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Ein Lebenswerk in Schutt und Asche

Ein Lebenswerk in Schutt und Asche

SASSEN. Wenige Tage nach dem verheerenden Großbrand, bei dem ihre beiden Häuser mit allem Inventar vernichtet wurden, beginnen Paul und Helmut Schneider mit den Aufräumarbeiten. Erna Schneider ist zwischenzeitlich auf dem Weg der Besserung.

"Sie hatdie Intensivstation des Krankenhauses verlassen und kommtwahrscheinlich Ende der Woche nach Hause", beantwortet PaulSchneider die Frage nach dem Zustand seiner Frau Erna. "NachHause" bedeutet aber nicht das Haus in der Straße "Im Gässchen",in dem das Ehepaar Jahrzehnte lang gelebt hat. Auch das Hausdaneben - früher Stall und Scheune, dann umgebaut in eine Wohnungfür den Sohn - ist nicht mehr bewohnbar. "Was nicht verbranntist, hat das Löschwasser kaputt gemacht", sagt Helmut Schneider. Warten auf die Versicherungsleute

Nach den ersten Tagen bei befreundeten Familien beziehen er und sein Vater nun eine Ferienwohnung im Dorf. Ohne Gepäck, denn sie haben nur noch die Kleidungsstücke, die sie am Samstag trugen, als das Feuer durch überhitztes Fett in der Küche ausbrach und unaufhaltsam alles zerstörte. Der Schaden ist vorläufig auf etwa 300 000 Euro geschätzt worden. Der gepflasterte Hof ist mittlerweile ordentlich gekehrt. Was noch herumliegt, darf erst weggeräumt werden, wenn die Sachverständigen der Versicherung ihre Ermittlungen abgeschlossen haben. Fast ungeduldig hält Paul Schneider nach den Versicherungsleuten Ausschau. "Dann können wir einen Container bestellen", sagt er. Im Schritt-Tempo fährt ein fremdes Auto an der Brandstelle vorbei; die Insassen schauen mit betroffenen Gesichtern an der Ruß geschwärzten Hausfront hoch und werfen einen Blick in das Loch, in dem früher die Haustür saß. Spaziergänger bleiben stehen; sie haben als Urlauber des nahen Ferienparks am Heilbachsee von dem Großbrand gehört und wollen sich persönlich ein Bild machen.

Ein Arbeitskollege von Helmut Schneider kommt vorbei und bietet seine Hilfe beim Aufräumen an. Auch Nachbarn und die Feuerwehrmänner des Dorfes haben ihre Unterstützung zugesagt. "Das tut uns gut", sind sich Vater und Sohn einig.

Helmut Schneider hat 14 Tage Urlaub genommen. Sein Vater ruft eine der beiden Katzen, die in dem zertretenen Blumenbeet hocken, zu sich und nimmt sie auf den Arm. Erst am Tag nach dem Feuer seien die Tiere wieder aufgetaucht; sie hätten sich bestimmt vor Schreck irgendwo im Dorf verkrochen, meint er.

Vom Herd steht nur noch das Gerippe

Im Erdgeschoss des Hauses ist alles mit den verkohlten Überresten von Möbeln, Hausgeräten und all den persönlichen Stücken, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln, übersät. "Hier war die Küche", sagt Paul Schneider und deutet nach rechts in einen Raum. Das Gerippe des Elektroherdes, auf dem am Samstag die Katastrophe ihren Anfang nahm, steht noch in der Ecke.

Im nächsten Augenblick hält der 76-Jährige die Reste eines Uhrwerks in der Hand. "Durch die Hitze ist das Messing geschmolzen", erklärt er und dann erzählt er, wie er als junger Soldat in englischer Kriegsgefangenschaft zum ersten Mal eine Uhr repariert hat. Seit den 50-er Jahren ist Paul Schneider weit und breit als Uhrensammler bekannt. "Jetzt ist alles hin", sagt er Gedanken verloren und, als ob er ablenken wolle, fragt er: "Wissen Sie, wo ich einen neuen Führerschein bekomme?"