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Ein Rathaus für Medizin und Gesundheit

Manderscheid. Der Wittlicher Allgemeinmediziner Dr. Matthias Schilling hat das Rathaus der ehemaligen Verbandsgemeinde (VG) Manderscheid gekauft. Er will dort zum 1. Juli 2017 ein medizinisches Zentrum einrichten. Das Konzept findet bei den Fraktionen im VG-Rat Wittlich-Land Zustimmung.

Manderscheid. Was tun mit einem Rathaus, das nicht mehr gebraucht wird? Die VG Manderscheid besteht nicht mehr, das Verwaltungsgebäude mitten in der Stadt Manderscheid hat keine Funktion mehr.
Der Bürgermeister der um Manderscheid vergrößerten Verbandsgemeinde Wittlich-Land, Dennis Junk, will die ärztliche Versorgung auf dem Land stärken. Die nun für das ehemalige Rathaus gefundene Nutzung bezeichnet er als ideale Lösung. Der Verbandsgemeinde-Rat hat am Donnerstagabend in nicht-öffentlicher Sitzung dem Verkauf einstimmig zugestimmt.Patientenversorgung sicher


Was hat Dr. Schilling, der seit 1988 in Wittlich als Allgemeinmediziner niedergelassen ist, vor?
Zum 1. Juli 2017 will er dort eine Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin und Allgemeinmedizin sowie eine Diabetes-Schwerpunktpraxis mit Fußambulanz eröffnen.
Neben ihm wird die aus Pantenburg stammende Allgemeinmedizinerin und Fachärztin für Anästhesie, Dr. Susanne Conrad, die Praxis führen. Zwölf medizinische Fachangestellte unterstützen die Ärzte.
Der in Manderscheid seit Langem praktizierende Internist und Hausarzt Dr. Bernd Wandernoth will seine Praxis aus Altersgründen im Jahr 2018 aufgeben. Geplant ist, dass er in der neuen Gemeinschaftspraxis bis dahin mitarbeitet. Die Versorgung seiner Patienten werde, so Schilling, somit auch über das Jahr 2018 sichergestellt.
Ferner ist in der Manderscheider Kurfürstenstraße noch Manouchehr Vahid-Yousefi mit einer eigenen Hausarztpraxis tätig.
Den ehemaligen Rathaussaal will Schilling für Arztfortbildungen und Weiterbildungen von medizinischen Fachangestellten nutzen. Der Schulungsverein Diabetes, dem Schilling vorsteht, und der bisher seinen Sitz im Wittlicher Krankenhaus hat, wird in Manderscheid tätig.
Seine Praxis in der Wittlicher Karrstraße betreibt Schilling derzeit zusammen mit Dr. Simone Badis, die nach dem Weggang ihres Kollegen dort weiter praktizieren wird. Der Verkauf des ehemaligen Rathauses wurde im nicht-öffentlichen Teil der VG-Ratssitzung behandelt. Später äußerten sich der Bürgermeister und die Fraktionssprecher.Sehr geringer Verkehrswert


Junk verwies auf den äußerst geringen Verkehrswert des Gebäudes von 72 000 Euro. In der Bilanz der VG ist der Wert des für das Ärztehaus vorgesehenen Gebäudeteils mit rund 300 000 Euro angegeben.
Junk: "Das hat mich zunächst auch verwundert, aber wenn man sieht, dass es nur zwei, drei lose Nachfragen gab, dann nützt mir auch ein großer Bilanzwert nichts, wenn er auf dem Markt nicht zu erzielen ist."
Das vorgenommene Bieterverfahren für das ehemalige Rathaus sei mit dem Gemeinde- und Städtebund, dem Innenministerium und der Kommunalaufsicht besprochen gewesen. Am Ende des Bieterverfahrens habe es nur einen Interessenten gegeben.
Schilling will den alten Schriftzug "Rathaus" an der Vorderseite des Gebäudes erhalten. Es nennt sich dann "Rathaus für Medizin und Gesundheit".
Alle Fraktionen lobten das Konzept und die Bemühungen von Bürgermeister Dennis Junk und der Verwaltung. Das Ärztehaus sei von außerordentlich großer Bedeutung für die Stadt und das Umland, betonen sie.
Die Geschäfte in der Innenstadt würden davon stark profitieren. sim