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Ein Platz für Sternenkinder auf dem Waldfriedhof in Gerolstein

Trauerarbeit : Ein Platz für Sternenkinder auf dem Waldfriedhof in Gerolstein

Die Stadt Gerolstein schafft einen Ort für trauernde Eltern, deren Kindern der Schritt ins Leben nicht vergönnt war.

Eine „stille Geburt“, so nennen Ärztinnen und Ärzte das Drama, das in Deutschland trotz umfassender medizinischer Begleitung der Schwangeren  täglich geschieht. Das statistische Bundesamt zählt 3180 totgeborene Kinder im Jahr 2019, in Rheinland-Pfalz sind 167 Kinder kurz vor oder während der Geburt verstorben. Dazu kommen Fehlgeburten - diese Definition trifft auf die Kinder zu, die vor der 24. Schwangerschaftswoche und mit einem Gewicht von unter 500 Gramm tot geboren werden. Fehlgeburten unterliegen nicht der standesamtlichen Meldepflicht, aus Krankenhausstatistiken lässt sich jedoch für RLP eine Zahl herauslesen: Rund 1600 Schwangere haben ihr Kind 2017 auf diese Weise verloren.

Für die trauernden Eltern sind die Kinder, die vor dem Leben sterben, unterschiedslos Sternenkinder. Doch erst seit einer Gesetzesänderung im Personenstandsrecht im Jahr 2013, die aufgrund einer Petition zustande kam, gelten auch Föten unter 500 Gramm als Menschen, die beim Standesamt erfasst werden können - egal wie leicht oder wie winzig sie sind. Sofern die Eltern es wünschen, erhalten sie einen Namen und eine  Urkunde, auf der das Geschlecht, der Geburtsort und der Geburtstag bescheinigt werden. Damit haben die Sternenkinder ein Anrecht auf Bestattung.

„Wir hatten dieses Jahr bereits vier oder fünf Anfragen dazu“, berichtet Susanne Ludwig vom Fachbereich Friedhofsverwaltung. Bis jetzt sei den Eltern von Sternenkindern eine Bestattung im Kinderbereich des Waldfriedhofs vorgeschlagen worden, sagt Bürgermeister Uwe Schneider. „Mit der Einrichtung des Grabfeldes möchten wir Eltern in der gesamten Verbandsgemeinde Gerolstein einen Ort geben, an dem sie die Möglichkeit finden, angemessen und würdig zu trauern.“

Er habe nach seinem Theologiestudium als Seelsorger in einer Klinik gearbeitet, erzählt Pfarrer Ralf Pius Krämer währen der feierlichen Einsegnung des Sternenfeldes auf dem Gerolsteiner Waldfriedhof. „Für die gestorbenen Frühchen unter 500 Gramm gab es nur Eines: die Entsorgung. Dabei hat jedes Leben seine Würde“, sagt Krämer. Nun sei ein Ort der Verbindung geschaffen worden, „auch über Schmerz und Trauer hinaus.“ Die Kinder würden auf diese Art nicht in Vergessenheit geraten, sagt der evangelische Pastor Roman Hartmann. „Auf dem Sternenfeld können ihre Eltern ihnen immer nahe kommen.“

Auch der Gerolsteiner Imam Ömer Faruk Metecan segnet den Ort. Bereits in naher Zukunft wolle die Stadt den Menschen islamischen Glaubens ermöglichen, ihre Angehörigen auf dem Waldfriedhof zu bestatten, berichtet Schneider.

Die Einrichtung der Grabstätte sei der Beharrlichkeit des Bestatters Phillip Sonnen und Simone Ludwig von der Friedhofsverwaltung zu verdanken, sagt Uwe Schneider. Die Arbeiten habe der Bauhof der Stadt ausgeführt, erwähnt Schneider und fügt hinzu: „VG-Bürgermeister Hans-Peter Böffgen und ich werden dafür sorgen, dass den betroffenen Eltern keine Kosten für die Bestattung eines Sternenkindes entstehen.“