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Ein neuer Platz für kranke Menschen

Ein neuer Platz für kranke Menschen

MEHREN. Bis Ende dieses Jahres wird das Seniorenhaus "Helena" für Menschen mit Demenz in Mehren um einen Anbau erweitert. Besitzerin Katja König investiert nach eigenen Angaben rund eine Million Euro in die Erweiterung.

Katja König hatte im Juni 2004 in Strotzbüsch das ehemalige Altenheim "Schau ins Tal" des Senioren-Hilfswerks zusammen mit dem Eigentümer Bernhard Engel saniert, umgebaut und für zehn Jahre mit Verlängerungsoption gepachtet. Das Haus war nach sechs Monaten bereits voll belegt. In Strotzbüsch hatte sie das Pflegemodell des Wiener Professors Erwin Böhm mit autarken Hausgemeinschaften umgesetzt, das heute in vielen Heimen angewendet wird. "Wir wollen unser Pflegemodell professionalisieren und haben vor zwei Jahren auf das Modell von Erwin Böhm umgestellt, das die Seelenpflege in den Vordergrund stellt" sagt König. Das weit verbreitete kleine Einmaleins der Altenpflege nach dem Motto "Satt, sauber und trocken" sei nicht genug. Sie habe sich verschiedene Einrichtungen mit dem neuen Modell angeschaut und sei davon überzeugt, dass dies der einzig richtige Weg sei, um zukunftsorientiert Altenpflege machen zu können. Dies gelte besonders für demenzkranke Menschen, so König weiter. Anbau soll bis September fertig sein

Im Seniorenhaus in Mehren, das in der jetzigen Form seit 1989 besteht und nach Aussage von König das einzige Haus im Kreis ist, das absolut schwerst demenziell veränderte Menschen in dieser geballten Form aufnimmt, stehen zurzeit 62 Heimplätze zur Verfügung. "Um das neue Pflegemodell umzusetzen, bedarf es aber einer baulichen Veränderung mit mehr Platz für die Bewohner. Deshalb werden jetzt 700 Quadratmeter mehr Wohnfläche dazukommen, aber wir erhalten nur neun Plätze mehr. Diese neun Plätze sind nur dazu da, um das Projekt überhaupt finanzieren zu können", erklärt Katja König. Eine runde Million Euro investiert sie in die Erweiterung des Seniorenhauses. Das Gelände dafür hat sie neben einem Altbau, der abgerissen wurde, von der Erbengemeinschaft der verstorbenen Nachbarin gekauft. Bis September hofft die Heimleiterin auf die Fertigstellung des Anbaus, der beim Weihnachtsmarkt in Mehren eingeweiht werden soll.Gemeinsames Kochen fester Bestandteil

König: "Dezentralisierung ist das Schlagwort des neuen Pflegemodells, es gibt keine Zentralküche mehr. In Strotzbüsch konnte ich den Probelauf dafür machen, und es war ein durchschlagender Erfolg. Jede Hausgemeinschaft kocht in 15er-Gruppen für sich, das ist für die Menschen der Hauptbestandteil des Tagesablaufs" sagt König. Damit gäben sie den Leuten ein Stück ihres bisherigen Lebens wieder, denn auch ein schwer demenzkranker Mensch könne noch Zwiebeln und Kartoffeln schälen. Man müsse dazu nur ein bisschen mehr Gelassenheit mitbringen und den Leuten wieder mehr zutrauen, so König weiter. Nach der Erweiterung in diesem Jahr wird im kommenden Jahr die etwa einjährige schrittweise Sanierung des Altbaus anstehen. Dazu ziehen die Bewohner in den Neubau. "Wir haben im Altbau immer noch Zimmer, die keine Toilette haben. Wir werden hier mehr Raum schaffen, sodass wir 75 Bewohner betreuen können, die in fünf Hausgemeinschaften mit eigenen Küchen leben werden. Dadurch werden unsere Gruppen kleiner" , erklärt Katja König. Jetzt hätten sie im Altenheim drei Hausgemeinschaften mit insgesamt 62 Bewohnern. Das seien relativ große Gruppen, was für Bewohner und Mitarbeiter belastend sei. Bisher sind 57 Mitarbeiterinnen in Teil- und Vollzeit bei Katja König in Mehren beschäftigt, im Zuge der Erweiterung und Sanierung sollen neun weitere Vollzeitkräfte eingestellt werden.