Ein Kreuz fürs Seelenheil im Jenseits

Ein Kreuz fürs Seelenheil im Jenseits

WIESBAUM. Fast vier Meter hoch ist der Bildstock inmitten der kleinen Eifelgemeinde Wiesbaum. Der Ortsfremde reckt den Hals: 1650 kann er lesen, auch noch Amen, der Rest der langen Inschrift aber bleibt ihm ein Rätsel, wenn er nie Latein gelernt hat.

Zum Glück gibt es Wiesbaumer wie Werner Zens und Peter Krebs, die sich seit Jahren mit der Geschichte ihrer Heimat beschäftigen. "Denkmal" nennen die Wiesbaumer das imposante Sandsteinkreuz, das auf einer liebevoll gepflegten Blumeninsel dem Durchgangsverkehr trotzt. Peter Krebs und seinen Mitstreitern ist es zu verdanken, dass es bei der Verbreiterung der Straße nicht beseitigt wurde, sondern am alten Ort erhalten werden konnte. Am 17. Oktober 1650, übersetzt Zens, wurde hier der "edle und vornehme Herr Johann Oswald Mohr vom Wald im blühenden unschuldigen Alter von einer Kriegerschar" erschlagen. "Vielleicht waren es plündernde Soldaten, der 30-jährige Krieg war ja erst seit zwei Jahren vorbei", mutmaßt Zens. Die Familie Mohr vom Wald war weithin bekannt in der Eifel bis hinein ins Luxemburgische. In Daun gehörte ihnen der unterhalb der Burg gelegene Waldenhof. In Wiesbaum waren sie Miteigentümer des Turmhofs, ein aus dem 13. Jahrhundert stammendes Gehöft, das noch heute dem Kreuz gegenüber liegt. Vielleicht war dieser Besitz ja beim Tod seines Vaters Paul Dietrich 1636 an den Sohn Oswald gefallen. Die Mutter war bereits 1628 gestorben. So weit die Geschichte. Aber es ranken sich unterschiedliche Sagen um das Kreuz, und 1978 stellte der Steinmetz bei der Restaurierung überrascht fest, dass der Figur des Johannes in der Kreuzigungsszene ein Arm fehlt, der anscheinend nie dagewesen war. Vielleicht enthält eine der Sagen ja ein Körnchen Wahrheit: Bei einer Schlacht ganz in der Nähe soll der Feldherr aus dem benachbarten Mirbach den rechten Arm verloren haben und in der alten Wiesbaumer Kirche beigesetzt worden sein. Peter Krebs glaubt, dass der Feldherr vor seinem Tod das Kreuz für den jungen Mohr vom Wald gestiftet habe, sei es aus Ehrerbietung, sei es zur Sühne - und sich darauf, wie zu jener Zeit üblich, verewigen ließ - als einarmiger Johannes. Alois Mayer hingegen schreibt im Dauner Heimatjahrbuch 2005 in seiner Geschichte der Mohrs vom Wald, dass Johann Oswald selbst der Arm weggeschossen wurde, und dieser habe die Errichtung des Kreuzes verfügt. Zum eigenen Seelenheil im Jenseits.