Kultur: Ein Leben für die Musik

Kultur : Ein Leben für die Musik

Johann Diederichs aus Rockeskyll hat im Laufe seines Lebens viele Auszeichnungen erhalten. Nun hat er den Vorsitz im Kreismusikverband aufgegeben.

Im Wohnzimmer das Klavier, im Büro eine Wand voller Bilderrahmen mit Auszeichnungen und Ehrungen aus vielen Jahren musikalischen Wirkens und in einer Schublade ganze 18 Medaillen und Ehrennadeln, darunter die Verdienstmedaille des Landesmusikverbands (LVM), die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz und die Verdienstmedaille in Gold mit Diamant für 35 Jahre Vorstandsarbeit im LVM – alles Indizien, dass hier ein Vollblutmusiker wohnt.

Es ist das Zuhause von Johann Diederichs, dem er wohl zukünftig etwas mehr Zeit widmen kann. Denn seine Position als Vorsitzender des Kreismusikverbandes Vulkaneifel hat er kürzlich aufgegeben. „Das war nicht überraschend“, sagt er, „ich hatte das schon im Januar 2018 bei der Jahreshauptversammlung angekündigt“. Und bei der Jahreshauptversammlung am 12. Januar machte er ernst. Er werde in diesem Jahr 70 Jahre alt und sei 35 Jahre dabei „irgendwann muss einmal Schluss sein“.

Und nun? Nach wie vor ist die Musik seine einzige Leidenschaft und Hobby. Er werde sicher nicht in ein großes Loch fallen, denn gerne übernimmt er noch die Vertretung der Organisten in seinem Umkreis, „wenn diese Urlaub haben oder mal nicht können“, sagt Diederich. Und immer noch ist er Mitglied im Bläserkreis der Pfarrkirche St. Anna in Gerolstein als Posaunist.

Entspannung findet er beim Klavierspielen zuhause. Das hat er schon mit sechs Jahren zunächst unter Anleitung seines Vaters erlernt. Weiter ging es musikalisch auch in der Volksschule in seinem Heimatort Kalenborn als Mitglied in der Blockflötengruppe, bis er von 1966 bis 1968 die bischöfliche Kirchenmusikschule in Trier besuchte, an der er unterrichtet wurde in den Fächern Klavier- und Orgelspiel, Stimm- und Gehörbildung, Harmonie und Tonsatz sowie Dirigieren. Das endete schließlich damit, dass er von 1968 bis 1973 als hauptamtlicher Organist und Chorleiter an der Pfarrkirche in Gerolstein tätig war. 1974 entschloss er sich dann, in den Polizeidienst einzutreten, in dem er bis zur Pension 2011 blieb. Mit der Musik war aber keineswegs Schluss.

Diederichs durchlief viele Positionen, war Kreisdirigent, Dirigent verschiedener Musikvereine aus der Region, Mitglied im Fachausschuss Blasmusik bei der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände, um nur einige zu nennen.

1989 wurde er stellvertretender Landesmusikdirektor des LMV Rheinland-Pfalz und nach dem plötzlichen Tod des damaligen Landesmusikdirektors Hans-Albert Schwarz, wurde ihm diese Stelle bis zur Neuwahl kommissarisch übertragen.

Eines Tages musste er allerdings erkennen, dass es doch ein bisschen viel war, was er sich zugemutet hatte. „1998 habe ich meinen Jahresurlaub bei der Polizei so verteilt, dass ich mit meinen ganzen Terminen zurecht kam. Es war so ein intensives Jahr, dass ich mir 2000 sagte, ich kann das nicht mehr mit meinem Beruf vereinbaren und habe schweren Herzens den Posten des stellvertretenden Landesmusikdirektors abgegeben.“ Kein Wunder, hatte er doch seit 1992 auch noch den Vorsitz des Kreismusikverbandes Daun, heute Vulkaneifel, inne, von dem er sich, wie anfangs erwähnt, nun endgültig verabschiedete.

Besonders in Erinnerung bleiben ihm in dieser Zeit als stellvertretender Landesmusikdirektor das erste deutsche Bundesmusikfest 1989 in Trier, das vierte Landesmusikfest 1991 in Wittlich, das erste europäische Musikfest 1993 in Trier und das fünfte Landesmusikfest 1997 in Pirmasens, bei denen er für die Vorbereitung, Abwicklung und Nachbereitung der Wertungsspiele und Wettbewerbe zuständig war. „Dabei durfte ich viele namhafte Komponisten, Wertungsrichter und Musiker, auch aus dem europäischen Ausland, persönlich kennen lernen“, sagt Diederichs.

Kein anderer als Johann Diederichs war es auch, der in jener Zeit, um 1997, Lehrgangsbücher für den gesamten Landesverband geschrieben hatte, die bis heute benutzt und bei Bedarf von ihm neu gedruckt und gebunden werden.

Nach wie vor ist Diederichs bei den C-Lehrgängen des LMV als Dozent und Prüfungsvorsitzender tätig. „Es hat mir immer Spaß gemacht, mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten und Musik zu machen“.

Nur einen Wermutstropfen gibt es dennoch: „Die Lehrgänge werden nicht mehr so stark frequentiert wie früher, der Nachwuchs fehlt leider.“ Das sehe man auch bei den Vereinen, die sich vermehrt zu Spielgemeinschaften zusammenschließen müssten, sagt Diederichs.

Bleibt nur noch zu fragen, wie Diederichs dieses große Engagement über die Jahrzehnte mit einer Familie vereinbaren konnte? „Ich bin ein passionierter Junggeselle, mit einer Familie hätte ich das alles nicht machen können“.

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