp“ zustande kam. Josef Berens und Christoph Hacken dirigierten diese Gemeinschaft nacheinander. Seit 2012 ist die Chorgemeinschaft ein Projektchor unter Vorsitz von Ingrid Becker (siehe Info), zunächst dirigiert von Heike Koch, neuerdings von Bastiaan Verhorst.

„Es bleibt zu hoffen, dass die Jahrhunderte alte Tradition des kirchlichen Chorgesangs trotz des Wandels in Kirche und Gesellschaft eine gute Zukunft hat“, sagen Hildegard und Ernst Becker. Das Jubiläum wird am Samstag, 7. Dezember, um 19 Uhr im Rahmen eines Festgottesdienstes in der Pfarrkirche Mürlenbach sowie anschließend bei geselligem Beisammensein im Bürgerhaus gefeiert.

Dem Vorstand der Chorgemeinschaft St. Luzia Mürlenbach/Kopp gehören an: Ingrid Becker als Vorsitzende, Heike Koch als stellvertretende Vorsitzende, Anita Brüggenwerth als Kassiererin sowie Christian Harborth und Sabine Hoffmann als Beisitzer. Kontakt: Ingrid Becker, Telefon 06594/1539.