Ein kölsches Orginal und viele Rufe

Ein kölsches Orginal und viele Rufe

Der selbst ernannte "schrägste Motivator Deutschlands" war zu Gast bei den "Eifeler Kulturtagen" im Dauner Kinopalast: Robert Griess belustigt mit einem kabarettistischen Rundumschlag durch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Daun. (klj) "Yeah" war am Samstagabend im Dauner Kinopalast das Wort des Abends, das Robert Griess nicht nur ständig wiederholte, weil es "die Psyche auflädt mit Powermove, mit Erfolgsstimmung", sondern weil es das Publikum bei Laune halten sollte. Wenn Griess "Yeah" schrie, machte es das Publikum ihm nach — mal mehr, mal weniger impulsiv — ein gutes Thermometer für die Stimmung im Saal.Von Merkel über Schwarzarbeit bis Zumwinkel

Anfangs präsentierte Griess ein solides Hin und Her zwischen seiner Rolle als publikumsnaher Motivator und polemischer Kabarettist. Der Motivator paukte mit seinen Zuhörern für mehr Erfolg in der Wirtschaft, deren Absurdität der Kabarettist mit Anekdoten entlarvte. Die misslichen Öffnungszeiten der Post nahm er als Beispiel für die "Servicewüste Deutschland" und riet kurz darauf, den Spieß doch einfach umzudrehen: "Ärgern Sie die Post und verschicken Sie Briefe ohne Porto an irgendeine Adresse im Ausland und geben Sie als Absender denjenigen an, der das in Wirklichkeit kriegen soll. So habe ich meine gesamte Weihnachtspost versendet — erfolgreich!"Angela Merkel, Schwarzarbeit, Zumwinkel — Robert Griess hatte viel vor an diesem Abend. Sein kabarettistischer Rundumschlag durch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft blieb jedoch notgedrungen an der Oberfläche und biss sich in kein Thema so wirklich fest. Nicht, dass dabei die Gags auf der Strecke geblieben wären: Viele Pointen würdigte das Publikum im fast vollen Kinosaal mit einem lauthalsigen "Yeah". Doch manchmal hatte man das Gefühl, alles vorher schon einmal an einer anderen Stelle gehört zu haben.Die lautesten "Yeahs" erntete Griess in seiner Rolle als "kölsche" Hartz-IV-Prolet — der lebende Beweis dafür, dass "immer die anderen Erfolg haben". In Klassenkampf-Rhetorik beschimpfte er fast alles im Namen des Volkes. Von Mittel- bis Oberschicht, Öko- bis Biobewegung: Der "Hass" des amüsant-überzogenen "kölsche Orijnal" kannte keine Grenzen. Trotz allem: Er lieh dem Gefühl sein Gesicht, das immer öfter die Runde macht: das Gefühl, dass es in Deutschland irgendwie ungerecht zugeht. Damit traf Griess auch den Nerv des Dauner Publikums.