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Ein Ort mit guten Aussichten

Ein Ort mit guten Aussichten

Die TV-Dorffotoaktion führt in diesem Sommer durch die Gerolsteiner Stadtteile. In mit 477 Metern höchstgelegenen Stadtteil Büscheich hat man inmitten schöner Natur eine grandiose Aussicht - und die intakte Dorfgemeinschaft beweist Weitblick: durch das ins Leben gerufene Nachbarschaftshilfeprojekt.

Gerolstein-Büscheich. Gute Leistung: 85 der insgesamt 470 Büscheicher kommen zur Dorfmitte, wo der TV zu seiner Dorffotoaktion einlädt. Angesichts der hochsommerlichen Temperaturen - die einige der ältesten Dorfbewohner vom Besuch abhalten - ist das sehr beachtlich. Die älteste Teilnehmerin ist Maria Lenzen (84), die sich auf das Erinnerungsfoto freut. Das bekommt jeder Teilnehmer kostenlos - und ein besonders großes Exemplar ist fürs Gemeindehaus gedacht.
Die jüngste Teilnehmerin ist die gerade erst vier Monate alte Tamara, die sich noch nicht äußert, aber freudig strampelt. Ob es an den vielen bunten Luftballons liegt, die die Büscheicher mitgebracht haben?
"Irgendetwas Originelles wollten wir machen, da hatte ich die Idee mit den Ballons", sagt die stellvertretende Ortsvorsteherin Maria Lantau, die gerade erst wiedergewählt wurde und ihre dritte Amtszeit beginnt. Sie sind - ganz weltmeisterlich - schwarz, rot und gold und bedruckt mit großen und kleinen freundlichen Männchen. Darunter steht: "Büscheich und Niedereich - lebens- und liebenswert".
"So ist es ja auch: Ich habe hier noch nie ein Nein gehört, wenn wir vom Ortsbeirat für ein Vorhaben Hilfe benötigt haben. Und privat ist das ganz genauso", sagt Maria Lantau.
In die gleiche Kerbe schlagen viele andere. Gefragt nach den Vorzügen von Büscheich nennen mehrere an erster Stelle: "Die gute Dorfgemeinschaft." So Uschi Wippich (79), die im Dorf nur als "die Uschi" bekannt ist. 1981 regelmäßig als Wochenendgast vor Ort, hat sie mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann 1997 ein Haus in Büscheich gekauft "und es noch keinen Tag bereut - vor allem wegen der guten Dorfgemeinschaft und der herrlichen Natur ringsum", sagt sie. "Die gute Dorfgemeinschaft und die Ruhe", stehen auch bei Marianne Hutschenreuter an erster Stelle, die viele Jahre weg war, vor sechs Jahren aber ins Haus ihrer Großeltern gezogen ist. "Und da ich hier alle kenne, fühle ich mich auch wohl", fügt sie hinzu.
Das kann Tobias Rau natürlich noch nicht sagen, denn der Soldat ist mit seiner Frau und den beiden Kindern erst im Februar aus der Nähe von Bremen nach Büscheich gezogen. Die Berge ringsum findet der Flachländer bei seinen Radtouren zwar "furchtbar", der Familie gefällt es wegen der Natur aber sehr gut. Und seine Feuerprobe als Zugezogener hat er auch schon bestanden: Bei Schewensunnich, dem traditionellen Austreiben des Winters, war er etwas spät dran und traf an der Feuerstelle niemanden mehr an. Also ist er zur Dorfkneipe und auch rein: Rumms, alle Köpfe drehen sich (wie das eben in der Eifel so ist), er bestellt sich ein Bier und stellt sich in ein Eck, drei Minuten Stille. Dann erbarmt sich einer der Büscheicher und ruft ihn an die Theke. "Ja, wir haben ihn erstmal etwas zappeln lassen. Er hat sich aber gut geschlagen", erinnert sich auch Dieter Kinzer, Vorsitzender des Sportvereins, gut an die Situation. Nimmt man mal den spröden Charme der Eifeler beiseite, dann merkt man schnell, dass die Büscheicher sehr darum bemüht sind, ihre neuen Mitbürger zu integrieren. So begrüßt der langjährige Ortsvorsteher Oswald Weber die "Ur-Büscheicher und alle Neubürger" und hofft, dass auch die "TV-Dorffotoaktion dazu beiträgt, dass sich alle rasch kennenlernen". Man merkt ihm an, dass er über jeden Neubürger froh ist, denn auch die Büscheicher Gesellschaft wird älter und es drohen Leerstände. Derzeit gibt es davon nur drei - nicht zuletzt weil in den vergangenen Jahren einige Häuser an Neubürger verkauft wurden. Und es warten ja auch noch sieben erschlossene Baustellen auf Käufer.
Der große Trumpf: die schöne und relativ hohe Lage des Ortsteils inmitten der Natur sowie die grandiose Aussicht.
Und die Büscheicher tun einiges dafür, dass auch die Aussichten fürs Dorf gut bleiben. Aktuell haben sie die Aktion "Miteinander - Füreinander" auf die Beine gestellt. Drei Vertrauensleute stellen den Kontakt her zwischen Bewohnern, die Hilfe und Unterstützung benötigen, und freiwilligen Helfern. Für Fahrdienste, Garten- und Brennholzarbeiten, Babysitting, Haustierversorgung und die Einweisung in Computer und Handy. Norbert Leinung (62) ist einer der Vertrauensleute. Auf die Frage, wieso er sich engagiere, sagt er: " Die älteren Mitbürger sollen sich nicht alleine fühlen, sondern wissen, dass sie Hilfe bekommen, wenn sie sie brauchen. Etwa mal rasch zum Arzt nach Gerolstein müssen."
Die Affinität ins fünf Kilometer entfernte Gerolstein ist bei allen Büscheichern hoch. Da sind die Schulen und Kindergärten für den Nachwuchs (die eingruppige Einrichtung in Büscheich wurde 2006 geschlossen), da arbeiten viele, dahin zieht es sie zum Einkaufen. Doch auch rollende Märkte steuern regelmäßig den Stadtteil an, in den es schon lange kein Geschäfte mehr gibt, aber noch immer zwei Gaststätten.
Und trotzdem ist man nicht immer froh mit der Stadt und deren Entscheidungsträgern. Denn Büscheich ist wie alle anderen Stadtteile abhängig von der Stadt, da es über keinen eigenen Etat verfügt. Und so dauern manche Projekte länger als erwünscht. Ganz oben auf der Wunschliste (siehe Hintergrund) steht die Schaffung einer schnellen Internetanbindung. "Wir haben hier DSL 2000, kannste vergessen", bringt es Dieter Kinzer, auf den Punkt. Das Problem: Die Anbindung an Gerolstein oder Birresborn ist weit und daher teuer.
Lieb und teuer ist Peter und Jenni Schmitt der TV-Fototermin, zu dem sie mit ihrer Lea (1) und ihrem Tom (5) gekommen sind - obwohl sie alle eigentlich ins Schwimmbad nach Gerolstein wollten. "Wir haben die Badesachen bereits an, aber beim Dorffoto wollen wir dabei sein. Ist doch ne richtig schöne Sache", sagt Jenni. Und kurz darauf ist die junge Familie ja auch schon unterwegs - zur Abkühlung.Extra

Neben der deutlichen Verbesserung des Internetanschlusses und des Handynetzes stehen weitere Vorhaben auf der Wunschliste der Büscheicher. Dazu zählen: ein eigener Internetauftritt, eine Verkehrsberuhigung am Ortsausgang in Richtung Salm (L 29), eine Unterstellmöglichkeit für den Gemeinde-Traktor,, eine Wendemöglichkeit in der Straße zur Dietzenley (da die Müllautos dort rückwärts rausfahren müssen), eine Unterstellmöglichkeit an der Bushaltestelle am Gemeindehaus, wo auch die Schul- und Kindergartenkinder ein- und aussteigen, die Sanierung des Wirtschaftsweges zwischen Büscheich und Niedereich, die Sanierung der Gehwege im gesamten Stadtteil, die Schaffung einer generationenübergreifenen Wohngemeinschaft im Ort sowie die Freistellung des Hausbergs "Dietzenley", um von dort den Blick aufs Dorf wieder zu ermöglichen. mhExtra

Büscheich hat ein reges Gesellschafts- und Vereinsleben. Dafür sorgen die Wehr mit einer Senioren-, einer Alters- und einer Jugendabteilung, der Sport-, der Angelsport- und der Musikverein, die Frauengemeinschaft, die Strickgruppe und die Jugendgruppe. mh