Ein Redakteur, zwölf Buchbesprechungen und 60 Zuhörer

Ein Redakteur, zwölf Buchbesprechungen und 60 Zuhörer

Mit der Besprechung von zwölf Büchern hat der aus Daun stammende Kulturjournalist Christoph Schmitz das diesjährige "Literaturcafé" des Kulturkreises im Forum vor mehr als 60 Zuhörern bestritten. Dabei ließ der Deutschlandfunk-Redakteur auch den "guten Soldaten Svejk" zu Wort kommen und empfahl Ernst Jünger als Klassiker.

Daun. Jaroslav Haseks Soldat Svejk hat nicht nur das erste, sondern auch das letzte Wort beim Literaturcafé in Daun. Bei der Vielzahl an Neuerscheinungen zum Weltkriegsausbruch vor 100 Jahren habe er sich für ein Original entschieden, sagte Christoph Schmitz, Redakteur des Deutschlandfunks über die bekannte Figur aus dem unvollendeten, antimilitaristischen, satirischen Schelmenroman des Tschechen Hasek. Auch bei seiner Klassiker-Empfehlung regte der 52-jährige Redakteur an, aus dem Gesamtwerk Ernst Jüngers vor allem die Tagebuchaufzeichnungen zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu lesen.
Unzählige Neuerscheinungen


Von den unzähligen Neuerscheinungen lenkte Christoph Schmitz den Blick auf Thomas Hettches Roman "Pfaueninsel", der die Liebesgeschichte der kleinwüchsigen Marie erzähle; auf Nino Haratischwilis Familienchronik "Das achte Leben", die von Schokolade, Lust und Verführung handele und von Poesie und brutaler Politik geprägt sei; von Olga Grjasnowas Titel "Die juristische Unschärfe einer Ehe", dem er die Attribute "leicht, unbekümmert, frisch erzählt, sehr gut konstruiert" verlieh. Das ganze Leben einer Person auf 150 Seiten? "Ja, das geht bei Robert Seethaler", versicherte Schmitz mit Blick auf dessen neues Buch, das "wohltuend unaufgeregt erzählt und in sich ruhend" sein soll.
Von den 1920er Jahren handele die neue übersetzte Autobiografie "Leb wohl, Berlin" von Christopher Isherwood, von den 1960er Jahren der Roman "Gräser der Nacht" des aktuellen Literatur-Nobelpreisträgers Patrick Modiano ("ein Meister des erinnernden Erzählens"). Leicht und komödiantisch erzählt sei Bernhard Schlinks "Die Frau auf der Treppe". Eine merkwürdige, undurchsichtige Welt erschaffe der mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Lutz Seiler in "Kruso". Schmitz lobte Nadja Küchenmeisters Gedichtband "Unter dem Wacholder" und beschrieb die Realität des Amerikaners Dave Eggers in "Der Circle" als harmlos beginnend und immer grausamer und furchteinflößender werdend.
"Wenn wir auch nicht alles lesen können", räumte der Kulturkreis-Vorsitzende Roy Coppack am Ende ein, "so bildet dieser Abend doch ungemein." bb

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