Ein Landarzt alter Prägung

Ein Landarzt alter Prägung

BIRRESBORN. Das gibt es heute nicht mehr: Dr. Peter Peters war 40 Jahre lang Landarzt. Heute wird er 80 Jahre alt. Noch immer ist er für einige seiner "alten Patienten" da. Die Erlebnisse des Landarztes sind geschichtliche Zeitzeugnisse der Eifel.

"Als Stadt- oder Klinikarzt hätte ich mich gar nicht wohl gefühlt", bilanziert Peters seine jahrzehntelange Tätigkeit als Landarzt im Birresborner Kylltal. 1959 eröffnete der gebürtige Gilzemer die Praxis in Birresborn - nach seiner Promotion an der Universität Freiburg und Beschäftigungen an den Krankenhäusern in Ettenheim und Hermeskeil. "Er war sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag für die Leute da. Auch unter den kuriosesten Umständen. So was gibt es heute gar nicht mehr", bemerkt Bürgermeister Josef Bach voller Anerkennung. Lachend nickt der Jubilar: "Mit meinem VW Käfer habe ich vor allem im Winter einige Abenteuer erlebt." Die Siedlerhöfe in der Nähe von Densborn oder Mürlenbach habe er oft nur über Forstwege erreichen können. "Mein Schwiegervater ist oft mitgefahren - als Helfer und Ballast für die Antriebsachse", erinnert sich der 80-Jährige. Ein Erlebnis aus den Anfangsjahren begleitet ihn noch heute. Vom Hof "Auf Steinig" bei Mürlenbach kam "im dicksten Winter" ein Hilferuf. Nur mit dem Feuerwehrauto war die Siedlung zu erreichen. Allerdings blieb auch das 300 Meter vor dem Bauernhaus im Schnee stecken. Nur mit Mühe stapfte Peters zum 70-jährigen Mattes. Der Landarzt: "Sein Bauch war knochenhart, der Blinddarm kurz vor dem Platzen, da schnürten wir ihn auf eine Leiter und traten den Rückweg an. Die Prozedur dauerte den ganzen Nachmittag." Bauer Mattes wurde gerettet und entlohnte Peters beim anschließenden Hausbesuch mit Münzgeld. "Allerdings war es ungültiges Geld, wie sich später herausstellte. Auch den Apotheker Winter hatte das Schlitzohr Mattes so reingelegt", verrät Peters lachend. Oft wurde der Landarzt in Naturalien bezahlt. Viele Familien hat er über Generationen betreut, Schicksale verfolgt. Er war nicht nur Allgemeinmediziner, sondern auch Psychologe und Lebensberater. "Ohne Seelentröster zu sein, geht es nicht. Für viele Krankheiten ist Kummer die Ursache", sagte der erfahrene Landarzt, fünffache Vater und mittlerweile Witwer. Auch zwei seiner Kinder sind gestorben, die drei anderen leben in seiner Nähe, ebenso wie die zwei Enkelkinder. "Ich sehe sie alle", freut sich Peters. Vor fünf Jahren übernahm die jüngste Tochter seine Praxis. "Ich bin aber noch nicht verabschiedet", erklärt der 80-Jährige. Für Notfälle oder "wenn meine alten Patienten mich verlangen", stehe er parat. Seine außerordentliche Fitness erklärt er mit "viel, viel Arbeit". Vor allem die Gartenarbeit und gemeinsame Aktionen mit dem sechsjährigen Enkel Felix faszinieren ihn. Heute Abend gesellen sich alle Birresborner Vereine zur großen Gratulantenschar. Der Jubilar meint voller Vorfreude: "Ich bin sehr gespannt auf den heutigen Tag." Am Mittwoch, 12. Mai, gratulieren die Vereine gemeinsam Dr. Peter Peters zu seinem Ehrentag. Treffpunkt ist um 19.30 Uhr an der Grundschule.