Ein Landrat räumt auf

Landrat Heinz Onnertz tritt Ende der Woche nach dreizehneinhalb Jahren ab - und hat schon heute seinen letzten regulären Arbeitstag. Um sein Büro im Kreishaus in Daun für seinen Nachfolger Heinz-Peter Thiel herzurichten, bedarf es aber noch einiger Überstunden. Zum Aufräumen. Der TV hat ihn dabei besucht.

Daun. Eine Schublade ist bereits leer. "Ich werde aber an Ostern noch vorbeikommen müssen, um hier alles aufzuräumen", sagt der scheidende Landrat Heinz Onnertz. Einige persönliche Dinge, wie Geschenke in Zusammenhang mit der Ruanda-Partnerschaft, die Onnertz und seine Frau Cheryl intensiv pflegen, will der 63-Jährige mit nach Hause ins Haus nach Daun-Neunkirchen nehmen. Präsente, die an den Landkreis gerichtet waren, bleiben da, müssen aber auch noch irgendwo verwahrt werden. Trifft ja vielleicht nicht den Geschmack seines Nachfolgers Heinz-Peter Thiel, der am Dienstag nach Ostern im Kreishaus aufschlägt.
Und noch sieht das Landratsbüro nicht übergabereif aus. Da sind beispielsweise noch etliche Schriftstücke, die Onnertz entsorgen muss. Einige können ins Altpapier, aber da ist auch noch ein ganzer Karton mit vertraulichen Schreiben, die zunächst durch den Schredder müssen.
Krempel und Krawatten


Und das kleine Nebenzimmer, zu dem eine Tür hinter dem Landrats-Schreibtisch führt, kann und will Onnertz in diesem Zustand auch nicht seinem Nachfolger überlassen. Schließlich befinden sich darin überwiegend persönliche Kleidungs- und Erinnerungsstücke: Krempel, Karikaturen und Krawatten (die einen Querschnittschnitt der Mode der vergangenen 13,5 Jahre abbilden - oder noch mehr). "Kommt alles mit", sagt der gebürtiger Niederrheiner, der im September 1999 das Landratszimmer im Kreishaus in Daun bezogen und bis heute genutzt hat.
Doch anstatt weniger droht es immer mehr zu werden. In der einen Ecke stapeln sich noch Präsente von der Verabschiedung Ende vergangener Woche. Und just als Onnertz an diesem Tag eine Sitzung des Jugendfördervereins des Kreises in seinem Büro eröffnen will, drückt ihm eines der Mitglieder, Kerschenbachs Ortsbürgermeister Walter Schneider, noch einen Präsentkorb mit Eifeler Leckereien in die Hand und sagt: "Sie waren immer da, wenn man sie gebraucht hat."
Die Sitzung ist denn auch der letzte offizielle Termin, den der Landrat - ganz die alte Schule - mit Bleistift in seinen Taschenkalender eingetragen hat.
"Normaler" Nachfolger


"Der Thiel ist da schon normaler: Der hat ein I-Pad und ist schon mit allen Abteilungsleitern vernetzt", sagt er, geht in Schlappen zur Tür, um den nächsten Gast zu begrüßen. Eben jenen Thiel, der ab April hier einziehen wird.
"In Schlappen werden Sie mich aber nicht als Landrat sehen", hatte er bereits bei seiner Ernennung in Anspielung auf Onnertz gesagt, mit dem er freundschaftlich verbunden ist. "Das ist eine der Freiheiten, die ich mir in meinem gesamten Berufsleben genommen habe, selbst als Richter", sagt Onnertz und präsentiert sein lockeres Schuhwerk.
Die neue Freiheit und -zeit, die er ab nächster Woche zuhauf hat, will der 63-Jährige vor allem seiner Frau, der Familie und seinen Hobbys Fliegen, Radfahren und Wandern widmen. "Sie werden mich künftig öfter auf dem Rad und das Bäuchlein bald nicht mehr sehen, garantiert", sagt er voller Überzeugung.
Und es scheint so, als ob er diese Behauptung noch mit einer Wette bekräftigen will. Mag schon sein. Aber ein Blick in die Runde, wie Onnertz im Smalltalk ebenso wie im ernsthaften Gespräch aufgeht, die Erinnerung daran, wie er es schätzt, sich kümmern zu können, lässt nur eine Vermutung zu: Wetten, dass ihm das Loslassen deutlich schwerer fallen wird, als er es momentan noch selbst wahrhaben will.

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