Ein Krankenwagen für Ghana

Ein Krankenwagen für Ghana

Sonja Liggett-Igelmund sammelt seit 2012 Sachspenden für eine Krankenstation und eine Schule im ghanaischen Have. Vorläufiger Höhepunkt der Aktion: ein Rettungswagen für das Dorf in der Volta-Region.

Prüm/Steffeln. Er ist neun Jahre alt, hat rund 300 000 Kilometer auf dem Buckel und die Gebrauchsspuren auf den Sitzpolstern sind nicht zu übersehen. Doch der gebrauchte französische Krankenwagen ist von unschätzbarem Wert für die Bevölkerung des kleinen Ortes Have in Ghana. Spendengelder, Beharrlichkeit, Glück und hilfsbereite Menschen haben dazu beigetragen, dass er noch in diesem Herbst in die Volta-Region verschifft werden kann.
"Die Krankenstation und der Kreißsaal in Have sind mit einfachsten Mitteln ausgestattet", sagt Sonja Liggett-Igelmund. "In Notfällen müssen die Patienten an die nächstgelegene Klinik überwiesen werden", erzählt die Kölner Hebamme, die mit ihrem Mann Markus und den beiden Söhnen Nils und Jonas fast jedes Wochenende in ihrem Haus in Auel verbringt.
"Bislang bleibt es den Angehörigen überlassen, den Transport in das Krankenhaus zu organisieren." Das aber liege etwa eine Stunde Fahrtzeit von Have entfernt, und kaum jemand in der Region besitze ein Fahrzeug. "Notfallpatienten fahren per Anhalter" schildert Liggett-Igelmund die Realität vor Ort. Die Taxi-Busse, ein in ganz Afrika gängiges Fortbewegungsmittel, seien die einzige Möglichkeit, große Strecken zu überwinden. "Diese Kleintransporter sind zumeist übervoll", erzählt die Hebamme. "Die stundenlange Fahrt über die staubigen Schlaglochpisten Ghanas, zumeist in sitzender Position und drückender Enge, ist ein Alptraum für Hochschwangere, Kranke und Verletzte."
Ab voraussichtlich November haben die qualvollen Fahrten per Anhalter für Notfallpatienten ein Ende. Dann wird das Containerschiff mitsamt dem zum Rettungswagen ausgebauten Renault-Bus in Ghanas Seehafen Tema anlegen - mit an Bord sind weitere dringend benötigte Hilfsmittel für die Krankenstation in Have wie Rollstühle, Verbandsmaterial, Solarlampen, aber auch Schulbücher und vor allem Ersatzteile für den Krankenwagen.
"Verschleiß- und Ersatzteile nehmen wir vorsorglich mit, weil sie in Ghana nicht zu besorgen sind", sagt Ehemann Markus Igelmund, der den Wagen vom Hafen über rund 150 Kilometer zur Krankenstation in der Volta-Region fahren wird. Und da kommt der nächste hilfreiche Mensch ins Spiel: Manfred Haas, in dessen Autohaus in Niederprüm der gebrauchte Krankenwagen afrikatauglich gemacht wurde, hat nicht nur den Arbeitspreis äußerst günstig gestaltet, er will die Aktion auch weiterhin unterstützen. "Alle Ersatzteile für Have liefere ich zum Einkaufspreis", sagt Haas, "auch in Zukunft."
Sonja Liggett-Igelmund, die den fachmännisch überholten Wagen in Niederprüm abholt, freut das Angebot. Sie sieht bestätigt, was ihr seit Anfang der Hilfsaktion für Have immer wieder aufgefallen ist: "Das Projekt läuft nur so gut, weil viele Menschen gerne mitmachen. Sie wissen, dass ihre Hilfe wirklich dort ankommt, wo sie gebraucht wird."
Extra

Zweimal war Sonja Liggett-Igelmund bereits in Ghana: 2011 reiste sie mit einem Filmteam des WDR für die Dokumentation "Job im Gepäck" nach Have, um dort für acht Tage als Hebamme auszuhelfen. 2012 startete sie eine Spendenaktion für Have. Ein Container voller Hilfsartikel kam zusammen, den Ligget-Igelmund, ihr Ehemann Markus und die Söhne Nils und Jonas nach Have begleiteten. Im November folgt die dritte Reise, um den aus Spendengeldern gekauften Krankenwagen und weitere Hilfsgüter zu übergeben. Weitere Informationen im Internet: meeting-bismarck. blogspot.de

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