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Ein neuer Berg für Strohn

Ein neuer Berg für Strohn

Der Steinbruch am Wartgesberg in Strohn soll ab 2014 wieder mit Bauschutt und Erdaushub gefüllt werden. Dafür muss dort eine Deponie eingerichtet werden. Umweltschützer fürchten einen Imageschaden für die Vulkaneifel.

Strohn. Still ruht der Steinbruch am Strohner Wartgesberg in der winterlichen Kälte. Auf einer Fläche von rund 25 Hektar wird dort Lavastein abgebaut. Fast der komplette Wartgesberg ist mittlerweile verschwunden. Derzeit ist aber Winterpause.
"Von Dezember bis Februar ruht der Abbaubetrieb", erklärt Betriebsleiter Bernard Douw von der Baustoff-Firma Scherer, die den Steinbruch betreibt. "Wir können in dieser Zeit nicht produzieren. Es ist ja alles eingefroren."
Von den zwölf Arbeitern sind deshalb nur wenige vor Ort. Die meisten bauen in den Wintermonaten ihre Überstunden aus dem Sommer ab. Nur ab und zu kommt ein Laster vorbei, um bereits gebrochenes Gestein aufzuladen.
Schon bald wird die Szenerie wieder anders aussehen. Nicht nur, weil die Baustellen im Umland in den wärmeren Monaten einen größeren Bedarf an Lavastein haben. Einige Laster werden hier auch zum Abladen vorfahren. Denn der Steinbruch in Strohn ist auch eine Deponie für Bauschutt und Erdaushub.
"Unser primäres Geschäft ist die Produktion von Schüttgütern wie Lavasand oder Kies", erklärt Geschäftsführer Jörg Scherer. "Aber wir nutzen hier Synergieeffekte." Laut Bergrecht ist das Unternehmen dazu verpflichtet, den Steinbruch zu rekultivieren. Das heißt: das Loch wieder aufzufüllen, den Wartgesberg wieder herzustellen. 30 Jahre lang bewerkstelligte die Firma das, indem sie Schutt und Erdaushub von Baustellen in die Grube verfrachtete.
Aufwendige Umrüstung


Doch seit zwei Jahren ist es damit vorbei. Ein Gesetz schreibt seitdem vor, dass auch schwach belasteter Abfall - wie eben Erdaushub - nur an besonderen Orten abgeladen werden darf: in Deponien der Klasse I.
Damit der Entsorgungsbetrieb aufrechterhalten werden kann, soll der Steinbruch zu einer solchen Deponie aufgerüstet werden. Dazu muss der Boden mit Folien abgedichtet werden, es müssen Drainagen und Kanäle gelegt werden, damit das Grundwasser nicht mit dem Abfall in Berührung kommt. In vier Abschnitten soll die Grube bis zum Jahr 2068 gefüllt werden. Der Kostenpunkt der ersten, für zehn Jahre ausgelegten Stufe: drei Millionen Euro.
Hartmut Schmidt von der Interessengemeinschaft Eifelvulkane ist wegen dieser Pläne besorgt. Der Dauner fürchtet um das Ansehen der Vulkaneifel. "Wir haben hier nicht die besten Voraussetzungen für Tourismus - außer der schönen Landschaft", sagt er. Er fragt sich, ob das Image der Gegend als Wandergebiet, Naturschutzgebiet und Gesundland durch eine Deponie, die Abfälle aus der ganzen Region entgegennimmt, nicht belastet werde.
Tatsächlich gibt es in Rheinland-Pfalz nur zwei weitere Deponien der Klasse I: in Worms und in Ludwigshafen. Könnte Strohn zur Abladestation für den gesamten nördlichen Teil des Bundeslandes werden? "Wir reden von sechs bis sieben Landkreisen, die dafür infrage kommen", sagt Geschäftsführer Scherer. "Der Boden, der bei uns abgeladen wird, kommt zum großen Teil aus maximal 40 Kilometer Entfernung." Alles andere wäre einfach nicht wirtschaftlich, sagt Scherer.
Auch Norbert Leinung vom Bund für Umwelt und Naturschutz sieht in der Region einen Bedarf für eine solche Deponie. "Unsere Region produziert auch Bauschuttabfälle - und die sollten da deponiert werden, wo sie entstehen", sagt er. Aber mitten ins "Gesundland", damit kann auch er sich nicht abfinden: "Ob die Anlage hier im Landkreis sein muss, ist eine andere Frage."
Grundsätzlich hat der Umweltschützer aber Verständnis für den Grubenbetreiber: "Die Anlage soll nach dem neuesten Stand der Technik eingerichtet werden", sagt Leinung.
Was den Standort angeht, sieht er die Bürger am Zug: "Wenn Widerstand kommt, dann aus der Bevölkerung", sagt er.
Ansonsten bekommen die Strohner ihren Wartgesberg wieder.Meinung

Wohin führt der Weg?
Die Vulkaneifel als Abladestation für Abfall aus halb Rheinland-Pfalz - das hört sich wahrlich abenteuerlich an. Doch auch normaler Erdaushub aus dem Straßenbau ist in der Behördensprache "Abfall", der fachmännisch entsorgt werden muss. Niemand muss Angst haben, dass in Strohn eine Giftmülldeponie entsteht. Auch kann man einem marktwirtschaftlich agierenden Unternehmen nicht vorwerfen, eben dieses Material zu nutzen, um seiner Verpflichtung zur Auffüllung einer Grube nachzukommen. Die grundsätzliche Frage lautet anders: Wie vertretbar ist der Tagebau in der Vulkaneifel in einer Zeit, in der Gesundland, Naturpark und Wanderwege propagiert werden wie nie zuvor? Damit muss sich die Politik befassen - und eine Entscheidung treffen, welcher Weg eingeschlagen wird. t.senzig@volksfreund.de